Samstag, 30. November 2013

Spinodale Zerlegung II

Wie die meisten wissen, laufe ich gegen die Vorstellung, Wirtschaft sei als ein gleichgewichtsnahes, aus sich heraus auf ein Gleichgewicht zustrebendes System zu beschreiben, seit einiger Zeit Sturm. Mein Hinweis auf die Existenz spinodaler Zerlegung moechte ich dabei als Hinweis darauf verstanden wissen, dass es soetwas wie Phasenuebergaenge, Keimbildung und Wachstum, Ostwaldreifung, Metastabilitaet und spontane Zerlegung/Entmischung gibt. Wenn man sich Wirtschaft als ein System, bestehend aus zwei Komponenten, Stoffen, Phasen denkt, indem es um materiellen Wohlstand (Komponente A) und Menschen (Komponente B) geht, dann kann man versuchen, die Vorgaenge in diesem System durch Analogien zu Zweistoff- / Zweiphasensystemen der Festkoerperphysik / Materialforschung zu beschreiben.
Ausgangspunkt fuer eine solche Beschreibung durch eine Analogie muss aber immer eine objektiv belegbare Beobachtung sein. Fuer mich ist dabei die vielfach belegte Tatsache, dass seit Mitte / Ende der 70er Jahre in den grossen westlichen Volkswirtschaften die Vermoegens- und Einkommensverteilungen zunehmend rechtsschief wurden, der wesentliche Ausgangspunkt. Denn d.h. das Vermoegen = materieller Wohlstand sich zunehmend konzentriert und zwar gegen einen bereits bestehenden Gradienten. Dies ist vollkommen untypisch fuer ein System, was angeblich aus sich heraus ein Gleichgewicht anstrebt. Denn Gleichgewicht bedeutet, dass kein Konzentrationsgradient vorhanden ist, der einen weiteren gerichteten Stofftransport antreiben koennte.Vielmehr ist der Fluss entgegen einem Gradienten ein Anzeichen von Instabilitaet, denn es muss eine Kraft geben, die nicht nur den bereits bestehenden Gradienten ueberwindet, sondern auch dessen weiter zunehmenden Anstieg. Bei physikalischen Systemen hat eine solche Kraft ihren Ursprung immer in einer Verbindung des Systems mit seiner Umwelt. Meistens werden dabei geschlossene aber nicht isolierte Systeme betrachtet. D.h. die entsprechenden Beobachtungen werden unter Auschluss von Massenaustausch mit der Umgebung aber bei moeglicher Energiezu- oder abfuhr gemacht. Hier muss also jede Analogie schon mit einem Fragezeichen versehen werden, denn das System Wirtschaft betreibt z.B. ueber Rohstoffe und Abfaelle einen intensiven Massenaustausch mit seiner Umwelt. Dennoch ist es sinnvoll sich mit solchen Phaenomenen und den zugehoerigen Theorien zu beschaeftigen. Denn die Spinodale Zerlegung, als Beispiel herausgegriffen, ist durchaus denkbar als eine Folge einer stetigen Zufuehrung einer Komponente des Systems bei konstanter Temperatur und konstantem Druck. Wenn die Konzentration dieser Komponente so bei konstanter Temperatur und konstantem Druck z.B. von rechts nach links die metastabile Phase durchquert, also steigt und dabei die Mischungsluecke, die Flaeche unter der Spinodalen erreicht, dann ist trotz weiterer Zufuhr dieser Komponente keine stabile Mischung zu erzielen, solange die Temperatur unter UCST verbleibt.




 Quelle

D.h. ein Wirtschaftssystem, welches bereits seit ueber drei Jahrzehnten eine Entmischung von Wohlstand/Geld und damit Symptome von Instabilitaet zeigt, durch die weitere Zufuhr von Geld stabilisieren zu wollen, ist bei der Annahme, dass eine Spinodale / Mischungsluecke vorhanden ist, vollkommen aussichtslos. Die Frage also ist, wenn man in diesem Bild der homogenen Phase naeher kommen will, wie bekommt man die Temperatur hoch? Mein Tip waere, dafuer zu sorgen, dass der Wettbewerb dort, wo er nicht mehr vorhanden ist, naemlich bei den Oligopolen "too big to fail", wieder seine Wirkung entfalten kann.

Sapere Aude!

