Mittwoch, 29. Dezember 2010

Hinweise

Nun, mancher wird sich wohl gefragt haben, was soll das mit dem komischen Quiz?

Nun die erste Gleichung ist eine verkuerzte logistische Gleichung (Verhulst), die demonstrieren soll, wie schnell es unuebersichtlich es wird, wenn eine Nichtlinearitaet im Spiel ist.

Das zweite Gleichungssystem ist ein Raeuber Beute Model (Lotka, Volterra), das bei entsprechender Wahl der Parameter
unter anderem eine Oszillation der Populationen von Raeuber- und Beutetieren und ein paar weitere hoch interessante Eigenschaften, die sich nicht auf Anhieb erschliessen zeigt.

Das dritte Gleichungssystem ist eine interessante Erweiterung/Modifikation des Lotka Volterra Systems um eine dritte Spezies. Bei geeigneter Wahl der Parameter zeigt sich ein sog. Dynastic Cycle (Feichtinger), der z.B. Aufstieg und Untergang chinesischer Dynastien beschreiben koennte. Viel haeufiger zeigt sich aber chaotisches Verhalten.

Das Ganze ist nicht wirklich neu. Aber interessant fand ich in diesem Zusammenhang, wie Wirtschaftswissenschaftler (Physiker der Sozialwissenschaften) solche Grundlagen der Erforschung nichtlinearer Systeme aufnehmen.

Denn wenn mich nicht Alles taeuscht zeichnet sich auch ein Neuron durch eine nichtlineare Uebertragungsfunktion aus und von denen soll es ja das eine oder andere plus ein paar Rueckkopplungen in diversen Koepfen wirtschaftlich aktiver Zeitgenossen geben.

z.B. die US FED

http://research.stlouisfed.org/wp/1991/91-002.pdf

Zwar schon etwas aelter aber wohl immer noch representativ fuer den Mainstream neoklassischer Praegung.

Aktueller, dafuer etwas aufgeschlossener

http://democrats.science.house.gov/Media/file/Commdocs/hearings/2009/Oversight/10sep/Colander_Testimony.pdf

Montag, 27. Dezember 2010

Quiz fuer Freunde des Kaffeesatzlesens

In der Zeit um den Jahreswechsel haben Kaffeesatzleser Hochkonjunktur.
Das mag entweder daran liegen, das sich jedes Angebot seine Nachfrage schafft,
was ich persoenlich fuer einen massiven Machtanspruch halte und mich irgendwie
an die Mafia und deren Angebote, die man nicht ablehnen kann, erinnert.
Oder aber daran, dass das Beduerfnis nach Vorhersagen, seit der Erfindung des
ewigen Lebens ueber den Tod hinaus, endlos zu wachsen scheint.
Wie dem auch sei, der Traum eines jeden Mainstream Wirtschaftswissenschaftlers
scheint um Neujahr in Erfuellung zu gehen, indem die Nachfrage nach
und / oder das Angebot von einer wertlosen aber hoch dotierten Dienstleistung
aehnlich der Nachfrage und dem Angebot nach bzw. von Feuerwerken Jahr fuer Jahr
neue Rekorde bricht, um so noch dem Gluecksindikator BIP in den letzten und
ersten Tagen des Jahres auf die Spruenge zu helfen.

Nun zum Quiz.

Wer erkennt auf Anhieb den Verlauf einer Zahlenreihe in Abhaengigkeit vom
Parameter G, die nach folgendem Bildungsgesetz gebildet wird?

X(n+1)=X(n)*[G-X(n)]

fuer n=0,1,2,3,4,.... und X(0)>0 und G>0

Oder wer erkennt auf Anhieb den zeitlichen Verlauf eines Systems und seine
Abhaengigkeit von den Parametern (A,B,C,D), das durch die folgenden
gekoppelten Differentialgleichungen beschrieben ist?

dx/dt=x*(A-By)
dy/dt=-y(C-Dx)

Oder wer erkennt den zeitlichen Verlauf in Abhaengigkeit von den
Parametern (A,B,C,D,E,F,G) eines einfachen oekonomischen Modells
(x=Arbeiter, y=parasitaere Kapitalisten, z=wahre Unternehmer) der
folgenden Form?

dx/dt=x*[1-x-y/(B+x)-A*z]
dy/dt=Cy*[E*x/(B+x)-1-z/(D+y)]
dz/dt=F*[x*y/(B+x)-Gz]

Nun wenn Sie nicht zu denen gehoeren, die diese Fragen auf Anhieb
richtig beantworten koennen, dann wenden Sie sich doch bitte an den
Politiker ihres Vertrauens und/oder dessen wirtschaftspolitischen Berater,
denn die muessten es doch wissen. Oder?

Sapere Aude!

Georg Trappe

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Phatogenese ein Weg zur Ätiologie

Wenn man die aktuelle Gemengelage analysiert, ist sie verblüffend ähnlich derer in Frankreich vor der französischen Revolution.

1.) Dauerhafte Finanzprobleme der Krone. Erstmals veröffentlich durch Jacques Necker 1781.

2.) Eskalierender Reformstau verursacht durch eine Blockadehaltung der Eliten, die einen Rückgriff auf ihre Pfründe fürchteten.

3.) Sich zuspitzende Existenznöte in den armen Teilen der Gesellschaft durch Missernten und ungerechte Verteilung der Lagerbestände. Inflation des Brotpreises.

4.) Aufklärung und ein erwachendes politisches Bewusstsein. Diese ist aber z.Zt. durch ein mediales Trommelfeuer ohne gleichen, das jede aufkeimende Vernunft in Schutt und Asche bombardiert, stark behindert.

Wenn man nun in Anlehnung an die Mediziner eine Phatogenese versucht, und ich halte ein solches Vorgehen für gerechtfertigt, da ich eine Gesellschaft für einen lebendigen
Organismus halte, der Opfer krankhafter Entwicklungen werden kann, dann kann man daraus womöglich auf Ursachen schliessen und so zu einer erfolgversprechenden Therapie kommen. Eine analytische Rückschau auf vorangegangene Krankheiten (s.o.)
erscheint mir dabei ebenfalls hilfreich, zumal es verdächtig nach einer ermüdenden Wiederholung aussieht. Salopp: Die Geschichte wiederholt sich solange, bis das notwendige Verständniss hergestellt ist oder das Verstaendnis mangels Menschheit nicht mehr benoetigt wird.
Worin aber besteht das krankmachende fehlende Verständniss?
In meiner Analyse komme ich zu folgenden Feststellungen. Die Erfinder der Demokratie als Staatsform konnten sich mit Sicherheit keine Nationalstaaten mit zig Millionen oder gar hunderten von Millionen Bürgern vorstellen. Und die Aufklärung, die da schon eher eine Ahnung hätte haben können, hat zwar Machtkonzentration als ursächliches Übel erkannt und daher konsequenterweise die Gewaltenteilung als Lösung vorgeschlagen. Allerdings war die Weitsicht der Aufklärer in Bezug auf Wirtschaft beschränkt und im wesentlichen auf den Staat gerichtet. Wie hätten sie sich auch vorstellen sollen,  welche Machtkonzentrationen in der Wirtschaft durch die industrielle Revolution möglich werden sollten. Und wie hätten sie sich vorstellen sollen, das gewählte Volksvertreter sich so bereitwillig durch eine fünfte Macht (Banken "too big to fail") kaltstellen lassen.
Die Aufklärer haben also in Bezug auf das Staatswesen Ursachen erkannt und entsprechende therapeutische Massnahmen vorgeschlagen. In Bezug auf Wirtschaft wurde dies aber nicht geleistet. Vielmehr herrscht, vereinfacht ausgedrückt, nachwievor die Vorstellung vor, das Grösser gleich Besser ist. Das ist aber falsch und übersieht die Tatsache, daß Wachstum über eine bestimmte Grösse hinaus negative, krankmachende Folgen für die Entwicklungsqualität der Wirtschaft und damit für die Gesellschaft als Ganzes hat. So gesehen fehlt es an einem Verständnis und in Folge davon natürlich auch an einem mehrheitsfähigen Konsens darüber, welche Wirtschaftsverfassung helfen würde, um die bekannten Leiden zu kurieren oder zumindest zu lindern. Hier ist die Avantgarde also gefordert einen Gegenentwurf auf die Beine zu stellen, der , wenn das grosse Köpferollen schon nicht vermieden werden kann, danach an die Stelle des bisherigen falschen Verständnisses treten kann.
In Anlehnung an die Aufklärer denke ich mit Blick auf eine solche neue Wirtschaftsverfassung, daß das, was für das Staatswesen so hilfreich und ja nahezu erlösend war, für die Wirtschaft nicht so verkehrt sein kann.
Konkret:
Gesetze die Unternehmen zwingt sich bei Erreichen einer bestimmten Grösse (grösser 1000 Mitarbeiter, grösser 1 Mrd Jahresumsatz) aufzuspalten und Gesetze die die
Vererbung von akkumuliertem Vermögen über eine bestimmte Höhe (1 Million) hinaus unterbinden, erachte ich als vielversprechend. Auch dann, wenn auf den ersten Blick dadurch Dinge unmöglich wuerden, an die wir uns alle sehr gewöhnt haben. Ich vermute aber, da bei einer derartigen Wirtschaftsverfassung dezentrale Strukturen entstehen, die nicht nur ein menschliches Ausmass haben, sondern auch Redundanzen etablieren und sich durch verteilte Intelligenz, im Gegensatz zu zentralisierten Vorstellungsmonopolen, auszeichnen, daß so vielmehr möglich würde, als wir es uns heute vorstellen können. In Bezug auf eine qualitativ hochwertige Entwicklung der Wirtschaft und damit der Gesellschaft bin ich mittlerweile überzeugt davon, das weiterführende Gedanken und vor allen Dingen Taten in diese Richtung Früchte tragen wuerden.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Und hier Belege fuer die seit drei Jahrzehnten erfolgreiche Re-Feudalisierung, ausgehend ausgerechnet von der Nation, die sich als erste der Moderne eine demokratische Verfassung gegeben hat.

US Wealth Gap
US Income distribution 

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Ein Hinweis auf die Richtung in die es z.Zt. in USA laeuft.

