Montag, 31. Dezember 2012

Das Fargione Integral. Warum Neoliberalismus die Funktionsbedingungen fuer den Kapitalismus zerstoert.

Eine Forscher Gruppe um J. Fargione am Department of Ecology, Evolution and Behavior der University of Minnesota in St. Paul, Minnesota, USA hat im Juli 2011 eine Arbeit veröffentlicht, die mathematisch sauber die Entstehung eines massiven Problems des Kapitalismus erklärt.
Dieses Problem, von mir salopp Fettaugensyndrom genannt, entsteht aus drei ganz grundlegenden ökonomischen Verhaltensweisen / Sachverhalten, die jedes Individuum aber auch jede Firma und zunehmend auch jede Volkswirtschaft an den Tag legt. Diese drei Grundlagen, des im Aufsatz vorgestellten Integrales und dem darauf basierenden Modell, sind diese deutlich beobachtbaren, fundamentalen Realitäten einer kapitalistischen Wirtschaftsweise:

1.) Die Fähigkeit wirtschaftlich aktiver Menschen Ueberschuesse zu produzieren.
2.) Die konsequente Verfolgung der Idee, diese Ueberschuesse in Teilen oder gänzlich zu reinvestieren, mit dem Ziel, die eigenen Produktivität weiter zu erhöhen, um sich und seinen Kindern so einen Weg in eine bessere Zukunft zu eröffnen.
3.) Streuung des Erfolgs über die Population und die Zeit bei der Umsetzung dieser Idee.

Das Modell zeigt analytisch sauber auf, das über Zeit bei fortgesetzter Umsetzung dieser Fähigkeit und der darauf aufbauenden Idee, also das ständige Streben nach "Mehr" aller Beteiligten unweigerlich dazu führen muss, das sich die materiellen Ressourcen, auf die sich dieses Verhalten bezieht, zunehmend in den Händen weniger konzentrieren.

Actual distribution of U.S. wealth in 1995.
Solid line represents the best fit for the Pareto distribution () and the dashed curve represents the best fit from our model (). The -axis shows accumulated capital, log scale; the -axis shows the portion of the population having that amount of capital or more, log scale. Both are two-parameter curves.