Montag, 25. November 2013

Sehenden Auges

Ich moechte hiermit einen Hinweis aufgreifen, den ich bei pinkepinke gefunden habe.
Es geht dabei um einen Aufsatz von Johann Eekhoff aus dem Jahr 2004 zum Thema deutsche Exportueberschuesse, das z.Zt. mal wieder fuer interessante Diskussionen und noch interessantere Stellungnahmen sorgt.
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Mein Schluss aus dem Artikel in Verbindung mit dem Datum seines Erscheinens ist, den Betreibern des schiefen, deutschen Geschaeftsmodells ist vollkommen klar, welche Folgen und Risiken es hat. Sie betreiben es trotzdem und im vollen Bewusstsein.
Aber was ist von jemandem, der so etwas ohne Not tut, zu halten?
Was ist von jemandem zu halten, der, obwohl er genau weiss, welche Folgen ein derartiges Geschaeftsmodell hat, die politische Kaste, die sog. Experten und die Medien dafuer einspannt, dem Volk zu erklaeren, dass dies alles nur zu seinem Besten geschieht?
Kann man mit so jemandem in realistischer Aussicht auf einen ehrlichen Interessenausgleich in Verhandlungen treten? Oder angesichts einer solchen Gruppierung an die Moeglichkeit dritter Wege glauben? Was ist von denen zu halten, die sich da bereitwilligst und in grosser Zahl einspannen lassen? Von denen, die im Auftrag von Friede Springer, den Quandts und Klattens dieser Welt das Volk in einen Nebel fuehren, der die Geschichte so aussehen laesst, als waeren die negativen Seiten die unausweichlichen Folgen eines Sachzwangs, der die Entscheidung fuer dieses Geschaeftsmodell alternativlos macht und dem man sich daher zu unterwerfen habe?
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Es gibt eine erhebliche Diskrepanz zwischen den kumulierten deutschen Leistungsbilanzueberschuessen und der deutschen NIIP.

http://www.querschuesse.de/deutschland-niip-mit-1122298-mrd-euro/

D.h. erstens, die finanziellen Mittel, die aus den Leistungsbilanzueberschuessen zugeflossen sind, wurden schlecht angelegt, und zweitens es muss eine Gegenposition zu diesen Verlusten geben.



Wenn man sich auf die Suche nach dieser Gegenposition macht, dann wird man im UK und in den USA fuendig. Trotz eskalierender kumulierter Leistungsbilanzdefizite gelingt es dem UK seine NIIP nahe oder knapp ueber Null zu halten.









Und den USA gelingt es immerhin die Errosion ihrer NIIP durch esklalierende kumulierte Leistungsbilanzdefizite zu halbieren.