Wer sich fuer die Vorgaenge in den USA interessiert und eine
gewisse Sensibilitaet gegenueber Tea Party Movement, Palin, Fox News,
Glenn Beck etc. entwickelt (hat), die immerhin Millionen vor die
Glotze locken und zig Tausende auf die Strasse, koennte sich auch
hierfuer interessieren.

http://www.thenation.com/article/156806/and-now-anti-semitism

Das ist vor diesem Hintergrund

http://rwer.wordpress.com/2010/11/23/usa-long-term-unemployment-5-graphs/

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,728700,00.html

http://economix.blogs.nytimes.com/2010/07/30/are-we-a-nation-of-property-owners/

http://www.cbpp.org/cms/index.cfm?fa=view&id=3309

zu sehen. Dabei ist das letzte Schaubild unter dem letzten Link besonders interessant.Und wohin es fuehren kann, wenn eine "Supermacht"
entdecken muss, das sie garnicht so Super ist und das als Demuetigung
empfindet zeigt ein Blick zurueck in die deutsche Geschichte
(WK I, Vertraege von Versaille, etc.).
Sapere Aude!
Georg Trappe

Ein klassisches Beispiel. Die Pharmaindustrie.

Ein klassisches Beispiel in meinen Augen fuer die Verbohrtheit, sind die Zustaende in der Pharmaindustrie.
Und es ist kein Zufall, dass der Begriff der dissipativen Struktur von einem Chemiker gepraegt wurde. Ilya Prigogine hat die Bedeutung von Nichtlinearitaeten in diesem Bereich/Zusammenhang erkannt und gedeutet. Bis heute ist er, so wie es
aussieht, weitestgehend unverstanden geblieben.
Der Mensch ist eine dissipative Struktur.
Seine Gesundheit haengt von einem hochkomplexen Zusammenspiel nichtlinearer biochemischer Prozesse ab.
Die Pharmaindustrie versinkt bei ihren Anstrengungen im sich daraus
ergebenden "solution morass". Denn obwohl sich die Leistungsfaehigkeit
der Computer in den letzten 50 Jahren um den Faktor 10hoch9 gesteigert hat
(zur Kalibrierung des Daumens ueber den wir hier peilen:
wenn jeder der rund 6 Milliarden Menschen auf der Welt mit einem
Taschenrechner ohne jede Unterbrechung in jeder Sekunde eine Rechnung
absolvierte, müsste die gesamte Menschheit 21 Jahre arbeiten, um das zu
erledigen, was der IBM Roadrunner (2008) in einer Stunde bewältigt.)

und gleichzeitig die Zahl der in der Pharmaindustrie eingesetzten
Computer und sonstiger Hilfsmittel sich um einen aehnlichen Faktor
erhoeht und verfeinert hat und die Forschungsbudgets so ungeahnte
Hoehen erreichen und eine Konsolidierung in dieser Industrie in Form von
gigantischen M&A Aktionen erzwingt. Und dabei stehen die heute taetigen Forscher
in diesem Bereich auf den Schultern von Titanen, wie man so schoen sagt.
Und trotzdem erschliesst sich nicht das, was die Amerikaner "the next
big thing" nennen und wonach Alle wie besessen, man kann wohl sagen
krampfhaft suchen.

Warum?

Die Antwort ist einfach aber eben nicht akzeptabel, weil der fuer die
Menschen zentrale Lebensbereich Wirtschaft so strukturiert ist, das dies
auf keinen Fall geschehen darf.

http://georgtsapereaude.blogspot.com/2010/03/was-waere-wenn.html

Und daher "smoke and mirrors". Dieses sich winden und in komplizierten
Saetzen mit komplizierten Worten verschleiern. Dieses abrupte nicht zu
Ende denken von anerkannt intelligenten Menschen am entscheidenden
Punkt. Diese verschluesselten Nachrichten von Experten und
Moechtegernexperten. Dieses atomisieren von Atomen. Dieses infantile
Herumgedruckse. Dieses manchmal schon laecherlich anmutende
Herumphilosophieren um Wahrscheinlichkeiten, dass es vielleicht doch so
sein koennte, wie man es sich mal so schoen ausgedacht hat.
Anstatt also anzuerkennen, dass die "linearen" Faehigkeiten der Menschen
in einer ueberwiegend nichtlinearen Umwelt ihre Grenzen finden, und die
niedrig haengenden Fruechte der sog. "Moderne" bereits radikal, zum Teil
mit verheerenden Folgen, abgeerntet sind, verpasst man jede Chance, in
dem man sich der inzwischen schon zwingenden Erkenntnis verweigert und mit aller Macht versucht das Wasser zu erfinden, das den Berg hinauf fliesst.

Und dabei kann die Meditation bei der Betrachtung eines schoenen
Wasserfalls doch so entspannend und aufschlussreich sein.

So wie die Dinge liegen, wird mit aller Macht (und diese Macht ist
gewaltig! Das Problem verursachende 1% umfasst immerhin 60 Millionen
Menschen, die sich annaehernd 50% des weltweiten Vermoegens angeeignet
und unter ihre Kontrolle gebracht haben.) die zentrale Vorstellung der
vorherrschenden Wirtschaftstheorien, es gaebe ein Perpetuum Mobile
ewigen Fortschritts und ewigen Wachstums aufrecht erhalten, um den
unangenehemen Konsequenzen aus dem Weg zu gehen, die sich daraus
ergeben, dass dem nicht so ist.

Und in diesem Befund kulminiert meine Ursachenanalyse und reduziert sich
letztendlich auf einen kurzen Satz.

Vor lauter Intelligenz so dumm, das es duemmer nicht geht!

Sapere Aude!

Georg Trappe


Verpflichtung zur Humanitaet

Aus meiner Sicht ist die Verpflichtung zur Humanitaet, die Verpflichtung das menschliche Mass zu respektieren, der Dreh- und Angelpunkt, wenn ich den Blick von der Klagemauer weg hin zu  moeglichen Loesungen wende.
Wenn man zur Abwechslung mal vom Unwissen ausgeht und fuer einen Moment den Stolz auf das angeblich exponentiell wachsende Wissen vergisst. Wenn man zur Abwechslung mal den Ernstfall des Scheiterns zum Mass der Dinge erhebt und nicht den antizipierten Erfolg, dann kommt man zu etwas, was ich mal Ergonomie gesellschaftlicher, politischer und sozialer Verhaeltnisse genannt habe.
So wie es keinen Sinn machte, den Menschen in den Fabriken des Fruehkapitalismus mangelnde Festigkeit ihrer Gliedmassen vorzuwerfen, wenn diese von den vollkommen ungeschuetzten unergonomischen Maschinen meiner damaligen Kollegen abgerissen wurden, so macht es keinen Sinn den Menschen in unserer Gesellschaft mangelndes Wissen oder mangelnde Vernunft in Bezug auf die gesellschaftlichen, politischen und sozialen Prozesse vorzuwerfen.
Der Grund warum so viele Menschen sich nicht in das einbringen koennen, was so existenziell wichtig fuer sie ist, ist der Mangel an Ergonomie. Der Mangel am Respekt vor dem menschlichen Mass.
Dazu haben wir Ingenieure nicht unerheblich beigetragen.
Den groessten Vorwurf ueber die offensichtliche Respektlosigkeit gegenueber dem menschlichen Mass bei Bauwerken und Maschinen hinaus, den ich unserer Zunft dabei machen muss, ist der, dass wir eine wichtige Grundlage unseres "Erfolgs" nicht vermitteln. Und dies ist das Wissen ueber unser Unwissen in Bezug auf nichtlineare dynamische Systeme. Wir vermeiden Nichtlinearitaeten wie der Teufel das Weihwasser, weil wir uns der Unloesbarkeit der Probleme die daraus entstehen bewusst sind. Und wenn wir sie nicht vermeiden koennen, dann greifen wir auf Linearisierungen zurueck, die nur einen infinitesimal kleinen Geltungsbereich um den "Arbeitspunkt" fuer den wir sie machen haben.
Das Unheil, was wir durch das verschweigen unseres "Geheimrezepts" ausloesen, entsteht im wesentlichen in zwei Dimensionen. Zum einen entsteht ein Druck auf andere Bereiche, den diesem Geheimnis entsprungenen "Erfolgen" ebenbuertiges entgegen zusetzen. Daraus folgt z.B. eine Wirtschaftswissenschaft, die sich als Physik der Geisteswissenschaften versteht, und versucht Wirtschaft aus linearen Gleichgewichtsmodellen heraus zu erklaeren. Das das schief gehen muss, ist jedem Ingenieur, der sich mit den jaemmerlichen Grundlagen, auf denen die Kontrollillusion erzeugenden mathematischen Konstrukte der Wirtschaftwissenschaften aufbauen, auseinander setzt, sofort klar, wenn er sich die Muehe machen wuerde, mal einen Blick ueber den Zaun zu werfen.
Die zweite Dimension ist aber noch viel dramatischer. Denn trotz des Wissens ueber unser Unwissen ignorieren wir diesen blinden Fleck im grossen Stil, wenn wir unsere linearen Konstrukte in grosser Zahl, ueber lange Zeiten und inzwischen raeumlch global, in eine von Natur aus nichtlineare Welt setzen. Diese Ignoranz besteht darin, das wir wissen, das wir nicht wissen koennen, welche Auswirkungen diese massive Implementation linearer Konstrukte in eine nichtlineare Umwelt zeitigen wird. Und mit nichtlinearer Umwelt meine ich nicht nur die Natur im engeren Sinne sondern auch menschliche, gesellschaftliche, politische und soziale Systeme.
Sehr deutlich wird dies wenn wir uns das Glanzstueck der Ingenieurmethoden, die Finite Elemente Methode, auf ihre Faehigkeit Vorhersagen zu Vorgaengen zu machen, in denen die Bauteile massiv in den nichtlinearen Bereich hinein belastet werden, untersuchen.

Sie geht gegen Null.

