Donnerstag, 15. Dezember 2011

Das Comeback des Monetarismus

Das Comeback des Monetarismus
heisst ein Titel der heutigen Online Ausgabe des Handelsblatt. Das ist in etwa so, als wuerde man am Tag nach Untergang der Titanic mit dem Titel "Historischer Durchbruch in der Seefahrt" in einer Fachzeitschrift fuer Segelsportler eroeffnen.
Und tatsaechlich lernen wir, was eine Wende ist:
"Eigentlich haben die Notenbanken in den vergangenen 30 Jahren alles richtig gemacht. Sie haben die Inflation in Schach gehalten, ohne dabei das Wachstum abzuwürgen. Genau das ist nach gängiger Meinung von Volkswirten der Auftrag von modernen Zentralbanken.
Grund zum Jubeln gibt es für die Notenbanker trotzdem nicht. Die Industriestaaten sind in die tiefste Wirtschafts- und Finanzkrise seit der "Großen Depression" gefallen, und ein Ende der Misere ist noch lange nicht in Sicht."

Und wir lernen auch was eine Halse ist:
"Die gewaltige Kreditblase, sie sich bis 2007 bildete und deren Platzen eine neue Weltwirtschaftskrise auslöste, konnten diese Modelle nicht erfassen. Ökonom Werner führt dieses Versagen der Monetaristen und Zentralbanker auf einen Denkfehler zurück: "Es wird so getan, als ob es für Wachstum und Stabilität gleichgültig wäre, wofür Geld und Kredit verwendet werden, aber das stimmt nicht." Mit dem Verwendungszweck stehen und fallen die ökonomischen Effekte des Kredits."

Wow, ich bin tief beeindruckt. Das ist also ein historischer Durchbruch (Neo-Monetarismus;-) in der bemannten Seefahrt, nachdem sich in der Nacht zuvor die Titanic  in Richtung Meeresgrund auf den Weg gemacht hat. Trotzdem werden in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung weiterhin Ersparnisse automatisch zu Investitionen ( 1 ) und es spielt auch weiterhin keine Rolle, welchen Entwicklungsstand dabei die betrachtete Volkswirtschaft erreicht hat ( 2 , 3 ). Nun ja, jede Chefredaktion hat mal einen schlechten Tag und das es den meisten Oekonomen offenbar regelmaessig schwer faellt, aus Wahrnehmungen angemessene Schluese zu ziehen ( 4 ), das hatten wir ja auch schon mal.  Doch gestern muss es ein besonders schlechter Tag gewesen sein. Denn wer im fuenften Jahr nach offenbar werden der massiven Denkfehler neoliberaler Ideologie solche Krokodilstraenen vergiest, weil ".....In einer Situation, in der kein Land der Welt seine Schulden im Griff hat, braucht es eine liberale Partei, die darauf achtet, dass wegen dramatischer Haushaltszahlen nicht reflexartig der Griff des Staates in die Taschen der Bürger entsteht. In einem politischen Klima, in dem immer und überall zuerst gefragt wird, ob der Staat etwas regeln kann, braucht es eine Meinung, die fragt, ob nicht zuerst der Bürger sich selbst organisieren kann. Und in einer Debatte, in der es darum geht, das rechte Maß an Souveränität an die richtige Institution abzugeben, braucht es eine Stimme, die dafür kämpft, möglichst viel dort zu belassen, wo es am übersichtlichsten geregelt werden kann: vor Ort. Das alles sind urliberale Themen. Ich finde es jammerschade, dass sich dafür kein ernstzunehmender Vertreter in der Politik mehr findet.", dem ist offenbar mehr abhanden gekommen.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Samstag, 10. Dezember 2011

Was waere wenn?

Was waere, wenn der juengste Eurogipfel den lang erhofften Befreiungsschlag geliefert haette, auf den die Welt bis heute vergeblich wartet? Nun die angeschlagenen Volkswirtschaften wuerden wieder wachsen, anstatt zu schrumpfen und die dadurch ansteigenden Steuereinnahmen der Staaten wuerden einen sukzessiven Abbau der jaehrlichen Nettoneuverschuldung erlauben, aehnlich, wie es Deutschland  kurz vor dem Ausbruch der Krise nach fast 40 Jahren! erstmalig! moeglich war ( 1 ).  Wohlgemerkt, es wuerde vielleicht moeglich, das Wachstum der Staatsschulden langsam auf Null zurueck zu fahren. Ein Abbau des gigantischen Schuldenberges bliebe trotzdem sehr unwahrscheinlich.
Der Euro wuerde im Wert gegenueber US$ und anderen Waehrungen steigen und das Trommelfeuer der Ratingagenturen muesste sich ein anderes Ziel suchen. Wenn man sich nun die Frage stellt, welches Ziel dann logischerweise in den Fokus der Ratingagenturen und der "Maerkte" ruecken wuerde, wird einem klar, warum es nie zu diesem lang erhofften Befreiungsschlag kommen wird. Und wenn man sich weiterhin die Frage stellt, wohin die Ersparnisse und die dann ueberall in Europa sprudelnden Gewinne der von der Krise befreiten EU Staaten denn fliessen wuerden, wenn sie nicht mehr in Staatspapiere der schwaecheren EU Volkswirtschaften fliessen, dann wird einem klar, was das wirkliche Problem dieses Konstrukts ist. Und dann wird auch klar, was uns an Schwachsinn in diesem Kasperletheater zugemutet wird. EU Vertragsaenderungen und Sanktionen sollen nun das richten, was drastische Herabstufungen durch Ratingagenturen und dadurch dramatisch ansteigende "Strafzinsen" nicht nur nicht richten konnten, sondern verschaerfend an Schaden angerichtet haben. D.h. die diskutierten Sanktionen muessten wirksamer, also in ihrer Hoehe noch dramatischer sein als die "Strafzinsen", die nun durch die "Maerkte" gefordert werden.  Mir erschliesst sich diese Logik nicht. Ihnen?

Sapere Aude!

Georg Trappe

Nachtrag: Wie abwegig das sog. transatlantische Denken und die Vorstellung ist, die massgeblichen Kreise in den USA und in Europa haetten ein ernsthaftes Interesse an der Rettung des Euro, zeigt die Wirkung der Einbindung des von den USA dominierten IWFs in das sog. "Rettungskonzept".
Siehe auch hier.
Kasperletheater zwischen Koalition und Bundesbank
IWF Beteiligung erhoeht Risiken
Vertrag zur Fiskalunion aufgeweicht
Es wird wohl kein funktionierendes Rettungskonzept oder einen funktionierenden Rettungsschirm geben, weil ein unbeschadetes Ueberleben des Euros den Untergang des US$ bedeuten wuerde. Das haben die europaeischen 1% auch schon kapiert und dem entsprechend werden die 99% mit Kasperletheater Zug um Zug auf das eingestimmt, was die Dramaturgie dieses schaebigen Spiels erfordert.Das war wohl seit der NRW Wahl nie anders
( *** ).
Ein Hebel mit dem namen China  bringt es auf den Punkt:
"Ein Mitarbeiter von CIC, der namentlich nicht erwähnt werden möchte, formuliert es noch deutlicher: "China hat keine Almosen zu verteilen. Und wenn nicht einmal die Deutschen bereit sind, ihr Vermögen zur Rettung des Euro einzusetzen: Warum sollten die Chinesen das tun?"

Eine gute Zusammenfassung, warum aus der "Euro Rettung" nichts wird, findet sich auch hier.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Symptompfuscherei ohne Ende!

Mehr als vier Jahre nach Ausbruch der Krise beschaeftigen sich die Eliten in Wirtschaft und Politik nach wie vor mit Symptompfuscherei ( 1 3 4 ) und sind offensichtlich nicht in der Lage oder nicht willens eine saubere Analyse der Krisenursachen und ein darauf basierendes, schluessiges Konzept zur Ueberwindung der Krise vorzulegen, geschweige denn zu implementieren. Gleichzeitig perpetuieren die Mainstream Medien dieses hoch bezahlte Bild des Jammers auf allen Kanaelen in einer Art und Weise, das jeder vernunftbegabte Mensch es nur noch als Zumutung empfinden kann.
Es liegt wahrscheinlich daran, dass nicht wahr sein kann, was nicht wahr sein darf!
Denn die Fakten liegen klar und deutlich auf dem Tisch und das ziehen der sich daraus ergebenden Schluesse ist nun wirklich nicht so schwer.
Zumindest dann nicht, wenn man bei klarem Verstand ist und sich vom vorherrschenden Dogma frei macht.

Samstag, 26. November 2011

Befremdlich?