Dabei ist festzustellen, dass die Streuung des Erfolgs die Rate mit der die Ungleichheit steigt in der Weise bestimmt, dass eine große Streuung diese Rate erhöht und eine geringe Streuung diese Rate vermindert. D.h. die wirtschaftsliberale Rezeptur, die in einer Aufbauphase eine schnelle Errichtung von effizienten Strukturen bewirkt, kehrt sich im Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung in ihrer Wirkung derart um, dass die Nachteile aus immer weiter und schneller ansteigenden Konzentrationen von Vermoegen aber auch Banken und Firmen zunehmend die Vorteile immer grenzwertiger werdenden Effizienzsteigerungen überwiegen und es so zu einem Niedergang kommt, der, wenn diese Probleme nicht erkannt und an der Wurzel adressiert werden, direkt in eine Katastrophe münden muss. Denn man kann sagen, dass sich ein derart fortgeschrittener Kapitalismus den Verhältnissen in einer Planwirtschaft zunehmend annähert und es dadurch zu ungeheuren Fehlallokationen kommt. Durch die zunehmende  Ausbildung von Monopolen, Kartellen und engen Oligopolen erstarrt der effektive Wettbewerb und wird zu einem reinen Kostensenkungswettlauf, bei dem Qualitäten keine Rolle mehr spielen. Gleichzeitig kommt es zu einer Klumpung von Risiken in Firmen, Banken und Konzernen die "too big to fail" werden. Wenn diese Risiken eintreten erfolgt dann zwangsläufig eine irgendwie geartete Sozialisierung der Folgen (staatliche Bailouts, AIG CDS), was den vielbeschworene und unterstellten Selbstheilungskraeften des Marktes direkt widerspricht. Weiterhin verlieren diese Giganten zunehmend die Fähigkeit dringend notwendige Anpassungsveraenderungen, deren Notwendigkeit sich aus Veränderungen der Umgebung ergeben, vorzunehmen. Das beste aktuelle Beispiel dafür sind die Energieversorger aber auch die Banken und ihr auffällig unvernünftiges, beharrendes Moment, dass selbst ein demokratisch verfasster Staat offenbar nicht mehr zu überwinden vermag. D.h. es wird nicht nur die Demokratie aus den Angeln gehoben, indem sich die Macht dieser Giganten gegen die Interessen von Mehrheiten richtet, sondern die Sache wird potentiell lebensbedrohlich. Das dabei im Innern die gesellschaftliche Kohaesion verloren geht, die in einer hoch arbeitsteiligen Volkswirtschaft unbedingt erforderlich ist, kann auch nicht dadurch dauerhaft überwunden werden, das man ein Teil der Probleme, wie die Tendenz zu hoher Arbeitslosigkeit, nach aussen in schwächere Volkswirtschaften exportiert. Denn der Versuch auch auf Ebene der Volkswirtschaften Ueberschuesse zu generieren und dem Grundmuster entsprechend einzusetzen zeitigt notwendigerweise auch dort die selben Probleme wie auf der Ebene der Firmen und Individuen, wie diese interessante Liste (bitte bis zum bitteren Ende durchlesen) zeigt.
Das Problem/Phaenomen ist skaleninvariant, was sehr oft, man kann fast sagen typischerweise, bei gleichgewichtsfernen und durch einen Energiestrom angetriebenen System zu beobachten ist. Ich kann nur hoffen, dass die weitreichende Bedeutung des Fargione Integrals (1) und dem darauf basierenden Modell erkannt wird und so die leider bestehende ideologische Polarisierung der seit Jahren im Kreis laufenden Diskussion um Loesungen aufhebt bzw. zum entscheidenden Durchbruch verhilft. Geschieht dies nicht, wiederholt sich mit grosser Wahrscheinlichkeit die traurig und tragische Geschichte des Kapitalismus solange, bis das notwendige Verstaendnis hergestellt wird oder Mangels Kapitalisten nicht mehr benoetigt wird.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Kommentare:

  1. Folgende Fundsache scheint mir auch hier gut zu passen: Aistoteles
    Viele Regierungen machen den Fehler, den Reichen zu viel Macht zu geben, (…). Es kommt eine Zeit, da aus etwas wirklich Gutem etwas wirklich Böses
    wird, denn die Eingriffe der Reichen sind von zerstörenderer Wirkung für
    den Staat als die Taten des Volkes.
    Gefunden bei:
    http://klausbaum.wordpress.com/

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  2. Tja, der Aristoteles. Immer einen Rueckgriff wert. Die attischen "Demokratien", allesamt Sklavenhalter Gesellschaften, haben so einiges zu bieten. So hat Perikles wohl mal sehr treffend die Konsequenzen der "Ueberlegenheit" dieser Staaten formuliert:„ ... euch drohen auch der Verlust eures Reiches und die Gefahren des Hasses, der euch aus der Herrschaft erwuchs. Aus der zurückzutreten steht euch auch nicht mehr frei, falls einer in der Angst dieser Stunde sogar tugendhaft und friedfertig werden wollte; denn die Herrschaft, die ihr übt, ist jetzt schon Tyrannis; sie aufzurichten, mag ungerecht sein, sie aufzugeben, ist gefährlich.“
    Knapp 100 Jahre vor ihm gab es wohl ein paar tausend Kilometer weiter oestlich auch einen weisen Mann, der es auf die Essenz herunter destilliert hat und daraus ein paar sehr pragmatische Verhaltensempfehlungen abgeleitet hat.
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d9/Achtpfad.png
    Epikur steht dem und damit meiner Sichweise naeher als Aristoteles, wenn er sagt:
    "Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug."
    oder
    "Es ist ein Übel, unter Zwang zu leben, doch unter Zwang zu leben, ist kein Zwang vorhanden."