Illustriert wird dies sehr schoen, wenn man sich die Bedeutung einer Entdeckung klar macht, die Edward N. Lorenz ca. 1962 machte. Er erkannte das Computer gestuetzte Vorhersagen des Wetters ein massives Problem darstellen, da das zugrundliegende aus "nur" drei gekoppelten nichtlinearen Differentialgleichungen bestehende System sehr empfindlich auf Anfangs- und Randbedingungen reagiert.
Seitdem hat sich die Rechenleistung der besten Supercomputer (lineare Maschinen) um den Faktor 1 Billion gesteigert. Die Computer gestuetzte Wettervorhersage wurde gleichzeitig bei etwas gutem Willen von 1 Tag auf 5 bis 10 Tage verbessert.
Mein Schluss daraus ist. Unsere linearen Faehigkeiten sind erstaunlich. Aber wenn wir den linearen Bereich verlassen, dann versagen unsere Methoden. Jede Abstraktion, jede Setzung, auch die einer Verfassung, ist aber eine Linearisierung. Sie funktioniert daher auch nur in der Umgebung (raeumlich, zeitlich, zahlenmaessig) in der sie geschaffen wurde. Die Ausdehnung dieser Linearisierungen ueber diese kleinen Distanzen hinaus, kann aufgrund der nichtlinearen Eigenschaften unserer Umwelt in weitesten Sinne nicht funktionieren. Sie muessen zwangslaeufig Unheil ausloesen, wenn sie mit diesem totalisierenden Anspruch auf globale Verhaeltnisse ausgedehnt werden. Daraus folgt fuer mich, Klein ist schoen!
Die "One Size Fits All" Loesungen der Weltbank, des IWF etc.
und die monokulturellen "Bigger Better King" Ansaetze sind zum Scheitern verurteilt. Auch dann wenn mit grosser Macht ihre Durchsetzung betrieben wird. Denn die Welt, in der wir leben, ist nun mal hauptsaechlich nichtlinearer Natur und daher sperrig gegen lineare Vergewaltigungen die aus einer Anmassung ohne Gleichen resultieren. Wir werden dies lernen und akzeptieren muessen, wenn wir nicht an unseren eigenen totalisierenden Utopien verbluten wollen.

Sapere Aude!

Georg Trappe

The Solution Morass

In dem auf dieser Website des Department of Aerospace Engineering Sciences der University of Colorado at Boulder veroeffntlichten Skript habe ich diese sehr gute Beschreibung des Problems, das sich aus Nichtlinearitaet ergibt, gefunden.

"The Solution Morass

In nonlinear analysis the two FEM interpretations (mathematical and physical) are not equal in importance. Nonlinear analysis demands a persistent attention to the underlying physics to avoid getting astray as the “real world” is covered by layer upon layer of mathematics and
numerics.
Why is concern for physics of paramount importance? A key component of finite element nonlinear analysis is the solution of the nonlinear algebraic systems of equations that arise upon discretization.
FACT is:

The numerical solution of nonlinear systems in “black box” mode is much more difficult than in the linear case.
The key difficulty is tied to the essentially obscure nature of general nonlinear systems, about which very little can be said in advance. And you can be sure that Murphy’s law
(If something can go wrong, it will go wrong.) works silently in the background.
One particularly vexing aspect of dealing with nonlinear systems is the solution morass. A determinate system of 1, 1000, or 1000000 linear equations has, under mild conditions, one and only one solution.
The computer effort to obtain this solution can be estimated fairly accurately if the sparseness (or denseness) of the coefficient matrix is known. Thus setting up linear equation solvers as “black-box” stand-alone functions or modules is a perfectly sensible
thing to do. By way of contrast, a system of 1000 cubic equations has 31000 ≈ 10300 solutions in the complex plane. This is much, much larger than the number of
atoms in the Universe, which is merely 1050 give or take a few. Suppose just several billions or millions of these are real solutions. Which solution(s) have physical meaning? And how do you compute those solutions without wasting time on the others?
This combinatorial difficulty is overcome by the concept of continuation, which engineers also call incremental analysis. Briefly speaking, we start the analysis from
an easily computable solution — for example, the linear solution — and then try to follow the behavior of the system as actions applied to it are changed by small steps called increments. The previous solution is used as a starting point for the iterative solution-search procedure."

Und:

"Rough nonlinearities are characterized by discontinuous field relations, usually involving inequality
constraints. Examples: flow-rule plasticity, contact, friction. The local response is nonsmooth. Solution techniques for these problems are in a less satisfactory state, and case-by-case consideration is called for. The local and overall responses are generally path-dependent,
an attribute that forces the past response history to be taken into account.
The key difficulty is that conventional solution procedures based on Taylor expansions or similar differential forms may fail, because such Taylor expansions need not exist!
An encompassing mathematical treatment is lacking, and consequently problem-dependent handling is presently the rule. For this class of problems incremental methods, as opposed to incremental-iterative methods, still dominate."

Kurz gesagt:

Wenn es zu pfadabhaengigen nichtlinearen Phaenomenen kommt, dann ist das Feinste vom Feinsten, was die Ingenieurwissenschaften bezueglich dessen, was mit modernsten Supercomputern handhabbar ist, heute zu bieten haben, keinen Pfifferling wert.
Und die Mainstream Oekonomen versuchen die Wirtschaft mit linearen Gleichgewichtsmodellen zu erklaeren!
Und die demokratisch gewaehlten Volksvertreter glauben diesen Idioten! Und wir alle unterwerfen uns einer primitiven Zinseszinsrechnung aus bloeder Gewohnheit!
Ich fasse es nicht. Und ich begreife auch nicht die Mathematiker und Physiker, die sich in den Dienst
eines solchen Unterfangens stellen. Weiterhin begreife ich auch nicht, wie Naturwissenschaftler und
Ingenieure, denen obiges aus der taeglichen Arbeit bewusst ist, Oekonomen und Politiker widerspruchslos
bei diesem haarstraeubenden Akt gewaehren lassen koennen. Manchmal frage ich mich schon,
bin ich verrueckt oder sind grosse Teile meiner Umgebung verrueckt? Denn der Punkt ist, wer die Vorstellungen, Modelle und Methoden die gluecklicherweise auf die 0,1% der Faelle passen in denen sie erfolgreich angewendet werden koennen auf die 99,9% der sich evolutionaer = pfadabhaengig nicht linear enstandenen Welt anwendet, ist zwangslaeufig zum Scheitern verurteilt.
Und da hilft ein tieferes Verstaendniss derjenigen Theorien, die die unpassenden Vorstellungen,
Modelle und Methoden auf die ueberwaeltigende Mehrheit der weltlichen Phaenomene anwendet, nur in sofern weiter, als das man erkennt, in welchen Wahnsinn sich die Menschheit in ihrer Arroganz verrannt hat. Das ist die Bedeutung der vierten Kraenkung von der Benvenuto spricht.
Das ist die Erkenntnis, der wir uns stellen muessen. Unsere Faehigkeiten erlauben zutreffende Vorstellungen,
Modelle und Methoden in 0,1% der Faelle. Nicht mehr!

Sapere Aude!
Georg Trappe

Dienstag, 23. November 2010

In der Gefangenschaft einer Gleichgewichtstheorie?

Mit diesem Eintrag moechte ich Ihnen nahe bringen, warum es wichtig ist, ausserhalb gewohnter Bahnen zu denken und sich so aus der Gefangenschaft bestehender Theorien zu befreien.
Sie erinnern sich sicherlich noch an die Oelpreisexplosion im Jahre 2008. Es gab damals den Verdacht, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Nobelpreistraeger Paul Krugman fuehlte sich seiner Zeit berufen in seiner Columne in der NYT  diesem Verdacht entgegenzutreten, indem er das Fundament der Wirtschaftswissenschaften, die Marktgleichgewichtstheorie, heranzog (1).  Ich habe damals und seitdem mit Freunden die Moeglichkeit diskutiert, dass Herr Krugman sich des Braess Pradoxons (2) nicht bewusst ist. Dieses Paradoxon ist eigentlich kein Paradoxon, sondern ist eine auf Intuition beruhende Fehleinschaetzung, die den Unterschied zwischen einem Gleichgewicht und einem Optimum ignoriert (3).  Koennte es sein, das Herr Krugman Gefangener einer fragwuerdigen Theorie ist
und so seiner Intuition folgend der Welt erklaert hat, das nicht sein kann, was nicht sein darf?
 Ich kann mir, im Gegensatz zu Herrn Krugman, sehr leicht vorstellen, wie Goldman Sachs und Co ein Braess Paradoxon schaffen (lassen), um so  Investoren, die den Unterschied zwischen einem Gleichgewicht und einem Optimum nicht kennen,  zu erleichtern.

Sapere aude!

Georg Trappe




Montag, 22. November 2010

Die Qualitaet des Preisbildungsprozesses der Maerkte




In der Halbleiterei ist die statistische Prozesslenkung (2) das A&O der Qualitaetssicherung. Um sowohl hohe Fertigungsausbeute als auch gleichbleibend hohe Qualitaet der Endprodukte (z.B. Computerchips) zu sichern, werden die Schluesselparameter des Fertigungsprozesses staendig kontrolliert. Nicht nur der absolute Wert relativ zu einem Sollwert ist von Interesse sondern auch die Schwankungsbreite des kontrollierten Parameters steht im Fokus. Der Grundgedanke dabei ist, das nur ein qualitativ hochwertiger Prozess (= geringe Schwankungsbreite seiner Schluesselparameter) auch reproduzierbar hochwertige Endprodukte erzeugen kann. Die Schwankungsbreite ist also ein Mass fuer die Prozessfaehigkeit zuverlaessig, reproduzierbar, qualitativ hochwertige Endprodukte zu erzeugen. Wenn man nun diesen Gedanken auf den Preisbildungsprozess an den Maerkten anwendet, rueckt die Schwankungsbreite oder Bertrag der taeglichen Preisfluktuationen (1) in den Mittelpunkt des Interesses. Zu diesem Zweck habe ich sowohl den DAX wie auch den DowJonesIndustrial und Gold einer entsprechenden Analyse unterzogen. 
Das Ergebnis sehen sie in den obigen Grafiken. Dargestellt ist der gleitende Durchschnitt ueber ein Jahr, der taeglichen Schwankungsbreite des Preisbildungsprozesses.  Bemerkenswert ist, wie akzentuiert, trotz der Mittelwertbildung ueber ein Jahr, Phasen hoher Qualitaet (=geringer Schwankungsbreite) sich von Phasen niedriger Qualitaet (=hoher Schwankungsbreite) unterscheiden. Man koennte meinen die "Schlamperei" beginnt auf Kommando. 
Weiterhin ist das Ausmass der "Schlamperei" beeindruckend. Der Faktor 3 ist bei den betrachteten  Maerkten in Bezug  auf die Prozessqualitaet der Preisbildung = Bewertung offensichtlich locker drin. Wenn nun die Konzernkapitaene bei der Fuehrung ihrer Unternehmen
im Rahmen des Shareholder Value Konzepts einem Hoehenmesser vertrauen, dessen Anzeigequalitaet /  Genauigkeit um den Faktor 3 fluktuiert, dann darf man sich weder ueber die eine oder andere Bruchlandung noch ueber den Zustand der Wirtschaft als Ganzes wundern.