SPON liefert einen Artikel mit dem Titel "Befremdliches Angebot" und erklaert warum die Commerzbank Optionsscheine auflegt, die Gewinn versprechen, wenn die Commerzbankaktie unter 1 Euro faellt. Die interessante Frage ist, wieviele dieser Optionen im Besitz der Commerzbankmanager sind? Ich nenne soetwas nicht "befremdlich" sondern KRANK!

Sapere Aude!

Georg Trappe

Freitag, 18. November 2011

Und tschuess!

Antonio Borges der IWF Europa Direktor und ehemalige Goldman Sachs Mitarbeiter ist zurueck getreten. Seine Biografie liesst sich wie die eines typischen Mitglieds der neoliberalen Gruppierung von Finanzeliten, die sich in den letzten drei Jahrzehnten nicht nur die Welt zu eigen gemacht haben, sondern auch ihr unheilvolles Dogma an den Eliteschulen dieser Welt dem Nachwuchs mit aller Macht eingetrichtert haben. Nun da uns der Krempel Dank der Fuehrungsleistungen dieser "Elite" um die Ohren fliegt, fliehen diese "starken Typen" reihenweise aus persoenlichen Gruenden in die Verantwortungslosigkeit. Wir gratulieren uns dazu und wuenschen einen angenehmen Ruhestand. 

Und Tschuess!

Georg Trappe

Nachtrag: Und wenn es fuer Sie nicht ganz nachvollziehbar ist, warum ich den ehemaligen INSEAD Dean A. Borges so schlecht weg kommen lasse, dann schauen Sie bitte mal hier. Da hat S. Goshal, ehemaliger Dean der London Business School in einer bemerkenswert selbstkritischen Art und Weise die fragwuerdige bis verheerende  Wirkung der "Lehren", die an diesen Institutionen der "Eliten" Ausbildung verbreitet werden aufs Korn genommen.

Mittwoch, 16. November 2011

Kipppunkte

Kipppunkte duerften den meisten aus der Klimadiskussion bekannt sein. Sie stellen aber in allen Systemen, in denen es zu Mitkopplungen, also selbstverstaerkenden Rueckkopplungen, kommen kann, ein potentielles Verhaltensmuster dar. So auch im System Wirtschaft. Systeme die aufgrund einer Mitkopplung exponentielles Wachstum entwickeln koennen, entwickeln z.B. einen Kipppunkt, wenn die exponentiell wachsende Groesse mit einer linear gegen Null strebenden Groesse multipliziert wird. In der Realwirtschaft kann soetwas durch exponentiell steigende Produktivitaet und dadurch gegen Null fallende Preise geschehen, wie wir in diesem Aufsatz gesehen haben. Das BIP nimmt nach ueberschreiten des Kipppunkts, der weit vor dem Punkt liegt, an dem die Preise Null erreichen, ab, wenn Arbeitseinsatz und/oder Investitionsrate weiter erhoeht werden. Diese Zenithueberschreitung fuehrt dann zu Instabilitaeten, da zuvor positiv wirkende Rueckkopplungen negativ rueckwirken bzw. zuvor negativ wirkende Rueckkopplungen beginnen positive Rueckwirkung zu entfalten . Ein weiteres einfaches Beispiel aus der Finanzwirtschaft ist die Entwicklung eines Kontos bzw. einer Geldmenge deren Zinssatz kontinuierlich ueber Zeit gegen Null gesenkt wird. Auch hier nimmt der Zinsertrag den typischen Verlauf, wie das folgende Bild zeigt. Dargestellt ist der jaehrliche Zinsertrag ueber 200 Perioden eines Startkapitals von 1, das anfaenglich mit 10% verzinst wird und dessen Verzinsung von Periode zu Periode um 0.05% sinkt, um nach 200 Perioden Null zu erreichen.

x-Achse = Zeit, y-Achse = Zinsertrag
Die Entwicklung des Kontos bzw. der Geldmenge, dem die Zinsertraege immer wieder zugeschrieben werden, nimmt dann diesen Verlauf:

x-Achse = Zeit, y-Achse = Geldmenge
 Welche Wirkung eine solche Entwicklung des "Ertragswertes" des Geldes wie auch der Geldmenge auf eine Realwirtschaft hat, die in den entwickelten Volkswirtschaften bereits mit aehnlichen Problemen kaempft (s.o.), ist nach meinem Stand bis heute nicht untersucht. Das diese Dinge, insbesondere auch im Zusammenhang mit den Konzentrationsprozessen zu vollkommen ueberaschenden und unvorhersehbaren Entwicklungen fuehren koennen, erscheint mir einleuchtend und ist daher sicherlich eine weitere Untersuchung wert. Indikatoren und Belege fuer die Relevanz einer solchen Betrachtung finden sich hier, hier, hier und hier!!!!


Entwicklung US Monetary Base
Quelle 

Sapere Aude!

Georg Trappe


Samstag, 5. November 2011

Wie sich das System selbst zerstoert

Eine Gesellschaft, die sich fuer modern und aufgeklaert haelt und gleichzeitig die Grundlagen ihrer Existenz aus Ignoranz selbst zerstoert, darf man wohl als dumm bezeichnen.
Denn: "Im engeren Sinne ist Dummheit die mangelhafte Fähigkeit, aus Wahrnehmungen angemessene Schlüsse zu ziehen. Dieser Mangel beruht teils auf Unkenntnis von Tatsachen, die zur Bildung eines Urteils erforderlich sind, teils auf mangelhafter Schulung des Geistes oder auch auf einer gewissen Trägheit und Schwerfälligkeit im Auffassungsvermögen. Jedenfalls ist die Dummheit ein Fehler, der noch innerhalb der Grenzen der normalen kognitiven Fähigkeiten liegt und deshalb von geistiger Behinderung oder Unsinn unterschieden werden muss." (1)
Das eine Gesellschaft, die zuvor ungekannte, technologische Spitzenleistungen hervor bringt, sich von ihren Eliten und einer  sog. Wissenschaft, die sich ganz offensichtlich durch ihre Ignoranz gegenueber Tatsachen und einer gewissen Traegheit und Schwerfaelligkeit im Auffassungsvermoegen auszeichnet, an den Rand des Abgrunds fuehren laest, ist tragisch dumm. Insbesondere dann, wenn sie, zumindest dem Worte nach, demokratisch verfasst ist und so zumindest die theoretische Moeglichkeit einer Aenderung hat. Spaetestens seit Pareto ist bekannt, das die Bildung von Vermoegen einem Konzentrationsprozess unterliegt, der ueber Zeit stark ungleiche Vermoegensverteilungen hervor bringt. 
Seit Gibrat ist bekannt, dass solche Konzentrationsprozesse auch auf Firmen(groessen) inkl. Banken wirken. Empirisch sind sie immer wieder belegt. Juengst durch einen Report der Credit Suisse und durch eine Studie der ETH Zuerich (Global Wealth Report, Global Network of Corporate Control).

Mittwoch, 2. November 2011

Zur Neutralitaet des Geldes

Die Quantitaetsgleichung beschreibt einen Zusammenhang zwischen Geldmenge, Geldumlaufgeschwindigkeit, Preisniveau und Output (real) in der Form :

M ($) * V (Umlaeufe/a) = P ($/Stk) * Y (Stk/a)

D.h. bei konstanten Preisen von 1$/Stk kann eine Wirtschaft die 1000 Stk/a produziert und verbraucht, sowohl mit einer Geldmenge von 1000$, die einmal umlaeuft wie auch mit einem $ der 1000mal umlaeuft, funktionieren. Soweit so gut. Es gibt aufbauend auf diese Tautologie in den sog. Wirtschaftswissenschaften Theorien, die in der Behauptung der Neutralitaet des Geldes gipfeln. Das ist, wie vieles andere auch, ein fataler Unfug. 
Ausgehend von der Vorstellung, dass das Funktionieren einer arbeitsteiligen, hoch ausdifferenzierten, modernen Volkswirtschaft prinzipiell vier Dinge voraussetzt, naemlich:

1.) Arbeit
2.) Produktionsmittel
3.) Geld
4.) einen funktionierenden Staat

wird klar das es auch vier Begruendungen gibt, mit denen man Anteile am wirtschaftlichen Gesamtergebniss beanspruchen bzw. erstreiten kann.

1.) Arbeitseinsatz > Lohn
2.) Produktionsmitteleinsatz > Renditen auf Realvermoegen (Mieten, Pachten, Dividenden, etc.)
3.) Geldeinsatz > Zins
4.) Staat > Steuern

Und damit wird dann auch klar, das Geld, dessen zur Verfuegung stehende Menge sehr weit dem Kreditvolumen = dem Bilanzvolumen der Banken entspricht, nicht neutral ist. Denn es ist schon ein Unterschied ob ich auf einen Dollar oder auf 1000 $ Zinsen zahlen muss. Oder?