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  3. Sehr geehrter Herr Trappe,

    mir ist diese von Ihnen beschriebene Zwangsläufigkeit der Konzentration der Vermögen in wenigen Händen aufgrund der wirtschaftsliberalen Gedanken noch nicht klar.

    Ich persönlich mache die Erfahrung, daß das Leben als Unternehmer ein sehr anspruchsvolles Leben ist. Wenn ich im Wettbewerb nicht mitziehe, was Investitionen anbetrifft, dann verliert meine Firma an Wert. Wenn ich mehr mache als der Wettbewerb, dann verdiene ich mehr bei gleichzeitig großem Mehraufwand. Später ziehen die Wettbewerber schnell nach und mein Vorteil ist wieder dahin.

    D.h. ich lebe die Erfahrung, daß der Gewinn gegen O geht, wenn einem nicht ständig etwas Neues einfällt. Wenn Sie Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung lesen, dann finden Sie diese Erfahrung dort beschrieben. In der Theorie wird das unter vollständiger Konkurrenz abgehandelt, wo der Gewinn gegen O geht.

    Aus meiner Sicht der Dinge bedeutet eine Konzentration von Vermögen, daß Wettbewerb ausgeschaltet wird. Das Ziel müßte also sein, gegen das Ausschalten von Wettbewerb vorzugehen, überall da, wo das geschieht.

    Die Folge wäre eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, eine gerechte Verteilung des Produktivitätsfortschritts incl. Innovationene.

    MfG Huthmann

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  4. Sehr geehrter Herr Huthmann,

    ich kenne die Erfahrungen, die Sie hier beschreiben auch aus dem eigenen Erleben. Und in bezug auf Wettbewerb schliess ich mich dem an was SLE an anderer Stelle schon dazu geschrieben hat.
    http://www.querschuesse.de/die-schlacht-um-die-bank-of-japan-volles-risiko-in-japan-nach-regierungswechsel/#comment-59187
    Sein Buch zum Thema ist meiner Meinung nach ebenfalls sehr lesenswert:
    http://www.amazon.de/s?_encoding=UTF8&search-alias=books-de&field-author=Stefan%20L.%20Eichner
    Und ich kopiere hier nochmal meine Antwort zur parallel verlaufenden Diskussion auf Querschuesse ein, um es fuer evtl. Mitleser nachvolziehbar zu halten:
    Um es kurz zu machen. Ich laufe gegen Fettaugen Sturm. Und eine planwirtschaftlich gelenkte Wirtschaft ist aus meiner Sicht das groesste denkbare Fettauge. Eine kapitalistische Wirtschaft, in der das Geschehen zunehmend von Giganten “too big to fail” bestimmt wird, verhaelt sich zunehmend wie eine planwirtschaftliche Wirtschaft, mit allen Konsequenzen bis hin zu monstroesen Fehlallokationen. Alles weitere hat SLE schon gesagt und ich kann es nur noch zehnmal unterstreichen. Maerkte verkommen zunehmend, Wettbewerb findet wenn ueberhaupt nur noch eindimensional im Kostensenkungswettlauf statt, usw. usf.. Und es ist kein Zufall, dass zunehmend von Weltwirtschaftsregierungen und aehnlichen Giga Fettaugenkonstrukten die Rede ist. In meinen Augen ein absoluter Albtraum. Wenn es eine Loesung gibt, dann ist sie meiner Meinung nach in Richtung Dezentralisierung, Wiederherstellung von Wettbewerb und Besinnung auf ein menschliches Mass zu suchen.
    Aber auf garkeinen Fall in immer groeser werdenden Konstrukten, in denen Masslosigkeit zum Prinzip erhoben wird.
    -
    Das fargione Integral zeigt auf, dass Fettaugen nach wachsen wie Unkraut. D.h. wenn man die negativen Folgen dieser Entwicklung ins kalkuel mit einbezieht, was die Mainstream Wirtschaftswissenschaften nicht tun, dann steht man vor einem kniffeligen Optimierungsproblem, das tatsaechlich sehr hohe Anforderungen stellt:
    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/04/wirtschaft-ein-optimierungsproblem.html
    Viele Gruesse
    Georg Trappe