Sapere Aude!

Georg Trappe

(1) y=abs(Kursheute-Kursgestern)/Kursheute
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Statistische_Prozesslenkung

Sonntag, 21. November 2010

Heureka!


Auch das Programm Eureqa  (1), das am Cornell Computational Synthesis Laboratory entwickelt wird und auf einem sog. genetischen Algorithmus zur symbolischen Regression aufbaut, findet
 das "log periodic power law" in der Goldpreisentwicklung der letzten Dekade. Und zwar unter anderem in der Form

y=f(ln(c-t))=
A + B*cos(2*pi*3f*(ln(c-t))+D) - E*(ln(c-t))*cos(2*pi*f*(ln(c-t))) - G*(ln(c-t))^2

mit c= kritische Zeit, t= Zeit in Monaten, f= Frequenz der Oszillation, pi= Kreiszahl 
und A=4.77, B=0.15, D=1.4, E=0.05, G=0.17

Die so gefundene Regression ist oben in blau dargestellt. Rot dargestellt sind die Monatsdurchschnittspreise fuer Gold in US$, wie sie z.B. in den Statistiken der Bundesbank zu finden sind. Ich persoenlich denke, das Prof. Didier Sornette mit seinen Thesen einen Schritt zu weit geht, wenn er den Crashzeitpunkt voraus berechnen will. Allerdings teile ich seine Meinung, wenn es um die Bedeutung der Signatur des LPPL als Indikator fuer einen sich anbahnenden Crash geht, wenn gleich die eindimensionale Betrachtung eines Preises ueber Zeit, auch wenn es der Goldpreis ist,  in meiner Vorstellung nicht ausreichend ist, um ein komplexes System wie Wirtschaft und seine Zustandsaenderungen in einem hoch dimensionalen Phasenraum grundlegend zu verstehen. Prof. Sornette's Arbeit koennte da ein erster, laengst ueberfaelliger Schritt in eine Richtung sein, der den Blick dafuer frei macht.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Mittwoch, 10. November 2010

Goldblase

Gold Bubble engineered by Zoellik & Goldman Sachs




Die Signatur des Log Periodic Power Laws (rot) ist deutlich im Verlauf der Monatsdurchschnittspreise in US$ (grau, normiert auf den Stand 01/2000) zu erkennen. Die Anpassung des LPPL  Parametervektors wurde mit Hilfe des Levenberg Marquardt Algorithmus (kurz LMA)
vorgenommen.
Lesen Sie dazu auch bitte (LPPL, die Formel gegen den Absturz)
Den aktuellen Vorschlag des Weltbank - Chefs Zoellik zu einem neuen Goldstandard sollten Sie im Licht dieser bemerkenswerten Untersuchungen und unter Beruecksichtigung der Tatsache, dass es sich bei Zoellik um einen ehemaligen Goldman Sachs Mitarbeiter handelt wuerdigen.

Sapere Aude!

Georg Trappe 

Wer sich dafuer interessiert, welche "Mechanik" hinter dem rapiden Vertrauensverlust, der sich in dieser Preisentwicklung manifestiert, steckt, kann das hier nachlesen.



Dienstag, 9. November 2010

Neuer Goldstandard, die Formel gegen den Absturz?

Kein geringerer als der Weltbankchef Zoellick kommt mit dem revolutionaeren Vorschlag eines neuen Goldstandards zur Ueberwindung der Weltwirtschaftskrise zum Vorschein.(1) Das sollte man ernst nehmen! Denn es belegt einmal mehr die Konzeptions- und Ratlosigkeit fuehrender Oekonomen. Anstatt einzugestehen, dass die seit drei Jahrzehnten von Ihnen verbreiteten und vorherrschenden wirtschaftlichen Dogmen der neoliberalen Ideologien die Weltwirtschaft in einen instabilen Zustand getrieben haben, versucht man, nachdem die Standardloesungen dieser Ideologie offensichtlich nicht greifen, sein Glueck mit dem Rueckgriff in die Mottenkiste, indem man dem irrationalsten "Wertkonservator" in Form eines inerten Edelmetalls namens Gold wieder die Rolle des Wertgaranten zuschreiben moechte. Wie fragwuerdig dieser Vorschlag ist, wird deutlich, wenn man die Goldpreisentwicklung mit den modernsten zur Verfuegung stehenden Methoden analysiert (2). Die Erkenntnis, dass die Signatur des "log periodic power laws"(LPPL), die bisher zuverlaessigste Vorhersagemoeglichkeit fuer eine Blasenbildung und damit fuer einen potentiellen Crash darstellt, wirft ein bemerkenswertes Licht auf den Vorschlag des Weltbankchefs. Denn der Goldpreis zeigt seit einigen Jahren genau diese Signatur. Steht also die Goldblase kurz vor ihrem Zusammenbruch? Und wie ist vor dem Hintergrund dieser Frage, der Vorschlag des Weltbankchefs zu bewerten? 

Die Theorie die hinter dem LPPL, das unter anderem in der Erdbebenforschung eine Rolle spielt, steht, ist einleuchtend. Die Energie einer Schwingung steigt nicht nur mit ihrer Amplitude sondern auch mit ihrer Frequenz (Beispiel: Ultraschallbad). Wenn nun nicht nur die Amplitude
sondern auch die Frequenz einer solchen Schwingung exponentiell waechst, dann waechst ihre
Energie extrem. Eine Struktur, in der eine solche Schwingung entsteht, ist extremem Stress ausgesetzt. Das LPPL gilt daher auch als Vorbote eines Phasenuebergangs, oder eben eines Erdbebens. Ein dramatischer, da schlagartig auftretender, Wechsel der Qualitaeten der makroskopischen Eigenschaften eines nichtlinearen dynamischen = komplexen Systems. 
Wer Wirtschaft aus der Sicht der Theorie komplexer Systeme betrachtet, wird daher die Bedeutung des LPPL erkennen. Dies scheint aber den fuehrenden Oekonomen, aus welchen Gruenden auch immer, nicht moeglich zu sein, denn sonst kaemen sie wohl nicht auf die Idee
ausgerechnet Gold, andem sich zur Zeit deutlichst das LPPL manifestiert als "neuen" Wertsicherungsstandard fuer Waehrungen vorzuschlagen.
Ich beobachte die Entstehung der LPPL Signatur beim Goldpreis seit einiger Zeit mit grosser Sorge. Aber sie ist nicht das einzige Anzeichen dafuer, dass wir vor grossen Umbruechen in der Weltwirtschaft stehen. Ein weiterer von den Mainstream Oekonomen uebersehener aber zuverlaessiger vorlaufender Indikator fuer wirtschaftliche Grossereignisse im Format einer Weltwirtschaftskrise ist die Entwicklung der Konzentration der Einkommen in den Haenden einer kleinen Zahl von Wohlhabenden (3). Dies ist nur durch eine massive Vermoegensakkumulation  in den Haenden der oberen 1% zu erklaeren, wie sie auch durch aktuelle Studien (4) belegt ist. 

Welche unterschwelligen sozialen Spannungen durch diese  Verhaeltnisse erzeugt wurden, ist leicht vorstellbar. Wenn diese Spannungen nun noch durch eine hyperdynamischen Schwingung der Art LPPL ueberlagert werden und am durch neoliberale Dogmen mehrfach ueberbestimmten Kaefig ruetteln, weil die problemverursachenden 1%  aus einem Angst getriebenen Reflex heraus grosse Teile ihrer gigantischen Vermoegen in aus  vollkommen irrationalen Gruenden als werthaltig eingestufte Edelmetalle umschichten, dann wird der befuerchtete Zusammenbruch zu einer sich selbsterfuellenden Prophezeiung.
Und dann bewirken absurde Vorschlaege der oben genannten Art nichts, ausser einer weiteren Verstaerkung  einer ohnehin schon beaengstigenden Destabilisierung. Wer die durch hunderte von Milliarden erkaufte Zeit ungenutzt verstreichen laesst, ohne die ursaechlichen Probleme der Krise zu beheben, rettet die Welt auch nicht mit der Wiedereinfuehrung eines Goldstandards.

Saper Aude!

Georg Trappe

Samstag, 16. Oktober 2010

Korruption in Deutschland abgeschafft!

Die Korruption wurde in Deutschland im Laufe der letzten drei Jahrzehnte dank Umorientierung auf den Wertekanon neoliberaler Praegung sukzessive abgeschafft und unter der Ueberschrift Maximierung des Shareholdervalue ins Bilanzrecht integriert. Damit steht Deutschland an forderster Front zusammen mit den Staaten, die angelsaechsische Rechtstraditionen pflegen, wenn es um den Kampf gegen die Kriminalisierung staatserhaltenden Unternehmertums geht.
Sapere Aude!
Georg Trappe

Sonntag, 26. September 2010

Die Innovationskraft deutscher Grossunternehmen

Als notorischer Ungläubiger und Nichtkirchgänger wurde mein Frevel am heutigen
Sonntag (einem Tag, der hier seinen Namen verdient) sofort bestraft, indem meine Blicke auf folgenden Artikel gelenkt wurden.

http://www.handelsblatt.c...

Ergänzend:
http://www.byd.com/
http://www.yinglisolar.com
http://www.welt.de/welt_p...
http://www.nuclear-free.c...

Meine Interpretation:

Dank der revolutionären Industriepolitik unserer glorreichen Tigerentenregierung wird Deutschland eine führende Rolle bei der Einführung von mit Atomkraft angetriebener Mobilität einnehmen. Die so eingesparten Milliarden werden als Solidarbeitrag zur Sanierung der Wall Street direkt und ohne Einschaltung der Deutschen Bank als Korrespondenzbank an Goldman Sachs überwiesen.
Die dadurch eingesparten Transaktionskosten sollen von Goldman Sachs
an das Bureau of Engraving and Printing ( http://www.moneyfactory.g... ) überwiesen werden, um so die Versorgung der Welt mit frisch gedrucktem Geld in ansprechendem Design zu unterstützen. Der Sachverständigenrat der deutschen Wirtschaft, der sich z.Zt. mit der Reduzierung (seiner) systemischen Relevanz beschäftigt (siehe: http://www.sachverstaendi... ) äusserte sich zurückhaltend.
Die Deutsche Bank legte sofort nach Bekanntwerden der revolutionären Regierungsentscheidung ein strukturiertes Produkt mit dem Namen ABACUS 0815 auf, das es professionellen Anlegern ermöglichen soll sich risikolos mit Renditen von bis zu 25% p.a. an der Erschliessung und Sanierung von Grundstücken in der unmittelbaren Nähe (Tschernobyl Radius http://www.slideshare.net...) von AKWs zu beteiligen. Wie bei solchen Produkten üblich, wurde aus Gründen der Diskretion der Name der Gegenpartei, die die ausgelobte Rendite beim ausbleiben des GAUs zahlen müsste, verschwiegen. Insiderkreise gehen aber davon aus, daß sowohl die Deutsche Bank selber, wie auch die AKW Betreiber auf diesem Weg die Abschöpfung der Rendite durch die Bundesregierung kompensieren möchten.
Die Versicherungswirtschaft, die durch AKW Unfälle verursachte Schäden
rigeros im Kleingedruckten ihrer Policen ausschliesst, protestierte nicht, wies aber potentielle Anleger darauf hin, das in der momentanen Situation der Kapitalmärkte risikolose Renditen von 25% unwahrscheinlich seien. .......