Diese Ueberlegung zeigt auch, das jeder durch Ueberbeanspruchung und/oder Verweigerung eine Wirtschaft zum Zusammenbruch fuehren kann. Das gilt fuer Arbeitsverweigerung oder exzessive Lohnforderungen genauso, wie fuer Entzug der Produktionsmittel oder exzessive Renditeerwartungen als auch fuer einen dysfunktionalen Staat oder Steuersaetze von 90%.
Nur Geld ist neutral in Bezug auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Oder?
Und der Faktor mit dem Banken Eigenkapital hebeln = die Geldmenge erhoehen um Renditen von 25% zu erzielen auch nicht . Oder?

Und wie es um die ebenfalls behauptete Selbstregulierung der Maerkte bestellt ist, die den optimalen Zins fuer eine ausuferende Geldmenge auf freien Kapitalmaerkten bestimmt, ist in den letzten Jahren wohl auch klar geworden. Oder? 

Und es wird aus dieser Perpektive auch zunehmend klar, wer sich in den vergangenen Jahrzehnten verantwortungsvoll verhalten hat und wer nicht.  

Sapere Aude!
Georg Trappe


Dienstag, 1. November 2011

Georg's kleine Volkswirtschaft (Ver. 1.0)

Ich habe mal "Georg's kleine Volkswirtschaft" mit "Georg's kleinem Marktmodell" zusammen geschnallt und einer ersten, vorlaeufigen Analyse unterzogen. Sie erinnern sich sicherlich noch an das harmlos anmutende aber exponentiell gegen Unendlich strebende Monster, in das Arbeit (h) mit einem Produktivitaetsfaktor x2 (Stk/h) multipliziert einfliesst, um mit dem Preis(niveau) x1 ($/Stk) multipliziert das BIP zu ergeben, von dem ein konstanter Anteil i (z.B. 10%) in produktivitaetserhoehende Produktionsmittel investiert wird, deren Bestand wiederum den Produktivitaetsfaktor x2 bestimmt. 


Sonntag, 30. Oktober 2011

Die Krone der Schoepfung oder Abschaum?


„Im Leben stehen einem anständigen Charakter so und so viele Wege offen, um vorwärts zu kommen. Einem Schurken stehen bei gleicher Intelligenz und Tatkraft auf dem gleichen Platz diese Wege auch alle offen, daneben aber auch noch andere, die ein anständiger Kerl nicht geht. Er hat daher mehr Chancen, vorwärts zu kommen. Infolge dieser negativen charakterlichen Auslese findet eine Anreicherung der höheren Gesellschaftsschichten mit Schurken statt. Das ethische Durchschnittsniveau einer Gesellschaftsschicht wird um so schlechter, je besser und einflussreicher sie gestellt ist. Nur dieser Umstand vermag die Tatsache zu erklären, warum die Welt nicht schon seit mindestens fünftausend Jahren ein Paradies ist. Das muss man wissen, wenn man die Weltgeschichte verstehen will.“

Hermann Oberth († 28. Dezember 1989)

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Die Wirtschaftswissenschaften und die Regelungstechnik

Rueckgekoppelte Systeme  sind schwer zu durchschauen, da das einfache, lineare Ursache Wirkungskonzept von Handlung A loest Wirkung B aus, durch die Rueckwirkung von B auf A  seine Gueltigkeit verliert. Dies scheint besonders die sog. Eliten in Wirtschaft und Politik zu ueberfordern. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ausgerechnet in der "Wissenschaft", die behauptet, das die Instanz, die mit magischen Haenden alles zum Guten wendet, der Markt, ein selbstregulierender Konstrukt sei, die Grundlagenvorlesung Regelungstechnik nicht vorkommt. Wuerde sie vorkommen, haetten die Professoren allerdings ein gewaltiges Problem. Jeder halbwegs intelligente Student wuerde erkennen, dass das sog. Fundament dieser "Wissenschaft" keins ist, da es die wesentlichen Voraussetzungen fuer eine funktionierende, stabile Regelung nicht erfuellt. Das Weglassen der Grundlagenvorlesung Regelungstechnik ist so gesehen zwar eine erhebliche Arbeitserleichterung fuer die Professoren bei der Erfuellung ihrer Aufgabe das Dogma des selbstregulierenden Marktes zu verbreiten. Aber sie fuehrt auch zu einem fatalen Defizit in den Fuehrungsetagen, die mit den so ausgebildeten Absolventen der sog. Wirtschaftswissenschaften besetzt werden.

Dienstag, 25. Oktober 2011

Global Network of Corporate Control

A central core of extremely powerful actors (red dots) dominates international corporate finance, a new mathematical analysis finds. Credit: Vitali et al, 2011

Ein Team von Wissenschaftlern an der ETH Zuerich hat eine Studie veroeffentlicht, welche die Vernetzung und Eigentumsverhaeltnisse der Konzerne weltweit analysiert. Diese Studie befindet sich z.Zt. im Peer Review Prozess und kann daher noch Aenderungen unterworfen sein. Trotzdem kann man schon heute sagen, dass sie einen interessanten Blick auf die Verhaeltnisse der globalen Wirtschaft im Jahr 2007 eroeffnet. Leider wurde sie bisher, wen wundert es, von den Mainstream Medien nicht wahr genommen. Es gibt allerdings einige interessante Hinweise und Debatten im Internet:

Dienstag, 11. Oktober 2011

Die Krise, das Ergebniss rationaler, Nobelpreis dekorierter Erwartungen

Es war mal wieder Zeit einen Nobelpreis fuer die sog. Wirtschaftswissenschaften zu verleihen. Und anstatt die Krise zum Anlass zu nehmen, die Preisverleihungen der Vergangenheit kritisch auf ihre Berechtigung zu pruefen und die Preisverleihung gegebenenfalls auszusetzen, wird, wie koennte es anders sein, in dieser durch eine tiefe Krise geschuettelten, und sich von wissenschaftlichen Prinzipien mehr und mehr entfernden Zunft, der Nobelpreis ausgerechnet an die Herren verliehen, die Wirtschaft mit rationalen Erwartungen zu erklaeren versucht haben. 
Dabei ist offensichtlich, was von einer Rationalitatet zu halten ist, die Jahr fuer Jahr hunderte Milliarden fuer Marketing = Antibildung ausgibt, die die Menschen ganz bewusst auf der Ebene von Emotionen anspricht, um sie, entgegen jeder Vernunft, zu unsinnigem Konsumverhalten zu verfuehren, waehrend die UNESCO um Mittelt bettelt und diese nicht zusammen bekommt, um jedem Menschen ein Minimum an Bildung (Lesen, Schreiben und die vier Grundrechenarten) zukommen zu lassen. Der letzte Satz in diesem Artikel der FTD macht klar, was davon zu halten ist:
"Diese unzähligen Schüler werden in Zukunft wohl gut damit zu tun haben, das geistige Erbe ihre Lehrer zu verteidigen."
Defensives Mitlaeufertum als Wegweisung fuer die Zukunft, waehrend die Welt am Abgrund der schwersten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren steht, die gerade aus diesem gedankenlosen Mitlaeufertum (rationale Trendfolger?) entstanden ist. Wenn das kein Grund zum Feiern ist, was dann? 

By the way, der Nobelpreis fuer Wirtschaftswissenschaften ist kein Nobelpreis wie jeder andere. Seine Vergabe ist auch nicht an die gleichen Kriterien gebunden. Und es ist fraglich ob der Herr Nobel soetwas jemals gewollt hat.Vielmehr haben seine Nachfahren Briefe veroeffentlich, die unter anderem diesen Satz enthalten:
„Ich habe keine Wirtschafts-Ausbildung und hasse sie von Herzen.“
Mehr zudem, was vermutlich der groesste PR Coup der sog. Wirtschaftswissenschaften ist, findet sich z.B. hier.

Sapere Aude!