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  5. Sehr geehrter Herr Trappe,

    wenn ich Sie richtig verstehe, dann sind wir beide der Meinung, daß die Vermögenskonzentration in wenigen Händen nicht eine unabänderliche Erscheinung des Kapitalismus ist, sondern darauf zurückzuführen ist, daß der Wettbewerb zunehmend ausgeschaltet wird. D.h. wenn wir eine Ordnungsstruktur hätten, die für funktionierenden Wettbewerb sorgen würde, dann wäre das Problem der Vermögenskonzentration nicht gegeben.

    Somit müssen wir uns fragen, wie wir es schaffen, eine solche Ordnungsstruktur zu etablieren und wirksam zu halten. Auf die Schaffung einer solchen Struktur müßte hingearbeitet werden.

    MfG

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  6. Sehr geehrter Herr Huthmann,

    das ist genau richtig. Es ist Arbeit am Gemeinwesen notwendig um diese Dinge zu regeln. Und soweit, wie ich glabe die Dinge verstanden zu haben, muss man sich wohl auch von der Vorstellung frei machen, dass eine einmalig konzipierte und etablierte Ordnung dies auf ewig leistet. Es ist ein Entwicklungsprozess, der voranschreitet. Und ich kopiere hier nochmal meine Antwort ein, die ich an anderer Stelle schon gegeben habe:

    Meiner Meinung nach ist es vor allen Dingen eine Kopfgeschichte. Das erste was geschehen muss, ist die Herstellung der Einsicht in die tieferen Ursachen des Problems. Solange eine solche Einsicht nicht besteht und die offizielle Lehrmeinung und damit das was an den Eliteschulen vermittelt wird, im genauen Gegenteil besteht, hat die Vernunft keine Chance. Solange das geozentrische Weltbild bestand, konnten bestimmte "Ungereimtheiten" nicht behoben werden. Erst als sich die Erkenntnis durchsetzte, dass die Erde ein Planet ist, der um die Sonne kreist, war der Weg frei fuer die Aufloesung dieser "Ungereimtheiten". D.h. Ideen und Vorstellungen sind sehr machtvoll. Und Fortschritt bedeutet die Ueberwindung falscher Ideen und Vorstellungen. Meine Hoffnung ist also, dass mit Vernunft begabte Menschen faehig sind im Konsens eine Loesung zu finden, wenn sie ersteinmal die tieferen Ursachen der Probleme erkannt und begriffen haben. Wenn man gleichzeitig davon ueberzeugt ist, dass moderne Demokratie und die Idee einer Volonte generale nicht nur einmalige Fortschrittseregnisse darstellen sondern kontinuierlichen Fortschritt ermoeglichen, dann kommt man zu Antworten auf Ihre Frage, wie ein Kollege und Freund sie mal hier, wie ich finde ganz ausgezeichnet, zusammen gefasst hat:
    http://community.zeit.de/user/vagant/beitrag/2010/11/09/dein-wille-geschehe

    Viele Gruesse
    Georg Trappe

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  7. Sehr geehrter Herr Trappe,

    man könnte doch einmal Märkte mit ausreichend Wettbewerb modellieren und dann schauen, was passiert.

    Wenn Sie Renditen als Zufallsvariable modellieren pro Zeitperiode, dann modellieren Sie nicht funktionierenden Wettbewerb und gemäß Grenzwertsatz in der Statistik müßte immer das rauskommen, was bei Ihnen rauskommt, nämlich eine Normalverteilung mit wachsender Vermögenskonzentration.