Wie funktioniert soetwas? Ganz einfach! An “den Maerkten” werden nicht nur die Preise fuer die aktuellen Transaktionen gebildet, sondern auch ueber diese Preise die Bewertung der bis Dato aufgelaufenen Bestaende. Wenn es also gelingt die Geldstroeme so zu lenken, das sie Titel nachfragen, die dem UK oder den USA zugerechnet werden, dann ist es so offenbar moeglich durch die dadurch ausgeloeste Aufwertung/Abwertung der Bestaende gigantische Leistungsbilanzdefizite auszugleichen (UK) bzw. zu halbieren (USA). Deutschland zaehlt zu denjenigen, die die zwangslaeufig notwendige Gegenposition inne haben. Trotzt enormer Leistungsbilanzueberschuesse steigt die deutsche NIIP deutlich schwaecher, was bedeutet, das die bestehenden Bestaende abgewertet werden. Es ist mit Sicherheit kein Zufall, dass “die Maerkte”, die diese Magie leisten in New York und in der City of London ansaessig sind. Es ist sicherlich auch kein Zufall, dass die groesste deutsche Bank mehrheitlich nicht mehr Deutschen gehoert, sondern der einzige ueber der Meldeschwelle liegende Grossaktionaer Black Rock heisst und in New York seinen Sitz hat.
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Der Knueller ist nun, dass ein sog. Wirtschaftswissenschaftler mit einem gewissen Renomee und sehr guten Beziehungen zu den allerhoechsten Etagen unserer Gesellschaft dies in einem Aufsatz im Jahr 2004, also dem Jahr in dem die Eskalation der deutschen Leistungsbilanzueberschuesse beginnt, haargenau beschreibt. Das wiederum kann nur heissen, dass diejenigen, die in Deutschland das Sagen haben, dies im vollen Bewusstsein nicht nur getan haben, sondern auch weiterhin tun. Diese Kreise haben ueber Deutschland den Daumen gesenkt. Diese Kreise haben beschlossen, dass es sich nicht mehr lohnt in Deutschland zu investieren. Weder privat noch oeffentlich. Es ist auch tabu den Arbeitnehmern, die den Reichtum erarbeiten, eine dem Produktivitaetsfortschritt entsprechende Entlohnung zukommen zu lassen und so einen entsprechenden Konsum zu ermoeglichen. Diese Kreise haben beschlossen, das Land auf die kalte Tour auszubluten und koennen sich dabei noch der Unterstuetzung einer Politik sicher sein, die ihnen temporaere Bewertungsverluste grosszuegig ausgleicht indem sie sie der Allgemeinheit aufbuerdet.
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Gleichzeitig wird die Oeffentlichkeit via Politik, “Experten” und Medien in eine abstruse, die Sachverhalte vollkommen vernebelnde Debatte gelenkt. Ein mieseres Schurkenstueck ist kaum vorstellbar.
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Die Gruppierung, die dieses Schurkenstueck betreibt, besteht aus den Quandt, Klatten, Springer, Albrecht, Mohn etc. Familien, die sich offenbar einer internationalen, kosmopolitischen Elite zugehoerig fuehlen, die inzwischen keine nationalen Grenzen mehr kennt. Die Vorstellung von nationalen Oekonomien oder gar Wohlfahrtsoekonomien ist ueberholt. Seitdem Kapital frei beweglich ist und ohne jede Einschraenkung Landesgrenzen queren kann, muss national orientiertes Denken in die Irre fuehren. Der Aufstieg multinationaler Grosskonzerne hat sein uebriges dazu getan. Selbst der amerikanische Staat sieht sich nicht mehr in der Lage von diesen Giganten und ihren Eigentuemern die dringend benoetigten Steuern einzutreiben. Ueberall unterwirft das Kapital das Gemeinwesen und macht es sich in seinem Sinne zu nutze.
Dies ist die eigentliche Essenz des Begriffs Globalisierung.
Nationale Korrektive wie z.B. eine Senkung der allgemeinen Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich werden damit unmoeglich. Nationale Wirtschaftspolitik beschraenkt sich dann nur noch darauf, die Betroffenen ruhig zu stellen und so sukzessive ihre Anpassung an die aufziehenden neofeudalen Verhaeltnisse zu betreiben.