Mittwoch, 5. Oktober 2011

SPICE und die Simulation nichtlinearer dynamischer Systeme

Ich habe einige Anfragen erhalten zur Simulation nichtlinearer dynamischer Systeme mit dem Programm SPICE. Ich moechte daher  an dieser Stelle dazu ein paar weiterfuehrende Hinweise geben. SPICE ist eine Software zur Simulation von elektronischen Schaltungen. Sie wird seit Ewigkeiten von Profis weltweit fuer diesen Zweck eingesetzt und ist inzwischen in diversen Variationen erhaeltlich. Nach vielen Jahren im Schwabenland habe ich mich fuer LTSpice entschieden, da es von der Firma Linear Technologies als Freeware zur Verfuegung gestellt wird und ein sehr brauchbares grafisches Benutzerinterface bietet. Damit ist es einem Ingenieur der Elektrotechnik in Minuten moeglich z.B. ein Lorenz System grafisch aufzusetzen und mit Hilfe von ansprechenden grafischen Ausgaben zu untersuchen. Der in SPICE verwendete "Solver" ist schnell und robust. Er laesst die Simulation sehr komplexer Probleme auf gaengigen PCs in kurzer Zeit zu, ohne tiefer in die Problematik numerischer Loesungsverfahren einsteigen zu muessen. Meiner Meinung nach ist SPICE damit MATLAB weit ueberlegen. Das Problem ist die Uebertragung allgemeiner Problemstellungen in elektronische Equivalente (Schaltbilder bzw. Netzlisten). Das setzt Grundlagenwissen der Elektrotechnik voraus. Da SPICE aber mit einer ASCII Netlist als Eingabe fuer sein "Rechenwerk" arbeitet, ist es durchaus vorstellbar, die grafische Benutzerschnittstelle zu modifizieren und die elektronischen Schaltungssymbole durch andere Symbole, die dem zu untersuchenden Problem besser entsprechen, zu ersetzen.  Da ist vieles vorstellbar. Als Beispiel hier ein Lorenzsystem, was von mir in 5 Minuten aufgesetzt und simuliert war.
Der X/Y Plot der Simulation

Lernfaehige Hubschrauber? Patent pending!

Wow, I am deeply impressed. This is what I was expecting from a "leading high tech nation". A Helicopter which is able to learn! It took him a while (about 4 years)  to unfreeze the single neuron that appeared to be latched up by Wall Street singing: "Halleluja! it's raining money". But now he speaks it out as clear as you can expect it from a chopper. 

Dienstag, 27. September 2011

Ratingagenturen, strategische Bomber der Wall Street. Eine Zeitleiste.

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Ich habe mir mal die Muehe gemacht, ueber Google News die Nachrichten mit dem Schlagwort "Ratingagentur(en)" der letzten 4 Jahre Monat fuer Monat suchen zu lassen. Die jeweiligen Highlights habe ich hier zusammengestellt. Es ist seit Juli 2007 kein Monat vergangen, in dem nicht ueber eine neue Hiobsbotschaft, Herabstufung durch Ratingagenturen etc. in den Medien zu lesen war. Es entsteht der Eindruck einer Treibjagd von drei amerikanischen Ratingagenturen auf fuenf europaeische Staaten, die sich zeitweise zu einem Flaechenbombardement ausweitete und inzwischen  vollkommen absurde Zuege entfaltet. Die hilf- und ratlosen Reaktionen der europaeischen Politik in diesem schaebigen Spiel treiben einem die Traenen in die Augen.  Sehen Sie selber, es ist die Muehe wert. Es beginnt mit einer grandiosen Fehleinschaetzung durch den FED Grossmeister Bernanke. Und auch Moody's Einschaetzung der Aquisition der Depfa durch die Hypo Real Estate im Juli 2007 ist ein Kracher, der belegt, welchen qualitativen Stand die "Berechnung der Zukunft" mit finanzmathematischen Modellen der Ratingagenturen hatte und hat.

Bernanke beziffert die moeglichen Kreditausfaelle aus der Hypothekenkrise auf bis zu 100 Mrd US$. S&P stuft erneut die Bonitaet einiger Hypothekenanleihen herab.

"Die Ratingagentur  Moodys sieht durch die geplante Übernahme der Depfa durch Hypo Real Estate (HRE) keinen Anlass für eine Änderung der Bonitätsnoten der beiden Banken. Die Analysten bestätigten am Montag ihre jeweiligen Ratings und den stabilen Ausblick für die Institute." 




Eine der ersten Erwaehnungen von Griechenland durch S&P:
"Die Ratingagentur Standard & Poor's hat ausgerechnet: Bleibt es bei den bisherigen Strukturen, werden die Defizite der Rentenkassen die Staatsverschuldung von derzeit knapp 105 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2050 auf 435 Prozent katapultieren."

"Die Ratingagentur Fitch ist überzeugt, dass die finanzielle Lage der IKB weiterhin fragil bleibt. Nach ihrer Einschätzung gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit für weiteren Stützungsbedarf."
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Montag, 26. September 2011

Europa auf der Anklagebank!???

Europa auf der Anklagebank lautet der Titel eines Artikels der Financial Times Deutschland zum Jahrestreffen des IWF. Anklaeger seien die Schwellenlaender, so heisst es. Und wer ist der Richter, der diese Anklage angenommen hat und sich somit bereit erklaert hat ein Verfahren zu eroeffnen an dessen Ende er ein Urteil zu faellen hat? Die USA? Oder die von den USA dominierten Institutionen IWF und Weltbank?

So langsam reicht es!
http://roarmag.org/2011/09/chomsky-speaks-out-in-support-of-wall-street-protests/

Zur Erinnerung:
Die USA stellen mit ca. 300 Mio Einwohner ca. 4,5% der Weltbevoelkerung. Gleichzeitig beanspruchen sie weit ueber 20% der weltweit gefoerderten Primaerenergien. Das waere gerade noch hinnehmbar, wenn die USA der Welt dafuer qualitativ hochwertige Gueter liefern wuerden, die diese unbedingt benoetigt. Das ist aber nicht der Fall! Im Gegenteil! Die USA bauen seit Jahrzehnten ein gigantisches, inzwischen kumuliert in die Billionen gehendes, Handelsbilanzdefizit auf, in dem sie Monat fuer Monat in zweistelliger Milliardenhoehe mehr Waren einfuehren als sie in der Lage oder Willens sind, der Welt im Austausch dafuer zur Verfuegung zu stellen. In der Spitze bis zu 70 Mrd. US$ pro Monat!  D.h. jeder der 300 Mio. Amerikaner laesst seit Jahrzehnten jeden Monat! fuer bis zu 230 US$ auf dem grossen Deckel der Weltwirtschaft anschreiben. Soetwas nennt man leben auf Kosten anderer. Oder, um es ganz deutlich zu sagen, das ist das Verhalten von Schmarotzern.
Quelle:http://research.stlouisfed.org/fred2/series/BOPGSTB/125/Max

Montag, 19. September 2011

Wirtschaft ein nichtlineares dynamisches System

Leser meines Blogs wissen, dass ich im Gegensatz zu den Mainstream Wirtschaftswissenschaften dafuer plaediere, Wirtschaft als ein offenes System, das sich fernab vom Gleichgewicht befindet, zu betrachten. Es gibt aus meiner Sicht einige Indizen, die fuer eine solche Betrachtungsweise sprechen. Nicht zu letzt die schon fast naturgesetzlich erscheinende Ausbildung von Strukturen und Hierachien, die sich unter anderem in Form von paretoverteilten Einkommen und Vermoegen manifestieren, sprechen dafuer. In jedem Fall erscheint mir aber eine Betrachtung unter Beruecksichtigung von Dynamik, also Veraenderung ueber Zeit, bei der Theorie- und Modellbildung angebracht zu sein.  Wenn man diese Perspektive zum Ausgangspunkt waehlt, dann ergeben sich die kritischen Fragen an die Mainstream Wirtschaftswissenschaften von selber (siehe auch meine Artikelreihe "Warum Maerkte nicht funktionieren"). Diese Perspektive wirft aber nicht nur kritische Fragen auf, sondern ermoeglicht auch Einsichten, die bei einer konventionellen Betrachtungsweise verschlossen bleiben. Zumindest ist das  mein Eindruck, wenn ich die weitverbreitete Ratlosigkeit und die in einem unaufloesbar erscheinenden Streit erstarrten und meiner Meinung nach sinnlosen Debatten ueber "Sparen" oder "Noch mehr Geld"  zur Loesung der Krise im orthodoxen Lager betrachte.

Freitag, 16. September 2011

Spitzenleistungen mononeuronalen Denkens

Die sich weiter zuspitzende Krise hat in der vergangenen Woche eine Welle von Ratschlaegen aus dem Epizentrum des Desasters, dem Lager neoliberal = mononeuronal denkender Eliten ausgeloest. Auf einige besonders huebsche Beispiele dieser Glanzleistungen moechte ich hiermit verweisen:


Um zu diesen tiefschuerfenden Erkenntnissen zu kommen benoetigten diese Experten immerhin 4 bzw. 3 Jahre, jenachdem, wie man den offiziellen Beginn der Krise terminiert. Die Zahl der Milliarden, die aufgrund aehnlich gut fundierter Ratschlaege schon ausgegeben wurde, ist inzwischen unueberschaubar geworden. Dabei ist ja eigentlich garnichts passiert, nach herrschender Lehrmeinung. Geld ist ja neutral. Und es gilt die Tautologie der Quantitaetstheorie.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Montag, 12. September 2011

When the Going Get Tough, the Tough Get ?