Mein Fazit:

Offensichtlicher können die Verkrustungserscheinungen in den Köpfen unserer
politischen und wirtschaftlichen Eliten wohl kaum sein.

Halleluja

Georg Trappe

Sonntag, 13. Juni 2010

Die Krise im dritten Jahr

Ich denke es ist wichtig zu verstehen, dass die Krise, in der wir uns nun seit mehr als zwei Jahren befinden, nicht vorüber ist und ihre Ursachen nicht
nur im temporären Versagen von Märkten und Regularien bestanden. Vielmehr ist ein falsches Verständnis der Grundlagen, wie Wirtschaft und Märkte funktionieren,
zum Dogma erhoben worden und so zu einer permanenten Bedrohung für allgemeinen Wohlstand und Frieden geworden.
Quelle dieses falschen und in die Irre führenden Verständnisses sind die sog. Mainstream Wirtschaftswissenschaften und hier insbesondere die Hypothese
von effizienten Märkten und die Theorie rationaler Erwartungen. Auf diesen Fundamenten, die keine sind, basieren nicht nur die geltenden Finanzmarktregulierungen,
sondern auch die Risiko Management Systeme, die so eklatant versagten als es zum Zusammenbruch kam.
Wirtschaft ist kein System, das sich nahe von Gleichgewichten befindet. Das Gegenteil ist richtig.
Paretoverteilte Vermögens- und Einkommensverteilungen belegen dies sehr eindrucksvoll. Die Annahme, das freie Märkte grundsätzlich Gleichgewichte anstreben ist falsch.
Es ist ebenfalls falsch anzunehmen, das freie Märkte in der Lage sind ihre Übertreibungen selber zu korrigieren.
Vielmehr sind Märkte bei weitem nicht in der Lage das verfügbare Wissen annähernd genau zu reflektieren, sondern stellen immer nur eine mehr oder
weniger verzerrte Sicht der Realität dar.
Weiterhin sind Märkte nicht rückwirkungsfrei auf die durch sie dargestellten Sachverhalte. Es wirken sowohl Gegen- als auch Mitkopplungen.
Dabei können jederzeit aus stabilisierenden Gegenkopplungen destabilisierende Mitkopplungen werden.
Wenn Gegen- und Mitkopplungen gleichzeitig auftreten, wird dies in Form von volatilen Preisentwicklungen sichtbar, deren Verläufe einen zufälligen Charakter haben.
Die Volatilität ist somit ein Indiz, aber kein Mass, für die Unsicherheit bzw. die Verzerrung der Marktsicht der Realität. Ursache für diese Verzerrung
und ihre Nichtquantifizierbarkeit ist die Rückwirkung des Marktes auf die durch ihn dargestellten Sachverhalte. Dies ist ähnlich zur Heisenbergschen
Unschärferelation in der Quantenphysik.
Die Mainstream Wirtschaftswissenschaften und ihre Gleichgewichtsheorien berücksichtigen nur den Fall der Gegenkopplung, der Markt und Realität einander annähert
und damit tatsächlich korrigierend bzw. stabilisierend wirkt. Mitkopplungen, die selbstverstärkend bis destabilisierend wirken, werden ignoriert und kommen
nicht vor, obwohl sie die Ursache für die zyklischen Phänomene der Wirtschaft sind. Eine Berücksichtigung in Form stochastischer "Störungen" ist nicht adequat.
Solange diese Blindheit gegenüber 50% der fundamentalen Mechanismen und ihre Bedeutung aus dogmatischen Gründen fortbesteht, ist die wirkliche Ursache der
Krise nicht erkennbar und somit auch nicht behebbar.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Sonntag, 28. März 2010

Radikalisierung = Versagen der Eliten

Politische Radikalisierung ist ein Symptom fuer das Versagen der politischen und wirtschaftlichen Eliten in unserem Land. Wenn ich die Anomietheorie von Robert K. Merton heranziehe, stellt sich die Sache wie folgt dar.

Das alles dominierende kulturelle Ziel in unserer Gesellschaft ist Dank neoliberaler Indoktrination seit fast 30 Jahren auf allen Ebenen:

Geld machen

Nach Robert K. Merton ergeben sich 5 Optionen

Aus Wikipedia

Zitat
1) Konformität: Kulturelle Ziele werden akzeptiert, die legalen Mittel zur Erreichung sind vorhanden.
2) Innovation: Kulturelle Ziele werden akzeptiert, die Mittel zur Erreichung sind nicht vorhanden und werden durch illegale Mittel ersetzt.
3)Ritualismus: Kulturelle Ziele werden akzeptiert aber individuelle reduziert damit die legalen Mittel zu ihrer Erreichung genügen.
4)Rückzug: Kulturelle Ziele wie auch legale Mittel werden abgelehnt (Folge: Selbst- oder Fremdexklusion).
5)Rebellion: Kulturelle Ziele und legale Mittel werden aufgegeben und sollen durch neue ersetzt werden.
Zitatende

Da nur noch einer sog. Elite der Weg der Konformitaet offen steht, sehen wir ein Ausweichen der Mehrheit auf die verbleibenden 4 Optionen. Sortieren Sie sich selber ein.
Wenn der Gesetzgeber dies vermeiden will, bleibt nichts anderes, als per Gesetz die Sozialpflichtigkeit des Eigentums nach Grundgesetz Artikel 14,2 durchzusetzen. D.h. Beschraenkung der exklusiven Eigentumsrechte zur Vermeidung von Kapital und Machtakkumulation in einer Form, die wahre Chancengleichheit zum Ziel hat und die Motivation, die aus Eigentum entsteht,  dabei nicht zerstoert.
Krux an der Geschichte ist, dass die Indoktrination der neoliberalen Ideologien seit 30 Jahren auf allen Ebenen so einen Gedankengang dogmatisch ausgeschlossen hat. Durchgesetz wird dieses Dogma mit Hilfe einer fuenften Gewalt = Banken too big to fail, die mit Kapitalentzug droht.
Desweiteren wird behauptet, soetwas wuerde die Wettbewerbsfaehigkeit mit Volkswirtschaften, die keine reale Sozialpflichtigkeit des Eigentums etablieren, schmaelern. Dazu kann ich nur sagen, ich wuerde gerne auf den einen oder anderen Weltmeistertitel verzichten, wenn damit der Vernunft und der Menschlichkeit der Weg bereitet wuerde. Denn wenn nichts geschieht, um das strukturelle Problem aufzuloesen, konvergiert es auf Option 5 zu.
Dann ergeht es dem Neofeudalismus wie dem Feudalismus.
Ich will keine Gewalt, aber wenn das neoliberale Dogma nicht aufgegeben wird, ist ihre Entstehung logisch zwingend vorgegeben. Dann wiederholt sich die Geschichte traurigerweise solange, bis das notwendige Verstaendnis hergestellt ist oder mangels Menschheit nicht mehr benoetigt wird.

Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.:Und nun denken Sie bitte mal in diesem Zusammenhang ueber die Begriffe Finanzinnovationen (=Option2) und Fremdexklusion = Hartz4 (welche Ironie = Option4) nach.

Freitag, 26. März 2010

Die Angst vor der Anomie. Oder warum wir uns ergodisches Wetter wuenschen.

Emile Durkheim, eine Soziologe, der unter dem Eindruck des Fruehkapitalismus und seinen Folgen, ein tiefes Verstaendnis
fuer die Auswirkungen der Arbeitsteilung entwickelt hat, fuehrte den Begriff der Anomie in die Soziologie ein. Sein Wissen geriet in Vergessenheit und so beobachten wir konsequenterweise Entwicklungen, die denen seiner Zeit sehr aehnlich sind.
Denn die Geschichte wiederholt sich solange bis das notwendige Verstaendnis hergestellt ist und respektiert wird oder mangels Menschheit nicht mehr benoetigt wird.
Es ist wohl die Angst vor dieser Anomie, die Menschen immer wieder antreibt, gigantische Strukturen und Ordnungen unmenschlichen Ausmasses zu errichten und sich ihnen unterzuordnen.
Es ist wohl das weitverbreitete unkritische Beduerfnis nach Ordnungs- und Sicherheitsfiktionen, sowie die daraus resultierende grosse Versuchung einen gewinnbringenden Verkauf von Ordnungs- und Sicherheitsfiktionen zu organisieren, in deren Folge die zuvor genannten Strukturen und Ordnungen unmenschlichen Ausmasses entstehen. Uebersehen wird dabei, das sowohl der vermeintliche Gewinn wie auch die unkritisch ersehnte Ordnung und Sicherheit Fiktion bleiben muessen und so die gefuerchtete Anomie nur waechst.
Was hat das nun mit dem Wetter zu tun?
Fast nichts. Aber in Zeiten in denen auf breiter Front Fiktionen als solche erkannt werden, weil nach fast 30 Jahren neoliberalem Exzess die Anomie soweit getrieben wurde, dass nur noch sog. Eliten die Option der Konformitaet mit dem alles dominierenden Ziel des primitiven Geldmachens offensteht, entstehen Unsicherheiten, Aengste und ein starkes Beduerfnis nach Vorhersagbarkeit. Diese ist aber wie beim Wetter nur sehr begrenzt, wenn ueberhaupt gegeben. Daher suchen wir uns in Mittelwertbildungen zu retten, um so das Unvorhersehbare zumindest relativieren zu koennen. Und dann wuenschen wir uns, dass das Neue dem Mittelwert des Alten entspricht.
Getreu dem Motto, es war schon immer so und es wird wohl "hoffentlich?" (im Mittel) immer so bleiben. Ein krankmachendes Ritual korrumpierter Vernunft entsteht, weder innovativ noch revolutionaer.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Wie kuriert man das “Fettaugensyndrom”?