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Wie oben angedeutet bin ich der Meinung, dass man die real existierende Oekonomie nicht mehr als Nationaloekonomie oder gar Wohlfahrtsoekonomie denken kann, wenn man sich nicht einem Wunschdenken hingeben will. Vereinfacht gesagt wird vielmehr in einem uebertragenen Sinn das Portfoliomanagement nach der Boston Consulting Group Matrix praktiziert.
http://de.wikipedia.org/wiki/BCG-Matrix
Deutschland als Asset betrachtet, ist in dieser Analyse eine Cash Cow. Das ist sogar kompatibel mit modernen evolutorischen Betrachtungsweisen. Aus der Sicht des internationalen, kosmopolitischen Management Teams geht es also im wesentlichen darum das Portfolio so zu strukturieren, dass man Dogs vermeidet, Fragezeichen = Opportunities so besetzt, dass sie ausgebaut werden koennen, wenn sie sich zu Stars entwickeln sollten und Cash Cows auf ihrem Weg zu Dogs maximal zu melken ohne sie dabei vorzeitig trocken laufen zu lassen.
Interessant ist auch der Satz im Wikiartikel bezogen auf das dort abgebildete und diskutierte Beispiel:
“Eine solche Situation hat auch starke Auswirkungen auf das Unternehmensrating gemäß Basel II. So wirft das Unternehmen zwar derzeit hohe Deckungsbeiträge ab, damit ist jedoch nicht gesagt, dass die wohl gute Kapitalisierung des Unternehmens auch rechtzeitig in die Produktinnovation investiert wird. Da bei einer Kreditanfrage die Unternehmensbewertung durch die Bank nach Basel II nur die statischen Leistungskennzahlen abfragt, ohne die Betrachtung einer dynamischen Ausschichtung des Produktportfolios, wird das Unternehmen aus vorliegendem Beispiel sowohl die EBIT-Analyse (EBIT: earnings before interest and tax) als auch die Wertschöpfungskennzahlen hervorragend darstellen können.”
Denn abweichend zur rein betriebswirtschaftlichen Betrachtung ist es nun so, dass Volkswirtschaften ihre eigene, endogene, Finanzierung auf die Beine stellen koennen, wenn sie ueber eine eigenen Zentralbank und eine eigene Waehrung verfuegen. Etwas aehnliches koennen nur Grosskonzerne, die ueber eine eigene Banklizenz verfuegen, was bei vielen DAX Konzerne inzwischen der Fall ist, oder starke Koalitionen zwischen Grosskonzernen und Grossbanken. Denn damit entsteht die Moeglichkeit sich an den Haaren aus dem Sumpf zu ziehen bzw. eine sich selbsterfuellende Prophezeiung in Gang zu setzen. Allerdings scheint dies auf der Ebene der Volkswirtschaften nur solange zu funktionieren, bis die Verschuldung aller volkswirtschaftlichen Sektoren jeweils 100% des BIPs erreicht. Bei einem Gesamtschuldenstand von 350 bis 400% des BIPs entsteht eine Art mentale Sperre, die es offenbar unvorstellbar macht, das derartige “Stars” laenger “Stars” bleiben koennen. Und so werden sie zu Cash Cows und dann zu Dogs. Das Ganze bekommt ueber diesen Zusammenhang eine zyklischen Charakter der Art Aufstieg, Stagnation und Untergang. Das ist fuer die meisten Betroffenen in den Volkswirtschaften natuerlich ausgesprochen unbefriedigend und schmerzhaft. Fuer das internationale, kosmopolitische Management Team aber eher unbedeutend, wenn man ueber ein “kompetentes” Team von Helfern in der Politik, den sog. Wirtschaftswissenschaften und Medien verfuegt, was den Betroffenen die notwendigen und “alternativlosen” Anpassungsprozesse durch eine professionelle palliative Therapie erleichtert. Insbesondere die Erklaerung, dass sich das Ganze auf ein pareto optimales Gleichgewicht zu bewegt, hilft offenbar besonders Vielen, den Glauben an Gerechtigkeit und Sinnhaftigkeit auch in schweren Stunden nicht zu verlieren. Den Medien kommt dabei die besondere Aufgabe zu, die fuenf Schritte zur Akzeptanz nach Kuebler Ross bei ihrer Kommunikation der Ablaeufe immer im Auge zu behalten. Sicherlich keine leichte Aufgabe. Aber fuer junge Chefredakteure, die diese Herausforderung als Chance begreifen eine grossartige Gelegenheit Karriere bei Friede Springer oder in aehnlichen Kommuniktionsimperien zu machen.

Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.: Ich danke pinkepinke fuer den wirklich erhellenden Hinweis auf den Eekhoff Aufsatz.
Ich danke weiterhin Steffen Bogs, dem Betreiber des Blogs Querschuesse fuer seine immer faktenbasierten Beitraege zurAufhellung dieser Sachverhalte. Wenn Sie zu denen gehoeren, die sich mehr oder weniger freiwillig jeden Monat 20 Euro von der GEZ fuer eine die Zusammenhaenge vernebelnde Berichtserstattung abziehen lassen, dann empfehle ich Ihnen  zur Abwechslung mal einen Blick in seinen Blog. Die 5 oder besser 10 Euro pro Monat lohnen sich auf jeden Fall.

Sonntag, 17. November 2013

Freihandelsabkommen made in USA

http://www.nzherald.co.nz/business/news/article.cfm?c_id=3&objectid=10491556

"The first topic on the P4 agenda will be financial services and investment. US companies, such as GE Money, already have a substantial investment in this area in New Zealand. Research is now under way to see how New Zealand companies operating in this sector may be able to benefit from opening the US market to them."

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Copyright-Abkommen-TPP-Wikileaks-veroeffentlicht-Maximalforderungen-2047972.html

"Trans-Pacific Partnership ist ein Handelsabkommen, das seit 2009 von den Regierungen der USA, Japans, Australiens, Canadas, Neuseelands, Mexiko, Chiles, Perus, Vietnam, Singapurs, Malaysias und Brunei verhandelt wird – unter strenger Geheimhaltung."
http://de.wikipedia.org/wiki/Multilaterales_Investitionsabkommen

"Unter Ausschluss der Öffentlichkeit begannen 1995 die Verhandlungen zwischen Wirtschaft und Politik mit Einbezug der Entwicklungsländer. 1997 wurden sie durch eine Indiskretion bekannt und zunächst in Kanada, den USA und etwas später in Europa, unter zurückhaltender Berichterstattung der Massenmedien, öffentlich diskutiert. Aufgrund des sich daraufhin formierenden zivilgesellschaftlichen Widerstands wurde im September 1998 von 450 Vertretern multinationaler Konzerne eine Erklärung abgegeben:
„Die Entstehung von Aktivistengruppen droht die öffentliche Ordnung, die rechtmäßigen Institutionen und den demokratischen Prozeß zu untergraben. […] Es müßten Regeln aufgestellt werden, um die Legitimität dieser aktivistischen regierungsunabhängigen Organisationen zu klären, die vorgeben, die Interessen großer Teile der Zivilgesellschaft zu vertreten.“
Geneva Business Dialogue

Sapere Aude!

Georg Trappe

Sonntag, 10. November 2013

Ungleichgewichte und Konzentrationsprozesse so weit das Auge reicht

Die sog. Wirtschaftswissenschaftler behaupten ja gerne schon einmal, dass es sich bei unserer Wirtschaft um ein gleichgewichtsnahes System handelt, das aus sich heraus Gleichgewichte anstrebt. Das geht auf einen Moechtegern-Kollegen mit dem Namen Walras
zurueck. Der hatte Mitte des 19. Jahrhunderts gluecklicherweise sein Ingenieurstudium nach wenigen Semestern abgebrochen und so der Welt vermutlich einige explodierende Dampfmaschinen erspart. Dummerweise wurde er im spaeteren Verlauf seiner Karriere Professor fuer Oekonomie und legte als solcher den Grundstein einer Theorie, die bis heute das Denken der sog. Wirtschaftswissenschaftler beherrscht. Die prominenteste Form der heute verwendeten Gleichgewichtsmodelle duerfte wohl das DSGE Modell in einer seiner vielen Abwandlungen sein. Dieser weit verbreiteten Sichtweise, die erstaunlicherweise als "State Of The Art" gilt, ist es geschuldet, dass die Verantwortlichen seit 6 Jahren der Krise im wesentlichen mit Ratlosigkeit und absurden Rezepten begegnen. Sie sehen den Wald vor lauter Baeumen nicht.
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Um diese steile These zu begruenden, moechte ich etwas weiter ausholen und einige Grundlagen aus der Sphaere, aus der Walras vermutlich die Inspiration zu seiner Theorie bezogen hat, klaeren.
Bei der Betrachtung thermodynamischer Systeme unterscheidet man verschiedene Formen nach den Eigenschaften der Systemgrenzen in Bezug auf Materie und Energie.


Quelle

Denn die Systemgrenzen koennen, massedicht oder energiedicht sein. Wobei man bei der Energiedichtigkeit noch zwischen adiabat und arbeitsdicht unterscheidet. Systemgrenzen koennen Kombinationen dieser Eigenschaften aufweisen. Ein System gilt z.B. als geschlossen und isoliert, wenn seine Grenzen sowohl masse- als auch energiedicht sind (Thermosflasche).
Ist so eine Thermosflasche mit einem Gas oder einer Fluessigkeit befuellt, stellt sich typischerweise in einem solchen geschlossenen und isolierten System bestehend aus einer Unzahl von Atomen oder Molekuelen ein thermodynamisches Gleichgewicht ein. D.h. auch, es kann durch makroskopische Zustandsgroessen, wie Druck und Temperatur zutreffend beschrieben werden. Denn Gleichgewicht bedeutet auch, dass in jedem noch so kleinen Volumenelement innerhab des Systems die gleiche Temperatur und der gleiche Druck gemessen werden. Jede Abweichung davon wuerde durch einen automatisch ablaufenden Ausgleichsprozess aufgehoben. Das Wasserglas, das Wasser bei Raumtemperatur (oder erhoehter Temperatur) enthaelt und in das mit einer Pipette ein Tropfen Farbe eingetragen wird, visualisiert dies sehr schoen.