Well, to raise a question mark is quite simple. To get going obviously not.
Ist es von mir zuviel verlangt, wenn ich von einem Chefvolkswirt der EZB erwarte, dass er dafuer sorgt, dass seine Zunft angesichts der groessten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren in die Puschen kommt? Juergen Stark ist zurueck getreten. Nach steiler Karriere seit 2006 Chefvolkswirt bei der EZB und seit Ende 2007 wie die meisten Mitglieder seiner Zunft von den Ereignissen ueberrollt, wirft der Mann im Jahr 4 der Krise, kurz bevor es ernst wird, das Handtuch.
Was solls? Ein zurueck getretener Quacksalber mehr oder weniger macht den Kohl nicht fett. Meinte meine Grossmutter, die sich noch gut an Massenarbeitslosigkeit, Hyperinflation und daher an Kohl in allen Variationen erinnern konnte, in solchen oder aehnlichen Faellen immer. 
Ich denke, sie hatte recht!

Freitag, 9. September 2011

Warum Maerkte nicht funktionieren. Teil 3

Obwohl ich im Teil 2 angekuendigt hatte im dritten Teil dieser Reihe den Zusammenhang zwischen einer Hierachie der Maerkte (in Form kaskadierter Regelsschleifen) und einem generalisierten Raeuber-Beute Modell, das pareto- bzw. log-normalverteilte Vermoegensverhaeltnisse erzeugt, herzustellen, moechte ich dies zunaechst zurueck stellen und dem Thema Nichtlinearitaet und seiner Bedeutung fuer die potentielle "Dysfunktionalitaet" von Maerkten etwas mehr Raum geben.

Samstag, 3. September 2011

Warum Maerkte nicht funktionieren (Ergaenzung zu Teil 1)

Ergaenzend zu meinem ersten Aufsatz moechte ich ein geaendertes Blockschaltbild nachreichen, in dem der Preisbildungsprozess durch ein I-Glied (Integrierer) anstelle des PT1 Glieds modelliert wird (was als realistischer angesehen wird) und der Nachfrageprozess durch ein verzoegerungsfreies P-Glied. 

Modifiziertes generisches Marktmodell

Letzteres erlaubt dann auch einen einfachen Austausch des proportionalen, unverzoegert Zusammenhangs mit einem komplizierteren funktionalem Zusammenhang zwischen Preis und Nachfrage. Die systembeschreibenden Gleichungen sehen dann wie folgt aus:

Eine LTspice Netlist findet sich hier

Donnerstag, 1. September 2011

Executive Excess

Wie dieser Zeitungsartikel aus dem sonnigen San Jose in Kalifornien wissen laesst, haben Mark Hurd und Larry Ellison (beide Oracle) jeweils 77 Millionen US$ an Jahresverguetung eingestrichen. Ein weiterer Report aus den USA deckt auf, dass dort viele Firmen ihren CEOs hoehere Verguetungen bezahlen, als sie Steuern an den Staat abfuehren.Wenn man dies dann noch im Zusammenhang mit den Umstaenden sieht, die ich als Betonierung plutokratischer Verhaeltnisse bezeichne, dann weiss man, in welche Richtung der Hase im Land der unbegrenzten Moeglichkeiten laeuft. Das inzwischen 44 Millionen Menschen in den USA nur durch Lebensmittelmarken vor dem Aergsten verschont werden, ist inzwischen wohl bekannt. Und wer sich ueber die Entwicklung und Fakten der Obdachlosigkeit in den USA informieren moechte, kann das mit diesem Report tun. Und wer dann noch zur Kenntnis nimmt, das ueber 11% der Haeuser in den USA z.Zt. leer stehen, obwohl die magischen Haende des freien Marktes unermuedlich ihr heroisches Werk vollbringen, der wird wissen, was er von denen zu halten hat, die nach wie vor das neoliberale Maerchen vom "Trickel Down Effect" in der einen oder anderen Form an den Mann zu bringen suchen.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Montag, 29. August 2011

Das wahre Ausmass der "teilweisen?" Kernschmelze


Es ist schon erstaunlich wie beharrlich und gekonnt die deutschen Medien diesen Artikel von Bloomberg vom 22. August 2011 unterdruecken. Ich bin erst am Samstag durch Herrn Dr. Eichner auf ihn aufmerksam gemacht geworden. Vielen Dank dafuer! Auch wenn er mir eiskalte Schauern den Ruecken herauf und herunter gejagt hat. Es lohnt sich ihn zweimal, dreimal zu lesen und sich dabei die Aussagen der Schluesselfiguren (Bernanke etc.) diesseits und jenseits des Atlantiks in diesem Zeitraum 2008 - 2009 zu vergegenwaertigen.  Das eine oder andere Archiv hilft dabei. 

Holy Moly.

Georg Trappe

Donnerstag, 18. August 2011

Multiplikative Prozesse haben es in sich!

Die Wirkungen und Nebenwirkungen multiplikativer Prozesse sind oft nicht offensichtlich. Daher verdienen sie eine besondere Aufmerksamkeit. Insbesondere dann, wenn sie den zentralen Lebensbereich Wirtschaft dominieren und so sowohl das soziale Miteinander der Menschen, als auch ihre direkte Lebensgrundlagen betreffen.

Im Vergleich mit additiven Prozessen generieren multiplikative Prozesse  dramatisch unterschiedliche Ergebnisse. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen. Bei einem Spiel mit vier Wuerfeln, bei dem sich das Ergebniss jedes Wurfes aus der Addition der vier Wuerfelergebnisse ergibt, schwankt dies zwischen 4 und 24. Am wahrscheinlichsten ist das Ergebniss 14 und bei einer genuegend hohen Wurfzahl, werden sich die Haeufigkeiten der  Ergebnisse einer Normalverteilung entsprechend einstellen.
Aendert man die Spielregeln dahingehend ab, dass das Gesamtergebniss eines Wurfes sich nicht mehr durch die Addition der Wuerfelergebnisse berechnet, sondern durch die Multiplikation, ergibt sich ein vollkommen anderes Bild. Die Gesamtergebnisse schwanken zwischen 1 und 1296 und die Vorhersage des haeufigsten Ergebnisses faellt schon deutlich schwerer. Die Haeufigkeitsverteilung nach einer groesseren Zahl von Wuerfen entspricht auch nicht mehr der symetrischen Glockenform einer Normalverteilung sondernanehert sich einer log normalen Verteilung an.

Quelle 

Dienstag, 16. August 2011

Wie betoniert man plutokratische Verhaeltnisse?

In dem man sich das US Bildungssystem  zum Vorbild nimmt  und soziale Mobilitaet, unter anderem durch enorm steigende Ausbildungskosten, systematisch unterbindet. Und sollte man doch auf das eine oder andere Talent aus den unteren sozialen Schichten nicht verzichten wollen, dann ermoeglicht man ihm eine durch Kredit finanzierte Ausbildung.
Sapere Aude!
Georg Trappe

Mittwoch, 27. Juli 2011

Nixon Shock 2.0

Erinnerungen an den August 1971 werden bei denen wach, die mit dem American Way im Umgang mit unloesbar erscheinenden Problemen vertraut sind. Zur Erinnerung:
und
The "Nixon Shock" and the "Plaza Agreement" : Lessons from Two Seemingly Failed Cases of Japan's Exchange Rate Policy
Und wie verzweifelt man in den USA bereits zu Beginn der aktuellen Krise (Ende 2007, Anfang 2008) nach Argumenten suchte, um den Dollarverfall zumindest "moralisch" zu rechfertigen belegt  dieser Report fuer den US Congress. Wenn seinerzeit schon "Dark Matter" herhalten musste, dann kann man sich unschwer vorstellen, welche Art von "Auswegen" z.Zt. in den USA diskutiert werden.


Sapere Aude!

Georg Trappe

Dienstag, 26. Juli 2011

Die Loesung struktureller Probleme mit den Mitteln der Zins- und Geldpolitik

Wenn die Loesung struktureller wirtschaftlicher Probleme nahezu ausschliesslich ueber den Einsatz von Mitteln der Zins- und Geldpolitik gesucht wird, dann sieht das Ergebnis zwangslaeufig so aus:

Quelle: http://research.stlouisfed.org/fred2/series/BOPGSTB/125/Max


Angesichts des nun seit fast zwei Jahrzehnten nur durch Krisen jeweils kurz unterbrochenen Trends, draengt sich der Eindruck auf, dass es sich um eine gewollte Eigenschaft amerikanischer Politik handelt. Damit waere dann auch die aktuelle, doch sehr merkwuerdig anmutende Debatte ueber die Erhoehung des Limits fuer Staatsschulden in den USA als das entlarvt, was sie ist. Eine Scheindebatte zwischen Marionetten, die an den Strippen der Reichen und Maechtigen in den USA haengen. Diese wiederum hatten, so wie es sich darstellt, nie die Absicht, die im Ausland gemachten horrenden Schulden zu begleichen.

Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.: Im Schaubild ist das monatliche Aussenhandelsdefizit in US$ (y-Achse) ueber Zeit abgetragen. Der Stand der US Schulden im Ausland ergibt sich aus dem Integral (Aufsummierung) dieser Kurve. Siehe auch: Major Foreign Holders of Treasury Securities
P.P.S.: In den USA sind weniger als 13% der Beschaeftigten in Bereichen taetig die greifbare Produkte herstellen. Der ueberwiegende Anteil ist mit Dienstleistungen beschaeftigt. Das kommt auch sehr deutlich in diesem Bild zum Ausdruck
Quelle: http://rwer.wordpress.com/2011/08/22/the-usas-broken-business-model/

Americas other 87 deficits

Montag, 25. Juli 2011

Auf der "verlaengerten Achse des Guten"

Auf der verlaengerten Achse des Guten = der Online Ausgabe der ZEIT provoziert mich ab und an unser Ex-Finanzminister Peer Steinbrueck mit seiner Kolummne "Steinbrueck - Zur Sache" zu einem Kommentar. So auch an diesem Wochenende mit diesem Artikel.

Nun Herr Steinbrueck, es ueberrascht nicht wirklich, wenn Sie hier, so zu sagen auf der "verlaengerten Achse des Guten", die amerikanische Plutokratie als ein austariertes System funktionierender Gewaltenteilung bezeichnen. Wie "gut" diese "Gewaltenteilung" funktioniert, belegen z.B. die Daten, die die Verteilung der Vermoegens- und Einkommensverhaeltnisse und ihre zeitliche Entwicklung in den USA beschreiben.

(http://motherjones.com/po...)

Die Quelle aber, aus dem sich dieses "Fettauge" wirklich naehrt, wird in "Fachkreisen" mit dem Euphemismus "Triffin Dilemma"( http://en.wikipedia.org/w... ) bezeichnet.

Das da mal ganz nebenbei Projekte, wie das europaeische, untergraben (MAI, http://de.wikipedia.org/w... ) und massivst beschaedigt werden, oder aus einer US Hypothekenkrise eine Weltwirtschaftskrise wird ( http://www.manager-magazi... ), laeuft bei diesen Herrschaften, die das betreiben, als "collateral damage".

Aus diesem Blickwinkel betrachtet, erscheint mir Ihr Aufruf an Ihre Kollegen zum jetzigen Zeitpunkt, hoefflich ausgedrueckt, etwas verspaetet.

Sapere Aude!

Freitag, 22. Juli 2011

Zur Erinnerung!

Wer erinnert sich noch an den Sommer 2007 und die ersten Auswirkungen der sog. "Subprime Hypotheken Krise" in Deutschland? Das Manager Magazin veroeffentlichte am 1. August 2007 einen Artikel mit der Ueberschrift "Fuerchterliche Effekte". Es lohnt sich, diesen Artikel noch einmal in Ruhe zu lesen und aus aktueller Perspektive zu deuten.

Sapere Aude!
Georg Trappe

Dienstag, 12. Juli 2011

Keine Regel ohne Ausnahme

Und keine Ausnahme ohne Folgen. Paragraph 248 BGB verbietet die Welt(untergangs)formel der Endloswachstumsoekonomie, den Zinseszins, in seinem Absatz 1, nur um ihn sogleich in seinem Absatz 2 fuer Kreditinstitute und Banker ausdruecklich zu erlauben (BGB 248).

Sapere Aude!

Georg Trappe

Donnerstag, 16. Juni 2011

Bizarr!?

Freiheitsmedaille

Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.: Für alle, die sich fragen, warum Pakistan erwähnt wird. Pakistan hat mit B- ein besseres Kredit Rating als Griechenland! Viel Spass beim "Investieren" in Pakistan.
By the way, es gibt Gerüchte, dass einige US Bundesstaaten mit ??? bwertet wurden.
Z.B. California A rated  und dabei erinnern wir uns an Arnies (in)famous IOUs.



Montag, 9. Mai 2011

Eine vergleichende Analyse

Mit dieser vergleichenden Analyse moechte ich darlegen, wie sich mir die aktuelle wirtschaftliche Situation aus Blickrichtung der Märkte im vergleich mit der vor und zur Zeit des Lehman Zusammenbruchs darstellt. Ich sehe inzwischen zwei, drei wesentliche Unterschiede.
Der eine ist der Baltic Dry Index. D.h. vor dem Lehman Crash brummte der Welthandel und die Realwirtschaft tatsaechlich. Das tut sie z.Zt. ganz offensichtlich nicht, auch wenn man uns anderes einreden möchte. Der zweite wesentliche Unterschied scheint der zu sein, dass sich die Akteure auf den Märkten
bisher sehr sicher zu sein scheinen. Von Nervositatet keine Spur, siehe auch VDAX und VIX.
VDAX

VIX
Das war seinerzeit in dieser Ausprägung nicht der Fall. Im Gegenteil, die
Nervosität war über 2007 hin im wachsen begriffen. Der dritte Unterschied, und der steht in einem vordergründigen Widerspruch zu den zwei erst genannten Beobachtungen, ist der aktuelle Stand und nach wie vor dramatische Verlauf des Goldpreises = breiter stetig steigender Vertrauensverlust vieler Anleger.
Meine Interpretation ist, dass die Märkte für Aktien und Rohstoffe (ohne
Gold) in den Händen der "Profis = Finanzindustrie" sind und die Preise
dort mit billigem Geld aufgeblasen wurden und weiterhin aufgeblasen werden. Die Fundamentaldaten = Gewinne der Unternehmen sehen aufgrund des Basiseffekts (Wachstum aus der Talsohle, Kostenreduktion durch krisenbedingte Entlassungen) fuer Aktien gut aus und unterstützen diese "Euphorie" der "Profis". Voraussichtlich aber nicht mehr lange. Denn bei den Rohstoffen hat man es in der letzten Woche schon gesehen, auf welch tönernen Fuessen die Sache steht. Die ängstlichen Naturen, die sich nicht als die "Master of the Universe" sehen, trauen dem Braten nicht und bleiben in bzw. schichten weiter um in als "sicher" geltende Anlagen, wie Staatsanleihen und eben Gold. Für die Realwirtschaft bedeutet dies, das sowohl Nachfrage wie auch
Investitionen (die den Namen verdienen) nicht in der Breite wachsen, wie
es nötig wäre um einer deflationaeren Entwicklung der Realwirtschaft zu entkommen. In dem Moment, wenn die Grundlage dieser rein durch ueberbordende Liquidität getriebene Inflation von Vermögenswerten (Aktien, Rohstoffkontrakte) die Grundlage entzogen wird, entweder durch spürbare Zinserhöhungen oder durch die
"ploetzliche Erkenntnis" (siehe Kippbildvergleich), dass es sich mal wieder nur um
eine Blase ohne reales Fundament handelt, kollabieren die Aktienkurse, so wie es die Rohstoffpreise in der vergangenen Woche schon getan haben. Was bisher dieser "Erkenntnis" im Wege steht, ist die Tautologie der Quantitaetengleichung und die bisherige, konsequente Unterstützung dieser merkwuerdigen "Theorie" durch die Notenbanken und die Staaten. Allerdings erschöpfen sich die Spielräume auf dieser Seite ebenfalls von Tag zu Tag mehr. "Meine Mathematik", und die regelmaessigen Leser wissen, mit welchen Vorbehalten ich die "Berechenbarkeit und Vorhersagbarkeit" von prinzipiell
chaosfaehigen Systemen betrachte, sagt mir, dass in der ersten Hälfte des Jahres 2013 die Talsohle eines nächsten Abschwungs erreicht sein wird. Das heißt, der Kipppunkt würde demnach vermutlich 12 bis 15 Monate vorher, also zum Jahreswechsel 2011/12 ± 3 bis 5 Monate erfolgen. Im Moment nähern sich VDAX und VIX ihrem unteren Tiefpunkt an und werden in den kommenden Monaten, Wochen (VIX hat bereits begonnen) einen Aufwaertstrend starten. Sobald diese Indizes die Marke von 20 ueberschreiten und ihre gleitenden Durchschnitte deutlich und mit der
Dauer von ein paar Wochen ueberschreiten , wie 2007, dann wird es kritisch. Sehr sogar! Denn insgesamt vermute ich, das diesesmal die Abläufe im Vergleich zu 2007/08 deutlich schneller sein werden, da diesesmal dem Absturz keine wirklich brummende Realwirtschaft "im Wege steht". Mal sehen, ob "meine Mathematik und Logik" eine zutreffenden Kern erkennen lassen wird.