    Täusche ich mich da?

    MFG

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    1. Das Fargione Integral und das darauf aufbauende Modell zieht alle Parameter, die auf die erzielten Renditen einen Einfluss haben in einer Zufallsgroesse zusammen. Darin sind Wettbewerb und Wettbewerbsfaehigkeit enthalten. Der Pool der Renditen aus dem via Zufall gezogen wird, ist im Modell normalverteilt. Der Effekt tritt aber auch bei anderen Verteilungen, z.B. Gleichverteilung der Wahrscheinlichkeit von Renditen auf. Was entscheidend ist fuer die Rate mit der die Ungleichheit ansteigt, ist die Streuung der Renditen. D.h. bei grossen Streuungen steigt die Ungleichheit schnell an, bei kleinen langsam. Wenn man mit dem Modell experimentiert, dann stellt man weiterhin fest, das z.B. die Einfuehrung von Verbrauchsoffsets also z.B. ein Existenzminimum das nicht zur Reinvestition zur Verfuegung steht und vorher konstant abgezogen wird ebenfalls zur beschleunigung der Entstehung von Ungeichheit fuehrt. Daraus folgt, dass z.B. Verbrauchssteuern auf Gueter des taeglichen Bedarfs das Problem anheizen, progressive Einkommenssteuern, die genutzt werden, um Investitionen in das Gemeinwesen zu bezahlen daempfen das Problem. Die Spreizung von Loehnen und Gehaeltern, die nach neoliberaler Denkweise notwendig ist, um die Motivation und damit das Gemeinwohl zu steigern, bewirkt ebenfalls eine eErhoehung der Rate, mit der die Ungleichheit ansteigt. Man kann fast sagen, alle neoliberalen Rezepte verschaerfen das Problem in dem sie die Rate mit der die Ungleichheit ansteigt steigern.
      -
      Das Modell liefert keine! Normalverteilung sondern eine zunehemend rechtsschiefe Log-Normalverteilung der Bestaende/Vermoegen. Das liegt daran, das ein multiplikativer Prozess diese Entwicklung antreibt. Im Modell ist der Pool der Renditen als normalverteilt angenommen (s.o.).
      Siehe auch:
      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/08/multiplikative-prozesse-haben-es-in.html
      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/09/ergodizitaet-und-multiplikative-prozesse.html
      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/10/ergaenzung.html
      -

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  8. auch wenn der obige Artikel schon eine Weile Online ist möchte ich aus gegebenem Anlass Heute auf:
    http://www.zeit.de/2014/11/ungleichheit-reichtum-kapitalismus?commentstart=1#cid-3575969
    hinweisen.

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  9. Vielen Dank fuer den freundlichen Hinweis.
    Die Arbeit von Fargione et al fand (und finde ich noch immer) so elektrisierend, dass ich es seiner Zeit bei der ZEIT mit Hinweisen darauf fuer den Geschmack der ZEIT Online Redaktion wohl etwas uebertrieben habe.

    Man hat dort mein Konto = mein Zugang zu vielen Kommentaren von mir kurzerhand gesperrt.

    Trotzdem gehoeren der obige und der folgende Artikel zu den meist gelesenen in meinem Blog, was ich ganz bemerkenswert finde:

    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/11/wie-sich-das-system-selbst-zerstoert.html

    Es ist leider so, dass sich kaum einer vorstellen kann, dass in einem System, in dem jeder nach besten Kraeften nach "Mehr" strebt, alleine durch die Streuung des Erfolgs dabei Konzentrationsprozesse in Gang gesetzt werden, die, wenn das Ganze nur lange genug anhaelt, sehr negative Folgen haben.

    Die Vorstellung, wenn nur jeder nach "mehr" strebt, dann ist allen geholfen, ist leider nur fuer die begrenzte Zeit einer Aufbauphase richtig. In einer spaeteren Phase koennen die negativen Folgen das zunaechst Positive ueberwiegen und sogar zerstoeren. Das ist tragisch!