https://www.youtube.com/watch?v=kk_-CXHVygM

Der Ausgleichsprozess = die Diffusion sorgt dafuer, dass die Tintenpartikel ueber Zeit gleichmaessig im Wasser verteilt werden, obwohl keine weitere Energie z.B. durch Ruehren oder Aufkochen eingetragen wird.
In der Vorstellung der sog. Wirtschaftswissenschaftler passiert etwas sehr aehnliches, wenn ich einen Koffer mit einer Million Euro oder einen Sack Kartoffeln auf der Koenigstrasse in Stuttgart abstelle. Das dem nicht so ist, weiss jedes Kind. Selbst wenn ich die Million gleichmaessig an alle Stuttgarter verteilen wuerde, wird nach einer gewissen Zeit festzustellen sein, dass es dem einen oder anderen gelingt aus den 1,63 Euro mehr zu machen, waehrend andere diese milde Gabe sehr schnell wieder verlieren. Es geschieht also etwas, was dem Verhalten geschlossener, isolierter und gleichgewichtsnaher Systeme direkt widerspricht.

https://www.youtube.com/watch?v=p1rK34Hbj_g

Das ist auch erklaerlich. Aber nur dann, wenn man das gleichgewichtstheoretische Gedankengebaeude verlaesst.
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Warum das nicht geschieht, angesichts eskalierender Ungleichgewichte auf allen Ebenen (Einkommensteuerstatistik, Vermoegensverteilung, Unternehmensgroessenstatistik ) und an allen Orten bleibt das Geheimnis einer inzwischen mehr als merkwuerdig anmutenden Zunft.

Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.: Zur globalen Entwicklung der UHNW Population

Freitag, 8. November 2013

Ratlosigkeit auf breiter Front

Seit dem Ausbruch der weltweiten Krise vor 6 Jahren durch das Platzen der amerikanischen Immobilienblase im August 2007 beschraenken sich die Massnahmen zu ihrer Ueberwindung im wesentlichen auf expansive Geld- und Zinspolitik der Notenbanken. Die aktuelle Zinssenkung der EZB fuegt sich in dieses erstaunliche Bild nahtlos ein.
Die tieferen Ursachen werden nach wie vor nicht wahrgenommen oder sogar aktiv ausgeblendet. Dem entsprechend bleiben sie nicht nur unbehandelt sondern eskalieren weiter. Dabei sind diese tieferen Ursachen nicht sonderlich tief vergraben. Vielmehr werden sie durch einen Blick in eine der vielen Verteilungsstatistiken, seien es nun Bestandsstatistiken, wie die Vermoegensverteilung, oder Stromgrossenstatistiken, wie die Einkommensverteilung, regelmaessig offensichtlich. Bei stark rechtsschiefen Verteilungen des Einkommens, muss der stimulierende Impuls massiver Geldmengenausweitung bzw. Zinssenkungen zwangslaeufig versanden. Die breite Masse der Bezieher niedriger und mittlerer Einkommen wird nach den Erfahrungen von 2007 nicht bereit sein sich zu verschulden und die Bezieher hoher Einkommen haben keinen zwingenden Grund ihr Spar- und "Investitions-"verhalten grundlegend zu aendern. Zwar werden die Assetpreise tendenziell noch weiter steigen, aber jedem duerfte klar sein, dass dem ein abruptes Ende droht, sobald die Renditen dieser "Assets" beginnen in der Breite auf das Niedrigstzinsniveau hin zu konvergieren. Im uebrigen gilt ganz allgemein, dass die Gewinne der einen die Verluste der anderen sind. Solange also untere und mittlere Einkommensbezieher sich zunehmend mit dem Ruecken an der Wand aufgestellt sehen, wird es schwer sein diesen irgendwelche Dinge gewinnbringend zu verkaufen. Daran aendern insbesondere nach den bitteren Erfahrungen aus der letzten Niegrigstzinsphase auch historische Tiefststaende bei den Leitzinsen vermutlich nichts.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Mittwoch, 6. November 2013

Those Foolish Economists Hurray Its Blame Game Time (again)

A couple of days ago SPON reported about the furious response of German economic leaders, including a spokesperson of the german Wirtschaftsministerium, to some critical words found in a recent semiannual report of the US Treasaury. Now Paul Krugman wrote in the NYT under the head line "Those Depressing Germans":