Sapere Aude!
Georg Trappe

Update: alien observer hat mich zurecht daran erinnert, den aktuellen "Einbruch" der Rohstoffpreise im historischen Kontext zu betrachten.
CRB-Index

Hinweise auf den tatsaechlichen Zustand der Weltwirtschaft

Der Baltic Dry Index, in dem die Entwicklungen der Seefrachtraten dargestellt werden, gilt als ein relativ zuverlaessiger Indikator fuer die Entwicklung der realen Weltwirtschaft. Interessant ist die dramatische Divergenz zwischen den Frachtraten (BDI), die auf ein eher mageres Handelsvolumen schliessen lassen, und
die durch QE inflationierten Rohstoffpreise (CRB). Das deutet meiner Meinung nach darauf hin, dass der Welthandel und damit der reale Teil der Weltwirtschaft sich nur sehr spaerlich vom spektakulaeren Absturz erholt hat und die dramatischen Anstiege bei den Rohstoffpreisen weniger eine Folge von knappen Guetern in einer wachsenden Realwirtschaft sind, sondern vielmehr eine Folge einer ueberbordenden Geldmenge, die spekulativ
Rendite sucht, sind.

http://www.investmenttools.com/futures/bdi_baltic_dry_index.htm#bdi_crb

Wie gross inzwischen die Angst vor einem Zusammenbruch ist, zeigt auch der Goldpreisverlauf, der sich mit immer neuen Schueben (LPPL) anscheinend endlos immer neuen Hoehen entgegenschwingt.

Ich wuerde sagen, damit steht fest, dass die USA in einer Liquidity Trap stecken, aus der sie, wie Japan seit zwei Jahrzehnten, so schnell nicht wieder heraus kommen werden.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Samstag, 30. April 2011

It's the management stupid. Oligopole haben die Macht.

Dieser Artikel von Peer Steinbrueck auf Zeit Online provozierte bei mir diese Reaktion:

Sehr geehrter Herr Steinbrueck,

ueberall dort, wo sich Oligopole entwickelt haben, steht dem Machtmissbrauch die Tuer offen. Da hilft keine Regulierung oder Bestrafung der Machtmissbraucher, denn Oligopole haben immer die Macht die Lasten, die aus ihrem Machtmissbrauch entstanden sind, auf ihre Kundschaft abzuwaelzen. Ich fasse dies seit einiger Zeit salopp unter dem Begriff des Fettaugensyndroms zusammen. Wenn Sie wirklich etwas an den verheerenden Verhaeltnissen in unserer Gesellschaft aendern moechten, dann kommen Sie an der Brechung der Macht in den Haenden weniger nicht vorbei. Die "Fettaugen" muessen zerteilt und aufgeruehrt werden, ansonsten ersticken sie die Gesellschaft. Konkurrenz muss dahin getragen werden, wo sie hin gehoert. Endlose Akkumulation von Vermoegen und Macht gehoert in einer zivilsierten Gesellschaft, die es mit demokratischen Prinzipien ernst meint verboten. Alles andere ist Symptompfuscherei und vernebelt den Blick fuer die wahren Ursachen dafuer, das sich Banken als Vertreter der Reichen und Reichsten dreist selbst zur fuenften Gewalt erklaeren konnten (Breuer 2000) und inzwischen Restauration und Refeudalisierung soweit voran treiben konnten, das aus unserer Demokratie eine Plutokratie geworden ist. Dies muss endlich von allen Demokraten, die diesen Namen zu Recht tragen wollen und sich nicht mitschuldig machen wollen, erkannt und dann auch mit aller Entschiedenheit bekaempft werden.

Sapere Aude!

Georg Trappe


P.S.:Im Grundgesetz ist mit Art 14 Abs 2 die Sozialpflichtigkeit des Eigentums festgeschrieben. Der Gesetzgeber hat aber in ueber 60 Jahren BRD keine nachfolgende Gesetzgebung geschaffen, die diese Sozialpflichtigkeit des Eigentums wirksam vor deutschen Gerichten durchsetzbar macht. Dies ist in meinen Augen ein "merkwuerdiges" Versaeumnis. Denn der Artikel 88 des Grundgesetzes wurde unter anderem mit dem Bankgesetz postwendend umgesetzt und hat darin das Primat der Politik ueber das Bank-, Kredit- und Geldwesen an eine unabhaengige Bundesbank und inzwischen eine unabhaengige EZB uebertragen. Damit ist es nahezu unmoeglich geworden mit demokratischen Mitteln den dadurch quasi uebergesetzlich gewordenen Status des verheerenden Gesetzes vom Zins und Zinseszins entgegen zu wirken. Das ist das Problem! Und nichts anderes!

Freitag, 29. April 2011

Freiheit? Gleichheit? Bruederlichkeit?

Ein Freund stellte an anderer Stelle vor Kurzem folgende Frage:
 
"Ist der freie Wille nur ein Trick unserer Hoffnung, mit dem wir uns täuschen?"