Angeregt durch diesen Artikel:
Habe ich folgenden Aufsatz geschrieben, den ich hiermit Frau Merkel widmen moechte.
In meinem “Weltbild” gibt es ein riesiges monolithisches und daher sehr unappetitliches Fettauge, das die Tendenz hat, durch Einverleibung kleinerer Artgenossen die ganze Suppe zu ueberwuchern. Dieses Fettauge heisst US amerkanische Machtelite. Ein gigantischer Wirtschafts- und Waehrungsblock mit einem anmassenden und durch nichts legitimierten Sendungsbewusstsein unter Ausnutzung von “gewaehrten” Privilegien, wie Weltleitwaehrung. Der neoliberale Exzess, der seinen Ursprung Dank Reagan und Friedman auch in diesem wunderbaren Land hat, hat einen Punkt erreicht, indem die inneren Widersprueche der zugrundeliegenden Ideologie fuer jeden sichtbar werden. Das globale Wirtschaftsystem ist dadurch instabil geworden. Die Zeit, die mit gigantischen Staatsschulden gekauft wurde, verstreicht aber ungenutzt. Die Wall Street betreibt ein zurueck zu den Vorkrisenzustaenden. Die Monopole, Kartelle und Syndikate klopfen sich auf die Schenkel. Die fuenfte Gewalt in Form von Banken too big to fail fuehren die Regierungen vor. China knoepft sich Geithner vor, mit der “Bitte” die Diversifizierung der chinesischen Waehrungsreserven zu guenstigen Dollarkursen zu ermoeglichen und Frau Merkel bietet den USA “Teile und Herrsche” an.
Ich fasse es nicht.
Wer das Fettaugensyndrom kurieren will, muss die grossen Fettaugen spalten. Konkurrenz dahin tragen, wohin sie hin gehoert. Nach der Schwaeche in der Staerke fragen und diese dann radikal nutzen, um die Staerke zu brechen. So etwas kann man Konzept oder Strategie nennen. Aber man muss es machen, sonst wird es nichts! Wenn man sich Clausewitz unters Kopfkissen stopft, hilft es nicht. Wenn man glaubt “The Art of War” sei nur ein lustiger Actionthriller mit Wesley Snipes der irrt.
Und wenn ich Frau Merkel ziel- und strategielos herumeiern sehe, dann kann ich ihr nur empfehlen: Vergessen Sie ihre Oekonomieberater, das sind Filmstatisten! Lesen Sie Clausewitz und Sun Tze und dann handeln Sie bitte danach.

Sapere Aude!

Georg Trappe

By the way: Das griechische "Vergehen" ist in USA Leitkultur.
Kalifornien war schon Zahlungsunfaehig. Schwarzenegger musste
schon IOUs ausgeben. Und Kalifornien ist fuer sich betrachtet
unter den zehn groessten Volkswirtschaften der Welt angesiedelt. Da ist Griechenland ein Peanut!
Fuer eine NRW Wahl die ueber Jahrzehnte muehsam erarbeitete europaeische Integration zu riskieren ist ein Armutszeugnis.
Frau Merkel, Sie sollten Obama vorschlagen Irland, Island und das UK als 51.,52. und 53. Bundesstaat zu annektieren. Sie sollten mit China und Japan den Schulterschluss suchen. Aber auf keinen Fall europaeische Desintegration riskieren wegen einer NRW Wahl.

Donnerstag, 18. März 2010

Das U Boot. Eine Analogie

Mein Freund Norbert sagt, es gibt immer jemanden, der die Nase etwas weiter vorne hat. Er meint damit, es gibt immer eine Avantgarde. Ich denke das stimmt. Ich nenne dieses "vorne" on the edge of chaos.  Aber die Avantgarde von gestern ist nicht immer die von morgen. Die Leitplanken der Evolution sind Lust und Leid. Es gibt eine Avantgarde, die die kritischen Punkte frueher sieht und damit unter Leidensdruck geraet, waehrend die alte Avantgarde noch deutlich Lust verspuert und ein "immer weiter so" predigt. Andy Grove, ein ehemaliger Intel CEO hat das in seinem Buch "Only the Paranoid Survive" sehr zutreffend beschrieben. Er redet da von Inflection Points = kritische Punkte und eben Paranoiden die die Auswirkungen dieser Inflection Points auf die Entwicklung vorweg nehmen koennen. Ich zaehle mich zu dieser paranoiden Avantgarde bei meinem Anliegen. Nicht weil es zeitweise chiq war sich Avantgardist zu nennen, sondern weil es hoffnungsvoller ist, als apokalyptischer Reiter, wie mein Freund Norbert mich im Scherz nennt. Denn es laesst die Qualitaet des Nachfolgenden offen.
Ich habe meine Arbeit als Manager immer so gesehen. Paranoider Minensuchhund. Lieber mir fliegt die Nase weg, als dem ganzen Trupp die Gedaerme. Ich habe dafuer nicht immer nur Anerkennung bekommen. Vom Trupp schon, aber aus dem Fuehrerbunker eher weniger. Trotzdem, das ist meine Berufung und sie hat mir den einen oder anderen Erfolg beschert. Ein paranoid avantgardistischer Blick auf die Dinge fragt nach der Schwaeche in der Staerke. Wenn man soetwas entdeckt, dann kann man erfolgreich in bestehende Maerkte mit starker etablierter Konkurrenz einbrechen oder gar eine technische Revolution ausloesen. Konkurrenz dahin tragen, wo sie hin gehoert. Zu den Fettaugen, die sonst immer groesser und unappetitlich werden. Wer soetwas vorwegnehmen kann und so das Erreichen eines kritischen Punktes als Chance nutzen kann indem er fruehzeitig eine entsprechende Strategie entwickelt, ueberlebt und ist in der naechsten Runde wieder mit dabei. Wer sich auf dem Erfolg in der Vergangenheit ausruht und sich seiner Sache zu sicher ist riskiert den Untergang, indem er selber zum angreifbaren Fettauge wird. In der Wirtschaft wie in der Technik wie auch in dissipativen Strukturen  =  nicht linearen dynamischen Systemen  gibt es kritische Punkte, an denen Phasenuebergaenge stattfinden und das System sich qualitativ dramatisch aendert. Fuer die Mehrheit, der dem alten Regime folgenden Systemkomponenten, ist das nicht vorhersehbar, fuer einige wenige ist der Stress aber schon im Vorfeld ziemlich gross. Einer dieser IKB Bankmanager steht z.Zt. vor Gericht und plaediert auf unschuldig, weil fuer ihn die dramatische Entwicklung die zur Pleite fuehrte nicht vorhersehbar gewesen sei. Ich bin geneigt ihm das abzunehmen, wenn gleich ich ihn damit nicht aus der Verantwortung entlassen will und kann.
Stellen Sie es sich so vor. Ein U Boot wird durch 100 Bolzen zusammen gehalten.
Der Kapitaen geht auf grosse Tiefe, die die Kraefte, die auf diese Bolzen wirken, soweit erhoeht, das der Bereich der elastischen Verformung = reversiblen Verformung verlassen wird und eine plastische = irreversible Verformung einsetzt. Das Material beginnt zu "schreien", der Kapitaen ignoriert es, aus welchen Gruenden auch immer und taucht noch tiefer. Irgendwann sagt einer der 100 Bolzen "Bruch" und sofort "wissen" die anderen 99 Bolzen, dass sie nahezu gleichzeitig auch brechen muessen, denn die Last die zuvor auf den 100 Bolzen ruhte und zum Bruch des ersten gefuehrt hat, verteilt sich nun auf nur noch 99 = Kettenreaktion und in Sekundenbruchteilen  sind alle 100 Bolzen gerissen und die Katastrophe perfekt. Und das Wissen darueber, wie sich die Katastrophe ankuendigte versinkt mit dem geborstenen UBoot in den Tiefen des Ozeans.

Die paranoide Avantgarde erkennt mit welcher Signatur sich kritische Punkte ankuendigen. Es ist ein Erkennen, das tragischerweise der Mehrheit verschlossen bleibt weil, es auch ein Paradox darstellt. Das Unvorhersehbare vorhersagen. Es ist eine Art Instinkt. So wie Tiere einen Tsunamie spueren und das Weite suchen bevor ein Mensch die Welle kommen sieht. Sie will dem ahnungslosen UBoot Kapitaen zurufen: Pass auf, da entwickelt sich etwas irreversibel und dramatisch  zu unserem Nachteil und der heldenhafte Kapitaen droht zum Dank mit Erschiessung wegen Feigheit nach der Rueckkehr in den Hafen.  Der Rest der Mannschaft macht weiter wie befohlen und ist dann froh, dass sie nach erfolgter Katastrophe den Kameraden nicht mehr erschiessen muss.