"Furthermore, as it happens, Germany isn’t blameless. It shares a currency with its neighbors, greatly benefiting German exporters, who get to price their goods in a weak euro instead of what would surely have been a soaring Deutsche mark. Yet Germany has failed to deliver on its side of the bargain: To avoid a European depression, it needed to spend more as its neighbors were forced to spend less, and it hasn’t done that.
German officials won’t, of course, accept any of this. They consider their country a shining role model, to be emulated by all, and the awkward fact that we can’t all run gigantic trade surpluses simply doesn’t register"
While I agree to the extend with Krugmans macro economic analysis, that not every one can generate surpluses but there must be deficit counter parts, I like to remind him to this list, that not only shows Germany, China, Saudi Arabia and Japan leading the list with tremendous current account surpluses, but also shows the US at the other side of the spectrum with an outrageous current account deficit for decades now. And this despite the fact that most of the 88 US trading partners, who have the corresponding surplus, have a floating currency in respect to the US$. So the argument used towards China doesnt hold. The question, which arises is, How come? How come that not only the globalized economy generates such inbalances, but every economy itself shows this kind of inbalances, when you zoom into it.
Regardless what economy you pick, you will find a wealth and income distributions that are right skewed. Which means that there are a few capable to accumulate tremendous surpluses while there are a lot of others who barely survive or sink into debt. And when you track the development of skewness (the increasing distance of mode, median and mean) of such distributions over time, you will discover that this will increase. How come, that not only on a global level, but on every scale you choose, we find the same patterns of inbalance or disequlibrium?
How does Krugman want to explain this with models and theories that are "equilibrium centric"?
I think there is no way to find explainations or solutions for these serious problems, as long as you stay within the house of equilibrium centric thinking. Move on. The response of german economic leaders to the critique in the US Treasury report is very disapointing. It shows in a painful way unbelieveable ignorance towards some very basics of economics. But it would be at least as painful to watch an "progressive" economists of Krugmans calibre walking into a simlar trap of ignorance towards strong indications that our economies are out of equilibrium systems?

Sapere Aude!

Georg Trappe

Trickle Down Effects in Action. US Wage Distribution 2012



Source: http://www.socialsecurity.gov/cgi-bin/netcomp.cgi?year=2012
http://www.querschuesse.de/usa-wage-statistics-for-2012/#comment-73501

" The "raw" average wage, computed as net compensation divided by the number of wage earners, is $6,529,097,960,690.75 divided by 153,632,290, or $42,498.21. Based on data in the table below, about 67.1 percent of wage earners had net compensation less than or equal to the $42,498.21 raw average wage. By definition, 50 percent of wage earners had net compensation less than or equal to the median wage, which is estimated to be $27,519.10 for 2012. "

"Die Zahl des Tages ist, dass die 2’915 US-Amerikaner mit den höchsten Löhnen mehr verdienen, als die 23,303 Millionen US-Amerikaner am unteren Ende der Lohnstatistik 2012. Diese Zahl ist ein klarer Beleg, dass die enorme Ungleichheit bei den Einkommen, wie auch bei den Vermögen zu einem Exzess mutiert sind und zu einem gravierenden Hemmschuh jeglicher positiven wirtschaftlichen Entwicklung geworden sind. Die Dimension des US-Niedriglohnsektors mit 37,143 Millionen Arbeitnehmern bzw. 24,4% aller abhängig Beschäftigten, die unter 9’999 Dollar im Jahr verdienten, wird wohl selbst kritische Betrachter der USA noch verblüffen.
Es ist ein unfassbar perverses System, aber immerhin, mit in Teilen vorbildlicher Datentransparenz :)
Jeder kann es wissen und jeder kann seine Erkenntnisse daraus ziehen!"


Source: http://rwer.wordpress.com/2013/11/04/trickle-down-economics-total-horseshit/

Sapere Aude!