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  10. Sehr geehrter Herr Trappe!

    Ich befasse mich seit Jahren leidenschaftlich mit dem Thema, bin allerdings erst vor kurzem auf das Fargione Integral und auf Ihren Blog gestoßen. Mittlerweile hat ja auch Thomas Piketty eindringlich vor einer zu starken Vermögenskonzentration gewarnt (Das Kapital im 21. Jahrhundert).

    Ich finde das Fargione Integral super, da für mich damit endlich zweifelsfrei die selbstzerstörerische Kraft des Kapitalismus bewiesen ist.

    Nur, wie löst man dieses Problem praktisch, also wie stellt man aktuell sicher, dass unsere Kinder und Enkel weiterhin eine friedliche und lebenswerte Welt vorfinden? Muss man, wie Piketty fordert, in einer globalisierten Welt eine globale, progressive Vermögenssteuer verlangen und diese mit Hilfe von Gewerkschaftsorganisationen erkämpfen? Oder würde es genügen, zu einer "neoliberalen" Politik (im Sinne der ursprünglichen Wortbedeutung, also vor Thatcherismus und Reaganomics) zurückzukehren? Was ist Ihre Meinung, was muss man, was könnte ich als einfacher Bürger in der jetzigen Situation tun, um den (un)vermeidlichen Niedergang des Kapitalismus, und damit die drohende Katastrophe zu verhindern?

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  11. Freut mich, wenn sich jemand meldet, der die Relevanz des Modells erkennt. Leider gelingt das viel zu wenigen. Womit wir schon bei Ihrer Frage sind. Ich denke es ist wichtig ersteinmal ein Verstaendnis aufzubauen und zu verbreiten. Das versuche ich mit diesem Blog und an anderen Stellen. Muehsam aber nicht vollkommen erfolglos, wie mir Ihr Kommentar z.B. zeigt.Ich persoenlich habe mich entschieden meine Energie nicht mehr in diesen Akkumulationswettbewerb zu investieren. Vielmehr deinvestiere ich. Das ist zwar keine Loesung fuer das globale Problem aber ein erster Schritt, der all jenen offen steht, die schon mehr anghaeuft haben als sie jemals sinnvoll einsetzen koennen. Was eine ausgesprochen privilegierte Situation / Wahlmoeglichkeit ist. Ansonsten versuche ich Menschen die vor dem Nichts stehen davor zu bewahren ins bodenlose abzustuerzen und denjenigen, die besser gestellt sind, zur Einsicht zu bewegen, dass man Wirtschaft nicht als einen Sport betrachten kann, indem es ausschliesslich darum geht moeglichst schnell moeglichst viel zu akkumulieren. D.h. da man die Streung von Erfolg wohl nicht verhindern kann und die Entstehung von Strukturen und Hirarhien auch nicht etwas grundsaetzlich schlechtes dar stellt, versuche ich fuer ein Verstaendnis zu werben und die Exzesse, die die Entwicklung beschleunigen anzugehen. Wenn man mit dem Modell experientiert erkennt man z.B. das eine Mehrwertsteuer auf die Dinge des taeglichen Bedarfs beschleunigenden wirkt. Die Organisation eines Casinos, wo die Returns auf den Einsatz zwischen -100% und +x00% streuen kann, ist der abolute Suenden Fall und muss abgeschafft werden. So gibt es also viele Dinge die fast jeder, wenn er mal verstanden hat woran es liegt tun kann. Auf der wirtschaftspolitischen ebene waeren es Kartellgesetze, die jede Grossfusion unterbinden. Aber Sie sehen schon, da benutze ich schon den Konjunktiv angesichts der ideologischen Verblendung, die sich da breit gemacht hat.

    Viele Gruesse

    Georg Trappe

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