Ich denke, nein. Ich kann jederzeit, in jedem Moment aus einer unendlichen Zahl von Handlungsoptionen waehlen und dann auch versuchen diese Wahl in die Tat um zu setzen. Bei diesem Versuch werde ich aber mit Grenzen konfrontiert, die zum einen in mir und meinen Faehigkeiten begruendet liegen, sowie auch in einem endlichen Potential an Mitteln, das mir zur Umsetzung zur Verfuegung steht. Wege die nun dieses endliche Potential an Mitteln zur Umsetzung meiner freien Entscheidungen moeglichst weit auszudehnen suchen, sind Irrwege in einer Welt, die durch endliche materielle Resourcen gekennzeichnet ist. Denn dann wird sehr leicht eine Grenze ueberschritten die meine Freiheit zur Unfreiheit eines Anderen macht. Ein Freiheitsstreben, das dies nicht erkennt und anerkennt, ist zum Scheitern verurteilt. Gleichzeitig muss ich mir bewusst sein, das meine Wahrnehmung hoch selektiv ist und damit meinem Denken und dem Auswahl- und Entscheidungsprozess einen Fokus verleiht. Die Entstehung dieses Filters und die daraus folgende Ausformung des Fokus, ist wahrscheinlich eine der interessantesten Sachen ueberhaupt. Es fliessen sehr viele Dinge ein, vom aktuellen Kontext in dem man sich zu befinden glaubt, ueber die eigene Geschichte/Erfahrung und den eigenen kulturellen Hintergrund bishin zu dem was man fuer sinnvoll haelt und was nicht, um nur einige der relevanten Elemente zu nennen. Menschenfuehrung beschaeftigt sich z.B. mit dieser Fokusbildung und hat zum Ziel eine Gruppe von Menschen (die Gefuehrten) auf ein gemeinsames Ziel das ihnen sinnvoll erscheint zu fokusieren, um so den Drang zu handeln in eine gemeinsame Richtung zu lenken. D.h. eine wirksame Methode Macht auszuueben, ist die Einflussnahme auf diesen selektiven Wahrnehmungsprozess der zur Fokusbildung fuehrt.Denn diese Fokusbildung ist zum einen eine Notwendigkeit, da sie die unendliche Freiheit auf ein fuer den Menschen "handhabbares" Mass reduziert, zum anderen aber auch ein Einfallstor fuer fuehrende bis manipulative Eingriffe in die "freie" Willensbildung. Die dabei zum Einsatz gebrachten Methoden sind vielfaeltig und tragen entsprechend viele Namen. Erziehung ist ein Beispiel, Werbung ein anderes. Es gibt subtile Methoden und offensichtliche, langfristig wirksame und kurzfristig wirksame. Es existiert ein ueberwaeltigendes Spektrum, was nicht verwundert in einer Welt, in der viele Menschen von der Machtausuebung ueber andere Menschen leben. Es herrscht geradezu ein Methodenwettbewerb, der im Ziel seines Strebens im direkten Widerspruch zu den offiziell verkuendeten Idealen der Freiheit, Gleichheit und Bruederlichkeit steht. Denn der effizienteste Methodenmix obsiegt und die Freiheit (selbst die der Gedanken) geraet immer mehr in Gefahr, wenn sie nicht schon vollends sediert darnieder liegt.
Von Gleichheit und Bruederlichkeit ganz zu schweigen. Da kann es einem schonmal so vorkommen als gaebe es gerade in der Zeit, in der ein exzessiv anmutender (Neo)Liberalismus seinem Zenith zu strebt, die Willensfreiheit nicht mehr. Was ja ein huebsches und ueberaus interessantes Pardoxon waere. Ist es aber nicht! Denn in einer Welt endlicher materieller Resourcen ist die Freiheit des einen die Unfreiheit des anderen, wenn die Freiheit sich im wesentlichen ueber die Zahl der Optionen zu Handlungen definiert, die zu ihrer Durchfuehrung auf diese endlichen materiellen Resourcen zurueck greifen. Diese einfache Einsicht und ein evtl. vorhandenes Gewissen reichen meiner Meinung nach aus, um zu einer Lebensfuehrung zu finden, die sich am Genuegenden anstat am Moeglichen orientiert und somit Leid minimiert. Das Streben nach immer mehr Wissen erscheint mir da inzwischen der Ausdruck eines Glaubens zu sein, der auf die Moeglichkeit der Ueberwindung von prinzipieller Knappheit endlicher Resourcen abzielt. In der neoklassischen Wirtschaftsthoerie heisst das dann unendliches endogenes Wachstum durch unendlich wachsendes Humankapital=Wissen. Mit der empirisch belegten Folge, das immer effizienter die ausufernde Freiheit Weniger auf Kosten der Freiheit Vieler durchgesetzt wird und sich die Freiheit im Ganzen betrachtet in ihr Gegenteil verkehrt. Es gibt aber kein Perpetuum Mobile, auch keins der zweiten Art und es gelten die Erhaltungssaetze. Und Diejenigen, die sich dagegen auflehnen bewirken nur, das andere dafuer die Rechnung zahlen, z.B. durch Unfreiheit. Die Unfreiheit von 26000 Menschen taeglich eine fuer das Ueberleben genuegende Ration zu essen zu bekommen. Die Unfreiheit vor allen Dingen zukuenftiger Generationen ueber genuegend Energie, reine Luft und reines Wasser zu verfuegen. Und die Unfreiheit von Millionen sich in einem genuegenden und wuerdigen Mass am zentralen Lebensbereich Wirtschaft beteiligen zu koennen. Nun hinterlaesst ein Appell an die Genuegsamkeit und Bescheidenheit in einer Welt, die derart auf Konkurrenz um Resourcen zur Maximierung individueller, materieller Freiheiten Weniger ausgerichtet ist, einen schalen Beigeschmack. Denn die Selbstbescheidung und der Aufruf dazu arbeitet ja direkt in die Haende derjenigen, die sich skrupellos alles unter den Nagel reissen. So wie es die angeblichen Forschungsergebnisse, die den freien Willen und damit das Prinzip von Verantwortung in Abrede stellen auch tun. Was also tun? Sich in dieser Pyramide der freiwilligen Knechtschaft einrichten in der Hoffnung, dass man schon ein Plaetzchen in den oberen Stockwerken erwischen wird oder behalten kann? Oder den Helden spielen und sich nicht nur mit den Chancenlosen solidarisch erklaeren sondern mit ihnen heldenhaft untergehen?
Den Notausgang nehmen?
Die didaktische Aufgabe besteht aus meiner Sicht also darin, ein schon bis ins Destruktive ueberzogenes Freiheitsideal so in Frage zu stellen, dass die Minderheit, die sog. Elite, der es ueber alle Masse hinaus gelungen ist, ihre persoenlichen materiellen Freiheiten auf Kosten anderer gigantisch auszudehnen, moeglichst gewaltfrei dazu bewegt wird, von diesem Verhalten im Interesse aller in Zukunft Abstand zu nehmen. Das ist doch mal eine Aufgabe und eine Herausforderung, die den Namen auch verdient, oder? Viel Spass bei der Loesung wuenscht
wie immer mit einem freundlichen
 
Sapere Aude!

Georg Trappe

Dienstag, 19. April 2011

Psychologische Kriegsfuehrung

In der Geschaeftswelt ist es ueblich geworden, die Koepfe der potentiellen Kundschaft als das Schlachtfeld zu bezeichnen, auf dem mittels Marketing und Werbung die Auseinandersetzung um die Gunst des Kunden gefuehrt wird. Einen Einblick in diese Denke gibt das Buch Marketing Warfare. Nun ist die zynische Anlehnung an Kriegsstrategien kein Zufall. Vielmehr werden diese auf den einschlaegigen Business Schools gelehrt und gehoeren dort zur Grundausbildung der Strategieentwicklung. Wenn es also um die Koepfe geht, dann ist Psychologie natuerlich auch nicht fern. Und wie im richtigen Leben auch, spielt Psychologie eine zentrale Rolle im Geschaeftsleben und im Kriegsgeschaeft. Seit jeher wird bei gewaltsamen Auseinandersetzungen versucht den Gegner mit psychologischen Mitteln zu beeinflussen, um die strategischen Ziele zu erreichen. Im Kriegsgeschaeft heisst das dann psychologische Kriegsfuehrung. Inzwischen sind also nicht nur die Konzerne und deren Marketing und Vertriebsorganisationen psychologisch hoch geruestet, sondern auch die Armeen dieser Welt. Die Bundeswehr unterhaelt in Koblenz einen Trupp von ca 1500 Mann alleine fuer diese Zwecke. In den USA laeuft das unter Psychological Warfare. In diesem Artikel kommt dann auch Alexander der Grosse vor, der in “Fachkreisen” ja als grosses Vorbild fuer erfolgreiche Kriegsfuehrung gehandelt wird. Ich zititiere:
"Although not always accredited as the first practitioner of psychological warfare, Alexander the Great undoubtedly showed himself to be effective in swaying the mindsets of the populaces that were conquered in his campaigns.

To keep the new Macedonian state and assortment of powerful Greek tribes
from revolting against their leader, Alexander the Great left some of  his men behind in each city to introduce Greek culture, control it, oppress dissident views, and interbreed. Alexander paid his soldiers to marry non-Greek women. He wanted to assimilate people of all nations."
Viel interessanter ist aber, was aus PSYOPS in juengster Zeit geworden ist. Dieser Artikel ist ein echter Augenoeffner und hat in USA ein erhebliches Aufsehen erregt, bis hin zu einer offiziellen Untersuchung der Vorgaenge, die natuerlich im Sande verlaufen wird. Ich zitiere:
"The top U.S. commander in Afghanistan is ordering an investigation into claims that an Army unit trained in psychological operations was improperly told to manipulate American politicians – including Rep. Steve Israel (D-Dix Hills) – to get more money and troops for the war. The staff of Lt. Gen. William Caldwell, head of the effort to train Afghan security forces, ordered the information…"
Es besteht der Verdacht das ehemalige Offiziere der Bundeswehr aus dem Bereich der Inneren Fuehrung und der sog. Operativen Information kurz OPINFO die unter anderem von Franz Josef Strauss, man erinnere sich, dem ersten Atomminister und dem Beschaffer des ersten Atomwaffentraegersystems fuer Deutschland, dem Starfighter, gegruendet wurde, gezielt und im Auftrag in verschiedenen Onlineforen Meinungsmache betreiben.

Das Ganze ist also angesichts der juengsten Entwicklungen kein Spass sondern bitterer Ernst und riecht gewaltig nach Wiederaufleben der Harzburgerfront im Zeichen des Deutschrittertums, dem die Republik die sog. Familiaren Adenauer, Straus und Stoiber verdankt. All das im Rueckblick auf den steilen Aufstieg und den merkwuerdigen Fall vuz Guttenberg betrachtet, macht mir grosse Sorgen.Siehe auch INFOOPS, IO2, MEDIAOPS.
Einen Einblick wie es zu diesen Verstrickungen mit dem Waffenbruder kam, gewaehrt Egon Bahr in diesem Artikel. Ich zitiere nochmal den letzten Absatz:

“Ein Relikt der Lebenslüge ist übrigens geblieben: Noch heute wird von der nuklearen deutschen Teilhabe gesprochen. Es gibt ein Geschwader der Bundesluftwaffe, das amerikanische Atombomben ans Ziel tragen soll. Das Wort »Teilhabe« suggeriert, dass wir dabei eine Mitbestimmung haben. Die hatten wir nie. Helmut Schmidt hatte als Bundeskanzler vergeblich ein deutsches Veto gegen den Einsatz erörtert. Derzeit wird überlegt, ob die Flugzeuge, die nur bis 2012 oder 2013 einsatzfähig sind, ersetzt werden müssen. Aber mit Barack Obama im Weißen Haus sollte es leicht sein, dieses letzte Symbol der Vergangenheit loszuwerden.”
Ich teile seinen Optimismus aus gegebenem Anlass nicht.

Sapere Aude!
Georg Trappe