Was ich sagen moechte ist :Sapere Aude!. Habe den Mut deinen Verstand zu benutzen. Hoert nicht auf den Kapitaen.  Er wurde Kapitaen, weil er das alte Regime am besten verstanden hat und vertreten kann. Daher ist er aber auch fast blind fuer einen sich ankuendigenden Regimewechsel, wenn er den Avantgardisten zur Kassandra werden laesst. Haltet Ausschau nach irreversiblen Vorgaengen und macht Euch klar was Sie fuer Euch bedeuten. Wenn ihr zu dem Schluss kommt, wird schon gut gehen weil es irgendwie immer gut ging, ok . Wenn ihr Euch darauf verlassen wollt, das die paranoide Avantgarde rechtzeitig die Revolution startet und den Kapitaen wie auch immer zum Auftauchen bewegt, dann guckt Euch wenigstens das zerbeulte Uboot und die ueberdehnten Bolzen an und lernt aus der Geschichte, nachdem ihr mich erschossen habt. Wenn aus Geschichte nicht gelernt wird, dann wiederholt sie sich traurigerweise so lange bis das noetige Verstaendnis hergestellt ist oder menschliches Verstaendnis nicht mehr benoetigt wird. Das ist logisch zwingend. Wer die Ungleichheit der Vermoegens- und Einkommensverteilung ueber einen bestimmten Punkt treibt beschaedigt irreversibel die Gesellschaft indem Vertrauen ueberdehnt und damit Kohaesion zerstoert wird. Wer wie verrueckt die Vorraete fossiler Brennstoffe verheizt und gleichzeit die natuerliche Recycling Anlage Regenwald abholzt, der beschaedigt irreversibel unsere Lebensgrundlagen in einem blinden Triumphalismus der durch nichts gerechtfertigt ist. Wer intelligente Alternativen aus purer Geldmacherei ignoriert und unterdrueckt, traegt, obwohl die Entwicklung die daraus entsteht unvorhersehbar ist, die Verantwortung.
Ich denke alle, die in Fuehrungsverantwortung stehen und denen das klar wird, stehen vor der Entscheidung ihres Lebens. Weiterso und der Krempel fliegt uns um die Ohren, oder den Verstand benutzen und proaktiv die Entwicklung beinflussen, bevor sie vollkommen unkontrollierbar wird und moeglicherweise in eine Katastrophe muendet. Und by the way, die Weltwirtschaftskrise und ihr Entwicklungsmuster haben sich angekuendigt, Japans "Lost Decade", 1997 Asienkrise, 2000 NewEconomy. Und keiner der alten Wirtschaftskapitaene hat bis heute eine schluessige nachvollziehbare Erklaerung fuer den Ablauf und die Ursachen dieser Krisen, weil die alten Denkgebaeude Neoklassik und Keynes nicht verlassen werden. Das was sich gestern bewaehrt hat, kann morgen den Untergang bedeuten. Daher darf es nicht den Blick fuer Alternativen verstellen.
Die Idee es mal aus der Sichtweise der Theorie der komplexen Systeme anzuschauen wird als absurd abgelehnt. Warum, weil nicht sein kann was nicht sein darf. Unvorhersagbarkeit wie beim Wetter passt mit dem Paradigma Zinseszins auf ewig nicht zusammen. Und wir hatten all das schonmal 1930. Aber dummerweise bis heute nichts gelernt. Also Wiederholung des Films bis es der Letzte kapiert oder wiedermal der letzte Blutstropfen geflossen ist. Traurig.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Dienstag, 16. März 2010

Ansichten eines Ingenieurs

"Nichts ist für den genug, dem das Genügende zu wenig ist." Epikur

Ueber die wahre Bedeutung der Thermodynamik und des Entropie Prinzips.

Es gibt wohl wenige Begriffe die so schwer zu durchschauen sind wie der Begriff der Entropie in der Thermodynamik.
Selbst Ingenieure wie ich haben damit regelmaessig ihre Schwierigkeiten. Entsprechend verschlossen ist uns seine
wahre Bedeutung. karolachristiane, der ich diesen Artikel widme, hat mich in einem anderen Zusammenhang inspiriert
nun diesen Artikel zu schreiben, der hoffentlich hilft den Vorhang ein stueckweit zu oeffnen und so die tiefe Bedeutung
des Entropie Prinzips fuer uns alle zu verstehen. Denn wer die Gesetze der Thermodynamik in ihrer Bedeutung fuer uns
nicht versteht, kann die Grundlagen unserer Existenz nicht verstehen.
Es gibt Ordnung und Unordnung = Chaos. Wenn ich als ordnungsliebender Ingenieur in meiner Wohnung eine Stunde staubsauge
um 100 Gramm unordentlich in meiner Wohnung verteilten Staub ordentlich in einen Beutel einzusaugen, um ihn dann Richtung
Muelldeponie befoerdern zu lassen, mache ich folgendes.
Ich betreibe einen Staubsauger mit 1500 Watt Leistung fuer eine Stunde. Ich verbrauche also 1500Wh oder 1,5kWh Strom.
Da dieser Strom nur mit einem Wirkungsgrad von 25% aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Oel herzustellen ist,
muss dafuer Oel mit einem Energieinhalt von 6kWh, das entspricht etwa 0,6l oder 0,75 kg Rohoel, verbrannt werden.
Um also 100g Staub nach meinem Willen zu ordnen und von einem Ort zu einem anderen zu bewegen, erzeuge ich 750g
zusaetzlichen Staub(1) in einem Prozess der unumkehrbar ist. Das Oel ist fuer immer verbrannt, der dadurch zusaetzlich entstandene Staub(1) ist fuer immer Bestandteil dieser Welt. Und das alles alleine meiner Ordnungsliebe geschuldet.
Eine Gesellschaft wie die unsere, die Ordnungen in Form von Infastrukturen, Konzernen, Firmen gigantischen Ausmasses
errichtet, ausbaut und aufrecht erhaelt und dies im wesentlichen durch ineffiziente Verbrennung fossiler Brennstoffe betreibt und dabei glaubt, der Nutzen aus dieser Hyperaktivitaet wuerde endlos exponentiell steigen, befindet sich auf einem Irrweg und muss letztendlich scheitern.
Ein Mensch benoetigt fuer seine Existenz im Schnitt 2500 kcal pro Tag das entspricht 2,9 kWh Energie pro Tag.
Das sind etwa 0,3l bzw 0,375 kg Oel oder 0,7 kg ungekochter Reis. Ich verfeuere waehrend meiner Ordnungsorgie a la Staubsaugen 2 Tagesrationen. Eine Autofahrt von 100km verfeuert etwa 6l Diesel also etwa 20 Tagesrationen.
Und am besten waere es, wenn es nach der neoliberalen Wirtschaftsideologie geht, dass das alles auf ewig exponentiell waechst. Ein solches System muss kippen. Wenn es nicht an der Endlichkeit der materiellen Resourcen scheitert erstickt es an seiner Entropieerzeugung = Stauberzeugung.

Wo liegt die Loesung?
Ich dachte, ersteinmal muss dieses Problem in all seinen Dimensionen verstanden werden. Und dann sah ich den Wald vor
lauter Baeumen nicht, denn es gibt auch eine Entropie der Information.
Die Loesung zieht jeden Morgen durch das Dorf in meiner direkten Nachbarschaft. Es sind buddhistische Bettelmoenche, die mir jeden Tag beweisen, mehr als 0,7kg Reis benoetige ich nicht um meine Existenz und mentale Weiterentwicklung zu ermoeglichen. Und das schoene ist mein Koerper erzeugt sehr wenig Entropie, denn das meiste kann in einem photosynthetisch angetriebenen Kreislauf wieder zu Reis werden. Ich bin eine dissipative Struktur und Teil eines disspativen Systems.
Die Evolution hat mich optimal daran angepasst den Energiestrom, den die Sonne uns auf diesem Planeten zur Verfuegung stellt bei minimalster Entropieerzeugung fuer meine Existenz und meine mentale Weiterentwicklung in einer Symbiose zu nutzen.
Die Loesung heisst Demut und Bescheidenheit. Und wenn ich in der westlichen Philosophie zurueck gehe, finde ich
Epikur, der entgegen den Verleumdungen durch die katholische Kirche kein hedonistisches Schwein war, sondern genau das
Gegenteil in seinem Kepos, einem Ort an dem nichts mehr als das Glueck verehrt wurde, gelehrt hat.
Ataraxie, innerliche Autarkie, gelassene Lust.

Und er wusste auch

"Schlimm ist der Zwang, doch es gibt keinen Zwang, unter Zwang zu leben."Epikur


(1) der "zusaetzliche Staub" ist natuerlich bei der Verbrennung von Kohlenwasserstoffen H2O = Wasser und CO2 =Kohlendioxid.
Da die Regenwaelder auf einen Bestand reduziert wurden, der es
dem photosynthetischen Kreislauf nicht mehr ermoeglicht saemtliches CO2 wieder in hochwertige Biomolekuele um zu setzen, reichert sich CO2 in der Atmosphaere an. Der Staub ist hier also symbolisch gemeint um den Charakter von Entropieerzeugung und seine Unumkehrbarkeit zu verdeutlichen.

Samstag, 13. März 2010

Neoklassische Wirtschaftstheorie 101

Warum kommen negative Grenzertraege der Ertragsfunktion einer Volkswirtschaft in der neoklassischen Sicht nicht vor?
Die Neoklassik sieht das Problem fallender Kapitalerträge bei steigendem Kapital zwar auch. Sie glaubt aber theoretisch und empirisch herausgefunden zu haben, dass durch den technischen Wandel die Ertragskurve immer weiter nach oben verschoben wird, so dass die Grenzerträge konstant bleiben können.


Theoretisch und empirisch heisst aber, dass sie von der Vergangenheit in die Zukunft extrapoliert hat.
Linear? Exponentiell? Polynome xten Grades? Welche Regressionsmethode erlaubt eine solche Zukunftsvorhersage?

Wenn die Antwort jetzt ist: Die neoklassische, dann sind wir entscheidenden Punkt angekommen.
Es war schon immer so und es wird immer so bleiben. Basta!
Selbstimmunisierender, unwissenschaftlicher Mist eben,
der dem Sumpf der Letztbegruendungen und einer korrumpierten Vernunft entspringt.

By the way, Naturwissenschaften koennen diese Regression auch nicht leisten. Sie koennen zwar lineare Systeme recht gut vorausberechnen,
aber wenn es nichtlinear dynamisch wird,  hoert es auf mit der Vorhersagbarkeit. Edward N. Lorenz gehoert zu den Entdeckern dieser Tatsache. Er versuchte das Wetter per Computermodell vorher zu sagen.
Sein Ergebnis:
Zitat
„Predictability: Does the flap of a butterfly's wings in Brazil set off a tornado in Texas?“ Edward N. Lorenz
Zitatende
Damit war endgueltig Schluss mit dem laplaceschen Geist und einem Determinismus alter Schule.

Die Neoklassik uebersieht dies vollkommen und fuehrt damit zu einer Vergewaltigung der Welt und der Menschen in einem gigantischen Ausmass.

Seit 30 Jahren stehen vier riesige Elefanten in unserem Wohnzimmer.
1) 26000 Hungertote taeglich.
2) Ein Energiekonzept, das unsere Lebensgrundlagen zu zerstoeren droht.
3) Ein staendig steigendes Heer von Arbeitslosen.
4) und das bei 80 Mio Neubuergern (=1BRD) pro Jahr

Diese Probleme wachsen taeglich. Warum werden sie nicht angegangen?
Weil die neoklassische Wirtschaftstheorie zu dem unfassbaren Schluss fuehrt, ES LOHNT SICH NICHT.

Die an das eingesetzte Kapital gekoppelte Renditeerwartung ist fatal.
Eine am Umsatz oder tatsaechlichen Beitrag gekoppelte waere wahrscheinlich ok, wobei auch da ein Mechanismus hinzu kommen muesste,
der Akkumulation und reale Dissipation ausgleicht.