Georg Trappe

Montag, 4. November 2013

Voelliger Unsinn

Leser meines Blogs wissen, dass ich Gleichgewichtstheorien, die behaupten, Marktwirtschaften wuerde in einem Prozess der Selbstregulation aus sich heraus auf ein Gleichgewicht zustreben, sehr skeptisch gegenueber stehe, da sie meiner Meinung nach empirisch widerlegt sind. Nun meldet sich das Finanzministerium der Volkswirtschaft zu Wort, welche ueber Jahrzehnte gigantische Leistungsbilanzdefizite mit den meisten seiner Handelspartnern aufgetuermt hat und kritisiert die Wirtschaftspolitik des Landes, das ebenfalls seit Jahrzehnten die Liste der Laender anfuehrt, die Leistungsbilanzueberschuesse generieren, die notwendigerweise den Leistungsbilandefiziten gegenueberstehen. Endlich!, moechte man da ausrufen. Endlich beginnen die beiden Extrema, die die Theorien eines aus Selbstregulation entstehendem Gleichgewicht, Jahr fuer Jahr ad absurdum fuehren, einen fuer die Weltwirtschaft dringend notwendigen Dialog ueber die Tatsache, dass die ja durchaus wuenschenswerten Gleichgewichte sich nicht theoriegemaess von selber einstellen wollen. Doch was ist die scheinbar einhellige und geradezu unglaubliche Antwort der Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik im Land der Dichter und Denker?
Alles voelliger Unsinn! 
Ich fasse es nicht. Dabei sind zumindest die Verantwortlichen in der Politik sogar gesetzlich durch GG Art. 109, Abs. 2 und das Stabilitaetsgesetz vom 8. Juni 1967 verpflichtet, eine Wirtschaftspolitik zu betreiben, die ein gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht, was auch ein aussenwirtschaftliches Gleichgewicht umfasst, zum Ziel hat.
Das die Sinnhaftigkeit dieses Ziels, auch nach einer Krise, die die Weltwirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs gefuehrt hat, die wirtschaftliche Entwicklung in Europa um Jahre zurueckgeworfen hat und durch die schlagartige Entwertung von Krediten, die ans Ausland gegeben wurden, ausgeloest wurde, derart vehemment durch fuehrende Persoenlichkeiten der deutschen Wirtschaft bestritten wird, ist ein erschreckendes Zeugnis  des desolaten Zustandes, der in den Koepfen dieser Herrschaften herrschen muss.
Diese Herrschaften haben ganz offensichtlich weder ueber ganz grundsaetzliche wirtschaftliche Zusammenhaenge noch ueber die tieferen Ursachen der Krise der vergangenen fuenf Jahre nachgedacht. Es mag ja sein, dass die Seite, die das Problem nun in Form von Kritik an deutscher Wirtschaftspolitik anspricht, sich in der Vergangenheit taub gestellt hat, aber das entbindet doch nicht von der Pflicht, eine solche Gelegenheit in konstruktiver Weise aufzugreifen, um dieses zentrale und gewichtige Problem einer Loesung naeher zu bringen. Denn die "magischen Haende" des freien Marktes loesen es garantiert nicht. By the way, sie tun dies weder auf der Ebene der Volkswirtschaften noch auf den Ebenen der Unternehmen und Individuen. Aber das ist ein anderes Thema.

Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.: Eine faktenbasierte Betrachtung des "Voelligen Unsinns" finden Sie hier.

Eine Collage

Gruesse von einem Alien aus Japan (wo eine der deutschen Beziehung zur Arbeit und Leistung(sueberschuessen) sehr aehnliche Kultur gepflegt wird). Das der Alien ausgerechnet von einem amerikanischen Schauspieler (=potentiellem Praesidenten) dargestellt wird, ist kein Zufall;-). 
 
Suntory
 
Deutsche Einzelhandelsumsaetze 
 
Interview mit Robert D. Kaplan, one of the world's "top 100 global thinkers."
 
Darin heisst es u.a.:

"Solange auch die Verteidigungsetats nicht steigen, wird Europas Macht immer begrenzt bleiben."

oder
"Unsere Wahlbeteiligung ist niedrig, und das ist für mich ein gutes Zeichen. Weil es nämlich bedeutet, dass viele Menschen zu beschäftigt und auch zufrieden sind mit ihrem Leben, als dass sie wählen gehen müssten. Viele Wähler sind zudem Wechselwähler. Je weniger eine Gesellschaft politisiert ist, umso besser ist dies für ihre Stabilität. Das ist immerhin ein Grund zu Optimismus."
Grundlage fuer diese Aussage ist der seit Jahrzehnten funktionierende  amerikanische Gegenentwurf. Der Bronx entsprungen mit "Ironie des Schicksals AN" marokkanisch / somalischen Wurzeln "Ironie des Schicksals AUS". Chinesische Weisheit dazu : .... you should do more of what makes you happy....... oder : wie geduldig kann ein Mensch sein bzw. was halten sie aus :



Denn so sollte es nicht enden :
 
 
Oder?