Warum ist das so schwer zu vermitteln? Weil nicht wahr sein kann was nicht wahr sein darf? Weil der Bedarf nach Vorhersagbarkeit so gross
ist, das die ganze Welt den Priestern dieses Orakels auf den Leim geht?
Das riecht verdaechtig nach Mittelalter. Nach Dogma.
Und ganz nebenbei etabliert sich eine fuenfte Macht im Staat die "To Big To Fail" ist und durch die Hintertuer einen Neofeudalismus etabliert, der den ueberwunden geglaubten Feudalismus in seiner Brutatlitaet um ein vielfaches uebertrifft. Und demokratisch gewaehlte Regierungen schauen nicht nur machtlos zu, sondern sekundieren noch dabei. Und das alles im Namen der Neoklassik, beweihraeuchert von den hohen Priestern der Mainstreamwirtschaftswissenschaften, die dieses Orakel aufs beste bewahren.

Ich denke jeder Oekonom, jeder Bankmanager, jeder Manager und jeder Politiker, der das erkennt, steht heute vor der Entscheidung seines Lebens.
Weiter so und mitschuldig werden daran das uns der ganze Krempel um die Ohren fliegen wird oder endlich den "Schabernak" als solchen enttarnen und damit den Weg fuer wirkliche Loesungen relevanter Probleme (4 Elefanten) frei machen.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Freitag, 12. März 2010

Griechenland kann es nicht alleine schaffen

Ich sehe nur, das in Griechenland wie ueberall auf der Welt Zeit gekauft wird. Die Loesung des ursaechlichen Problems findet aber nicht statt!
Kann auch nicht statt finden, da den massgeblichen Damen und Herren das
notwendige Verstaendnis fehlt. Die Mainstreamwirtschaftswissenschaften
bauen auf einem Fundament auf, das keines ist. Sie bauen auf etwas auf,
was von massiven Denkfehlern durchsetzt ist. Maerkte sind keine funktionierende Regelung. Manchmal stabilisieren sie durch Gegenkopplungen, manchmal entwickeln sich in ihnen Mitkopplungen die
destruktive Oszillationen verursachen. Wirtschaft ist kein System
nahe von Gleichgewichten wo Linearisierungen zulaessig waeren, sondern
Wirtschaft ist ein dissipative Struktur weitab von Gleichgewichten, das
der Dynamik nichtlinearer Differentialgleichungen gehorcht. Jeder Wirtschaftende sucht eine Vorteil fuer sich = Ungleichgewicht. Den Starken gelingt das unter Ausnutzung von Akkumulation. Die dadurch ausgeloesten exponetiellen Konzentrationseffekte, von mir flapsig als “Fettaugensyndrom” benannt, entziehen aber ueber die an sie gekoppelten Renditeerwartungen immer mehr Wirtschaftsteilnehmern erst Kapital und dann Einkommen. Die Zahl der Glaeubiger sinkt, die Zahl der Schuldner steigt. Die Zahl der faulen Kredite, die durch Nichts gesichert sind, nimmt zu und das System erreicht einen kritischen Punkt,
in dem es instabil wird. Da es dissipativ ist und verbrannte, verbrauchte Sicherheiten (Oel, Rohstoffe, Autos, marode Haeuser) irreversible ausfallen, kippt es. Der Versuch, es ueber Geld und Zinspolitik alleine zu stabilisieren, muss scheitern. Die Ursachen muessen verstanden und dann behoben werden. Bis dahin gilt der traurige Satz:
Geschichte wiederholt sich solange, bis das notwendige Verstaendnis hergestellt ist.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Mittwoch, 10. März 2010

Antwort auf die Frage: "Woran krankt der Kapitalismus?"


Meiner Meinung nach am falschen oder nicht vorhanden Verstaendnis seiner komplexen Dynamik.

Das kapitalistische Wirtschaftssystem mal mit Hilfe der Theorie komplexer Systeme zu untersuchen und zu analysieren wuerde da weiter helfen. 

Das setzt aber voraus, das man bereit ist einzugestehen, das die bisherigen dominierenden Wirtschafttheorien, die zum Teil schon zu Ideologien verkommen sind, erhebliche Defizite in ihrer Erklaerungsreichweite haben.

Das teuflische am Kapitalismus ist, jeder glaubt ihn verstanden zu haben. Und solange er so funktioniert wie es den Vorstellungen entspricht, denkt keiner kritisch nach. Insofern korrumpiert er die Vernunft. Wenn es dann klemmt und Vorstellung und Realitaet offensichtlich nicht mehr zusammen passen, ist es zu spaet, weil irreversibel ein kritischer Punkt erreicht wurde, der den Laden kraeftig durchruettelt.

Es gibt Oekonomen denen das langsam daemmert.
Siehe auch:

Ob die Zeit aber noch reicht, die Betonkoepfe dafuer zu oeffnen und zur Ursachenbehebung zu bewegen, ist nach 30 Jahren erfolgreichen Indoktrination durch neoliberale Ideologien auf allen Ebenen und den Eliteschulen dieser Welt mehr als zweifelhaft.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

Grundgesetz Artikel 14:
1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.
(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.
(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.


Damit sollte klar sein, dass die Banken und ihre Manager wie z.B. Alexander Dibelius (Goldman Sachs)
http://www.focus.de/finan...
ein Fall fuer den Verfassungsschutz darstellen.

Die Verfasser des Grundgesetzes stand unter dem Eindruck der schlimmsten Katastrophe des vergangenen Jahrhunderts. Entsprechend weise sind die Artikel des Grundgesetzes formuliert.
Sie wussten, das staatlich garantierte exklusive Eigentumsrechte eine hohe Verantwortung an diejenigen uebertragen, die sie in Anspruch nehmen.
Hitler haette nie an die Macht kommen koennen und den 2.Weltkrieg fuehren koennen, wenn die Eigentumer der Produktionsmittel ihn dabei nicht unterstuetzt haetten. Daher zur ewigen Erinnerung Artikel 14,2.
Diese Verantwortung und die im Grundgesetz definierte Verpflichtung, die aus dem Erwerb von Eigentum hervorgeht wird heute wieder in grossem Umfang von Eigentuemern und deren Managern bestritten. Sekundiert werden sie dabei von Politikern, die einer neoliberalen Ideologie anhaengen.
Global betrachtet fuehrt diese Art des verantwortungslosen Umgangs mit exklusiven Eigentumsrechten unter anderem zu 26000
Hungertoten TAEGLICH. Auf die BRD bezogen ist das Resultat dieses in der BRD verfassungswidrigen Verhaltens die Ausgrenzung von Millionen aus dem Erwerbsleben und deren Abschiebung in die staatliche Alimentierung.
An Herrn Westerwelle gerichtet, kann ich nur sagen. Er verwechselt Ursache und Wirkung. Es ist wohl eher der verfassungswidrige Umgang mit Eigentum in diesem Land das ausloesende Problem, als die Unterstellte Dekadenz der Hartz 4 Empfaenger.
Die geistige Rezession der Eliten seit der geistig moralischen Wende ist der wirtschaftlichen Rezession vorausgegangen.
Global betrachtet haben 30 Jahre Dominanz neoliberaler Ideologien verheerende Auswirkungen gezeitigt. Die wirklich relevanten, existenziellen Probleme wie z.B. Hunger, Energiekonzept aber auch Arbeitslosigkeit wurden zu gunsten einer sehr einseitigen Interpretation der exklusiven Eigentumsrechte (z.B. Shareholder Value Konzept) ignoriert.
Sie stehen aber dennoch wie riesige Elefanten im Raum.
Wie man 26000 Hungertote TAEGLICH oder ein seit 30 Jahren wachsendes Millionen Heer von Arbeitslosen ignorieren kann, ist mir vollkommen schleierhaft.
Wenn Bruder Barnabas dies sehr drastisch karikiert, dann zu recht.
Wenn Herr Westerwelle derart beleidigt reagiert, dann belegt das nur wie inhaltlich berechtigt die Kritik ist. Es sind die selbstimmunisierenden Elemente der neoliberalen Ideologien, die dazu fuehren, das sich die inhaltlich berechtigte Kritik
sich zwangslaeufig immer drastischere Formen der Artikulation sucht. Sie will nicht nur gehoert werden, sie verlangt nach Loesungen.
Es ist allerhoechste Zeit, dass die Eliten ihre auf Dauer unhaltbare Position aufgeben, indem sie sich der Kritik oeffnen und ihrer in der deutschen Verfassung verankerten Verpflichtung entsprechen. Das Grundgesetz sagt in seiner Weisheit nicht, das die Allgemeinheit den Eigentuemern verpflichtet ist. Sondern es verlangt Eigentum zu respektieren und seinen Gebrauch durch die Eigentuemer so zu gestalten, das es der Allgemeinheit dient. 

Sapere Aude!

Georg Trappe

Dienstag, 9. März 2010

Wenn die Grenzertraege einer Volkswirtschaft negativ werden


wird das System Wirtschaft instabil und erreicht einen sog. kritischen Punkt. Siehe Theorie komplexer System.
Wer glaubt mit Zins und Geldpolitik alleine das System stabilisieren zu koennnen irrt. Der Pfad der eingeschlagen wurde fuehrt wahrscheinlich ueber weitere Bifurkationen in einen qualitativ stark veraenderten oder vollkommen anderen Zustand.
Da die Mainstreamwirtschaftslehre es bisher abgelehnt hat Wirtschaft als ein disspatives System (=dynamisch nichtlineares System), das weitab von Gleichgewichten ist, zu betrachten, hat sie keine Werkzeuge um mit der aktuellen Situation zielgerichtet umzugehen. So wie sie nicht in der Lage war die Probleme fruehzeitig zu erkennen, ist sie jetzt nicht in der Lage eine wirkliche Stabilisierung herbei zu fuehren.
Daher gilt traurigerweise der Satz:
Geschichte wiederholt sich so lange, bis das notwendige Verstaendnis hergestellt ist.
Sapere Aude!
Georg Trappe

Montag, 8. März 2010

Geschichte wiederholt sich bis das notwendige Verstaendnis hergestellt ist

Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht (angeblich*) in "Die Weltbühne"

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!
Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.
Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.
Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!
Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.
Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.
Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!
Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.
Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht!

*20.Aug.2012: Vielen Dank an meinen Freund Norbert, der mich auf diese "Andichtung", auf die auch ich rein gefallen bin, aufmerksam gemacht hat. Was lerne ich daraus?
Rohdaten und Quellen Check nicht vergessen!